Mailand/Wien, 07. Mai (Reuters) - Die italienische Großbank UniCredit will sich mit einem Milliardenverlust von einem Teil ihres Russlandgeschäfts trennen. UniCredit habe eine unverbindliche Vereinbarung mit einem privaten Investor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet, teilte das Mailänder Geldhaus am Donnerstag mit. Ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, ist jedoch offen: Ein Abschluss werde von der UniCredit für das erste Halbjahr 2027 erwartet, stehe aber unter dem Vorbehalt bindender Verträge und behördlicher Genehmigungen. Der Deal würde zu einer Ertragsbelastung von 3,0 bis 3,3 Milliarden Euro führen. Eine Entscheidung über den Teilverkauf ist nach Angaben der Regierung in Moskau noch nicht gefallen. "Sobald ein entsprechender Antrag gestellt wird, wird er geprüft", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Er verwies auf ein komplexes Genehmigungsverfahren, bei dem Faktoren wie Gegenseitigkeit und die aktuelle wirtschaftliche Lage berücksichtigt würden.
Im Zuge des Verkaufs soll das Russlandgeschäft aufgespalten werden. UniCredit will eine neue Einheit zur Abwicklung internationaler Zahlungen für nicht sanktionierte Firmenkunden behalten, der Rest soll an den Käufer aus den Emiraten gehen.
Trotz des hohen, teils währungsbedingten Verlusts rechnet UniCredit wegen geringerer Extremrisiken mit einem positiven Effekt auf die Kapitalausstattung von rund 35 Basispunkten. Die Gewinnerwartungen für die Jahre 2028 bis 2030 sowie geplante Ausschüttungen an die Aktionäre seien von dem Vorhaben nicht betroffen.
An der Börse gab die UniCredit-Aktie einen Teil ihrer anfänglichen Gewinne wieder ab und notierte zuletzt ein halbes Prozent im Plus. Die Ankündigung zum Teilrückzug folgt kurz auf die feindlichen Übernahmeavancen der Italiener gegenüber der Frankfurter Commerzbank.
RÜCKZUG MIT HINDERNISSEN
Die UniCredit ist hinter der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) das zweitgrößte westliche Geldhaus in Russland und gilt dort weiterhin als systemrelevant. Auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) und der italienischen Regierung - die in den russischen Interessen der Bank eine Gefahr für die nationale Sicherheit sah - fuhr UniCredit ihre Präsenz zuletzt zurück. So halbierte die russische Tochter ihr Kreditvolumen im vergangenen Jahr auf 600 Millionen Euro, der Nettogewinn stieg jedoch auf 814 (577) Millionen Euro. Bankchef Andrea Orcel hatte in der Vergangenheit stets betont, das Russlandgeschäft nicht wie einige Konkurrenten mit Verlust verkaufen zu wollen.
Ein Rückzug westlicher Banken aus Russland ist seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine mit hohen Hürden verbunden. Nach russischen Vorgaben müssen Unternehmen aus sogenannten "unfreundlichen Staaten", also Ländern mit Sanktionen gegen Russland, bei einem Verkauf in der Regel hohe Abschläge hinnehmen und eine erhebliche Abgabe an den Staat leisten. Auch die RBI prüft seit Kriegsbeginn einen Verkauf, verwies aber stets auf die schwierigen Bedingungen und nötigen Genehmigungen bis hin zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin. Ihre belarussische Tochter konnte die RBI jedoch an die Soven 1 Holding Limited aus den Vereinigten Arabischen Emiraten verkaufen.
Eine weitere in Russland vertretene italienische Bank, Intesa Sanpaolo, erhielt zwar bereits im September 2023 das für den Verkauf erforderliche Präsidialdekret, wartet aber weiterhin auf die Freigabe der Zentralbank. Dass solche Vorhaben auch scheitern können, zeigt das Beispiel der niederländischen Bank ING. Das Institut hatte den Verkauf seines Russlandgeschäfts bereits angekündigt, die Transaktion später jedoch abgesagt, da der Käufer die nötigen Genehmigungen nicht erhielt. Einigen Instituten gelang der Ausstieg dennoch: Die französische Societe Generale verkaufte ihr Russlandgeschäft 2022, die britische HSBC schloss ihren Ausstieg 2024 ab.
(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich und Valentina Za, Mitarbeit von Anastasia Lyrchikova und Elena Fabrichnaya. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




















