Die Wetten der Investoren auf künftige Zinsschritte der Federal Reserve schwanken von Tag zu Tag – abhängig von den Äußerungen der Notenbanker und den jeweils veröffentlichten Konjunkturdaten. Die Zahlen der vergangenen Woche haben die Debatte erneut angeheizt.

Der Arbeitsmarktbericht für Januar fiel besser aus als erwartet: 130.000 neue Stellen – doppelt so viele wie vom Konsens prognostiziert. Ökonomen richteten ihren Blick jedoch vor allem auf die jährlichen Revisionen. Auf Basis dieser Anpassungen wurden im Jahr 2025 im Durchschnitt lediglich 15.000 Stellen pro Monat geschaffen. Das ist – außerhalb von Rezessionsphasen – der schwächste Wert seit zwanzig Jahren.

Am Freitag überraschte auch der Verbraucherpreisindex (CPI) für Januar – erneut nach unten – womit sich der disinflationäre Trend fortsetzt. Die jüngsten Wirtschaftsdaten scheinen der Fed damit grundsätzlich Spielraum zu eröffnen. Laut dem FedWatch-Tool der CME rechnen Händler inzwischen mit zwei bis drei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte im Jahr 2026.

Hinzu kommt, dass Kevin Warsh im Mai die Nachfolge von Jerome Powell an der Spitze der Fed antreten wird. Es gilt als ausgemacht, dass er unter politischem Druck von Donald Trump stehen dürfte, die Zinsen zu senken. Warsh argumentiert, Zinssenkungen seien gerechtfertigt, da künstliche Intelligenz einen Produktivitätsschub auslösen und damit ein disinflationäres Wachstum ermöglichen werde.

Die Fed ist gut positioniert

Viele Ökonomen weisen jedoch seit Warshs Nominierung darauf hin, dass diese Sichtweise angreifbar ist. Ein Produktivitätsboom bedeutet tendenziell höheres Wachstum – und damit einen höheren neutralen Zinssatz. Wenn die Produktivität steigt, gibt es folglich keinen zwingenden Grund, die Zinsen zu senken.

Zudem muss Warsh seine Kollegen überzeugen. Er verfügt lediglich über eine Stimme unter den zwölf stimmberechtigten Mitgliedern des geldpolitischen Ausschusses. Derzeit scheint innerhalb des FOMC eher eine Zinspause der Konsens zu sein. Bei der letzten Sitzung votierten lediglich Stephen Miran – der durch Warsh ersetzt wird – und Christopher Waller für eine Senkung um 25 Basispunkte.

Vor allem aber gibt es bislang keine klaren Hinweise darauf, dass die US-Wirtschaft zusätzliche Zinssenkungen benötigt. Zwar sorgen einzelne Schwächesignale am Arbeitsmarkt für Nervosität, und es bestehen Befürchtungen über KI-bedingte Entlassungswellen. Doch die Arbeitslosenquote ist im Januar wieder auf 4,3 % gesunken und hat seit dem Ende der Pandemie nie die Marke von 4,5 % überschritten.

Auch das Wachstum bleibt robust. Für das vierte Quartal wird ein BIP-Zuwachs von 3 % erwartet – die Veröffentlichung durch das Bureau of Economic Analysis steht am Freitag an. Für 2026 deutet vieles eher auf eine Wachstumsbeschleunigung hin, nachdem die Dynamik Anfang 2025 infolge der Unsicherheit rund um neue Zölle temporär nachgelassen hat.

Tatsächlich lassen sich für 2026 drei zentrale Wachstumstreiber identifizieren. Erstens der Elefant im Raum: die Investitionsausgaben im Bereich KI. Sie trugen bereits 2025 maßgeblich zum Wachstum bei. Für dieses Jahr planen allein die Hyperscaler – Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft – Investitionen in Höhe von 660 Mrd. USD.

Zweitens hat die Fed ihre Leitzinsen Ende 2025 um 75 Basispunkte gesenkt. Die geldpolitische Lockerung wirkt mit zeitlicher Verzögerung, dürfte aber im laufenden Jahr noch unterstützend sein.

Drittens kommt eine expansive Fiskalpolitik hinzu. Das von Donald Trump initiierte Steuersenkungsprogramm – das „One Big Beautiful Bill“ – wurde im vergangenen Sommer vom Kongress verabschiedet. Angesichts der bevorstehenden Midterm-Wahlen und der hohen Relevanz des Themas Lebenshaltungskosten ist nicht auszuschließen, dass weitere fiskalische Maßnahmen folgen.

Vor diesem Hintergrund überwiegt eher das Risiko einer Überhitzung als das eines Abschwungs. Torsten Slok, Chefökonom von Apollo, hält es daher für wahrscheinlicher, dass bis Jahresende über Zinserhöhungen statt über Zinssenkungen diskutiert wird.

In diesem Umfeld erscheint es für die Fed am sinnvollsten, sich an das Mantra der Europäischen Zentralbank anzulehnen, die betont, ihre Geldpolitik sei „gut positioniert“.