Der Umsatz stagniert im Jahresvergleich, doch der Gewinn steigt um 13 % auf 8,7 Milliarden Euro für die ersten drei Quartale. Die Kostenstruktur gehört weiterhin zu den effizientesten in Europa – dank des hohen Anteils an Sichteinlagen in der Refinanzierung. Die Bank verbindet diese Kostendisziplin mit einer herausragenden Rentabilität und sehr soliden Kapitalquoten.

Ein kleiner Vorbehalt ist jedoch angebracht: Der Rekordgewinn über neun Monate ist maßgeblich auf einen einmaligen Sondereffekt zurückzuführen – konkret auf Veränderungen im Konsolidierungskreis im Versicherungsgeschäft und auf die höhere Beteiligung an der Commerzbank im Vorquartal. Bereinigt um diese Sondereffekte läge der Gewinn bei 7,9 Milliarden Euro – nach 7,7 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Wie andere große europäische Banken konnte UniCredit den deutlichen Rückgang der Zinssätze – die sich in den letzten zwei Jahren halbiert haben – weitgehend durch Hedging-Programme auffangen. Das Kreditwachstum hingegen bleibt angesichts der wirtschaftlichen Stagnation in Europa schwach. Diese Strategie wird sich im kommenden Jahr jedoch nicht einfach fortsetzen lassen.

Deshalb hat CEO Andrea Orcel eine expansive Strategie der externen Wachstumsinitiativen angestoßen. Seine großen Ambitionen stoßen jedoch bislang auf politische Widerstände – in Deutschland etwa, wo ein vollständiger Erwerb der Commerzbank, an der UniCredit bereits 29 % hält, von den Behörden blockiert wird. Und auch in Italien scheiterte die geplante Übernahme der Bank BPM in diesem Sommer am Veto der Regierung Meloni.

Ein mögliches Signal für den Wandel der Marktstimmung: Die Marktkapitalisierung von UniCredit hat wieder das Niveau erreicht, das sie unmittelbar vor der Subprime-Krise hatte – nämlich das 1,5-Fache des Eigenkapitals. Zum Vergleich: In der Dekade von 2009 bis 2019 lag das Verhältnis im Schnitt bei nur der Hälfte des Eigenkapitals. Das unterstreicht, wie sehr sich die Wahrnehmung des Marktes gewandelt hat.

Vor allem aber bleibt UniCredit wegen seiner attraktiven Dividendenpolitik ein bevorzugtes Ziel institutioneller Investoren. Auch in dieser Hinsicht zählt die Bank inzwischen zu den Lieblingen der europäischen Finanzszene.