Berlin/Doha, 04. Feb (Reuters) - Der deutsche Energieversorger Uniper sieht im Ausbau der Beziehungen zu den Golfstaaten großes Potenzial auch für die Energieversorgung Deutschlands. "Uniper ist interessiert, Energiepartnerschaften aufzubauen und zu vertiefen", sagte Uniper-Chef Michael Lewis der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Lewis ist Teil der Wirtschaftsdelegation, die Kanzler Friedrich Merz bei seiner dreitägigen Reise nach Saudi-Arabien, Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate begleitet.

"Zusätzliche LNG-Optionen können helfen, die Energieversorgung Europas zu diversifizieren und wasserstofffähige Gaskraftwerke ab 2030 verlässlich zu betreiben. Dabei bieten langfristige Verträge meist Preisvorteile", betonte Lewis. Golfstaaten wie Katar fordern Langfristverträge, die wegen der angestrebten Klimaneutralität Deutschlands 2045 jedoch umstritten sind. Dabei geht es etwa um die Frage, ob Firmen eingekauftes Gas bei sinkendem Verbrauch in Deutschland dann auch in Drittländer verkaufen können. 

Perspektivisch seien die Golfstaaten auch beim Thema Wasserstoff interessant, sagte der Uniper-Chef. Dafür müsse sich der Markt in Europa jedoch noch weiter entwickeln. "Aktuell sind nur wenige Marktteilnehmer bereit, den Aufpreis für grüne Moleküle zu bezahlen - ohne die richtigen Rahmenbedingungen wird das auch so bleiben", sagte Lewis. Er forderte die EU zudem auf, etwa die Methanverordnung so zu gestalten, dass Lieferverträge abschließbar bleiben. Hintergrund ist vor allem die scharfe Kritik Katars an den EU-Umweltvorgaben. Das Land, einer der größten LNG-Produzenten weltweit, hat gedroht, Lieferungen nach Europa einzustellen, falls die Regeln nicht geändert werden.

LNG AUS USA NIMMT AN BEDEUTUNG IMMER MEHR ZU

Uniper-Handelsvorstand Carsten Poppinga sagte Reuters am Rande einer Energie-Konferenz in Doha, es sei richtig, dass Flüssig-Erdgas aus den USA derzeit bei der Versorgung Deutschlands mit LNG dominiere. Es sei die wirtschaftlichste Lösung. Dennoch müssten Unternehmen Portfoliorisiken durch Diversifizierung managen, fügte er hinzu. Uniper sei bestrebt, seine Bezugsquellen zu diversifizieren und den Nahen Osten sowie Argentinien einzubeziehen.

Die zunehmende Abhängigkeit bei der Energieversorgung von den USA ist eine Folge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Die Lieferungen aus den USA haben einen Großteil der Gasmengen aus Russland ersetzt. Nach Angaben der Bundesnetzagentur importierte Deutschland 2025 rund 1031 Terawattstunden (TWh) Gas. Davon entfielen etwa zehn Prozent auf die LNG-Terminals. Von diesen LNG-Mengen stammten 96 Prozent aus den USA. Die größten Lieferanten von Pipeline-Gas waren Norwegen mit 44 Prozent, die Niederlande mit 24 Prozent und Belgien mit 21 Prozent.

Der Chef des Energiekonzerns SEFE, Egbert Laege, mahnte auf der Konferenz in Doha, Europa dürfe nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen und sich zu sehr von einem einzigen Lieferanten oder einer einzigen Region abhängig machen. Nach 2022 sei die erste Reaktion Europas gewesen, sich den USA zuzuwenden. Es wäre jedoch ein sehr großer Fehler, sich nur auf eine Region zu stützen.

(Mitarbeit: Tom Käckenhoff, redigiert von Sabine Wollrab. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

- von Andreas Rinke und Emily Chow