Der staatliche ungarische Energiekonzern MVM wird das Land auch dann ausreichend mit Gas versorgen können, falls die Importe aus Russland eingestellt werden sollten - allerdings ist mit steigenden Preisen zu rechnen. Das erklärte CEO Károly Matrai im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.
Die Europäische Union hat am Mittwoch beschlossen, die Einfuhren von russischem Gas bis Ende 2027 schrittweise zu beenden. Damit will der Staatenbund seine jahrzehntelange energiepolitische Abhängigkeit von Moskau beenden. Bereits ab Juni 2026 sind kurzfristige Pipeline-Gasverträge betroffen. Das Binnenland Ungarn lehnt diese Maßnahme ab und kündigte an, die Gesetzgebung vor dem Gerichtshof der EU anzufechten.
Károly Matrai, CEO von MVM, das in Zentraleuropa mehr als 10 Milliarden Kubikmeter Gas handelt und einen Marktanteil von 40-45 % am ungarischen Großhandelsmarkt hält, sagte, MVM führe Gespräche mit mehreren anderen Lieferanten - nannte jedoch keine Namen.
„Wir sind überzeugt, dass wir Ungarn auch ohne russisches Gas mit Gas versorgen konnen“, sagte Matrai. Selbst wenn Ungarns langfristiger Gasliefervertrag mit Russland unter das geplante EU-Verbot falle, werde MVM voraussichtlich Zugang zu verschiedenen LNG-Terminals in Europa erhalten konnen, und „wahrscheinlich wird es genug Gas geben“.
STREBEN NACH DIVERSIFIZIERUNG
MVM hat sich eine jährliche LNG-Kapazität von 1 Milliarde Kubikmetern am kroatischen Terminal Krk gesichert und Verträge mit Shell über rund 200 Millionen Kubikmeter pro Jahr ab 2026 sowie mit dem franzosischen Unternehmen Engie über 400 Millionen Kubikmeter abgeschlossen.
Matrai betonte jedoch, dass die Kosten für den Gastransport von den LNG-Häfen nach Ungarn und in die Slowakei die Preise in Zukunft erhohen würden. Im Rahmen eines langfristigen Vertrags importiert MVM derzeit 3,5 Milliarden Kubikmeter russisches Gas über die Turkstream-Pipeline und kauft zusätzlich russisches sowie Gas aus anderen Ländern am Spotmarkt, um den lokalen Bedarf von etwa 8 Milliarden Kubikmetern pro Jahr zu decken und auch Gas in die Slowakei zu liefern.
In Tschechien beliefert MVM Kunden aus Deutschland ausschließlich mit nicht-russischem Gas, wie Matrai mitteilte. Er rechnet mit einer Entscheidung der rumänischen Regulierungsbehorde bis April über den vereinbarten Erwerb von E.ONs 68 %-Anteil an E.ON Energie Romania durch MVM.
„Wir bereiten uns auf eine negative Entscheidung vor und werden uns sehr freuen, falls sie positiv ausfällt“, sagte Matrai.
Die Gruppe baut zudem drei Gaskraftwerke mit einer kombinierten Leistung von 1.590 MW in Ungarn, die 2029 ans Netz gehen sollen. Darüber hinaus plant MVM Investitionen von 400-600 Milliarden Forint, um die Laufzeit des ungarischen Kernkraftwerks Paks 1 um 20 Jahre über die geplanten Abschalttermine 2032-2037 hinaus zu verlängern, ergänzte Matrai.


















