Auf das spektakuläre Umsatzwachstum zwischen 2006 und 2016, in dessen Verlauf sich die Erlöse verzehnfachten und die Börsenbewertung des Konzerns eine ähnliche Entwicklung nahm, folgte eine lange Phase der Stagnation, deren Ende bis heute nicht absehbar ist.

Under Armour veröffentlichte Anfang des Monats seine Jahreszahlen und zerstörte damit zugleich Hoffnungen auf eine Trendwende. Der Umsatz des Konzerns hat sich innerhalb von zehn Jahren praktisch nicht verändert. Inflationsbereinigt bedeutet das einen deutlichen Rückgang – und die Restrukturierungsmaßnahmen konnten diesen Trend bislang nicht umkehren.

Ein bemerkenswert striktes Kostenmanagement und die Weigerung, bei den Preisen Zugeständnisse zu machen, ermöglichen es dem Unternehmen immerhin, über den Zyklus hinweg eine positive operative Marge zu verteidigen – mit Ausnahme des Jahres 2020, was angesichts der damaligen Lage nachvollziehbar erscheint. Dennoch bleibt das Geschäft unter Druck, und abgesehen von der Pandemiephase könnte das Geschäftsjahr 2026 das schwächste der vergangenen Dekade werden.

Ein wichtiger Punkt bleibt allerdings die Aktionärsstruktur des Konzerns. Angeführt wird sie vom kanadischen Versicherer Fairfax unter Leitung von Prem Watsa, der dafür bekannt ist, die Strategie von Berkshire Hathaway mit Versicherungsgeschäften als Finanzierungsquelle für antizyklische Investments erfolgreich kopiert zu haben.

Auf Augenhöhe mit Fairfax steht BDT Partners, der Fonds von Byron Trott, der als „Lieblingsbanker von Warren Buffett“ gilt. Zusammen kontrollieren diese beiden Schwergewichte rund ein Drittel des Kapitals – knapp vor Gründer und CEO Kevin Plank. Dieser hält zwar etwas weniger als ein Sechstel des Kapitals, verfügt aber über die große Mehrheit der Stimmrechte.

Was sehen Fairfax und BDT in Under Armour? Vielleicht die Gelegenheit, sich zu attraktiven Bewertungskennzahlen an einer weltweit bekannten Sportmarke zu beteiligen. Die Aktie wird derzeit nur mit etwas mehr als dem halben Jahresumsatz sowie dem acht- bis zehnfachen operativen Gewinn vor Investitionen beziehungsweise EBITDA bewertet.

Das allein dürfte allerdings kaum ausreichen, um ihr Interesse zu erklären, denn solche Multiplikatoren entsprechen im Grunde dem Branchendurchschnitt für Marken ohne Wachstum. Entsprechend hartnäckig halten sich Gerüchte, wonach das Trio Fairfax-BDT-Plank Under Armour von der Börse nehmen könnte.

Und da keine dieser Parteien dafür bekannt ist, bei Übernahmen zu viel zu bezahlen, leben Minderheitsaktionäre hier mit einem Damoklesschwert, das sich nur schwer ignorieren lässt.

Es sei denn, sie setzen tatsächlich auf eine echte operative Erholung. Im Gegensatz zu Lululemon und Nike ist Under Armour nur sehr begrenzt vom chinesischen Markt abhängig. Dadurch könnte die Marke ihr Schicksal stärker selbst in der Hand haben – und die Chancen auf eine Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum könnten realer sein.