In nur zwei Monaten haben die Finanzmärkte bereits Bewegungen erlebt, die sonst einem ganzen Jahr entsprechen: deutliche Abverkäufe in einzelnen Aktiensektoren, ein regelrechter Kurssprung bei Edelmetallen mit anschließender schneller Korrektur oder eine kräftige Erholung des Ölpreises vor dem Hintergrund neuer geopolitischer Spannungen.
Am Anleihemarkt hingegen blieben die Ausschläge begrenzt. Vor allem notiert die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen derzeit in der Nähe ihrer Jahrestiefs – bei etwas über 4 %. Und das, obwohl mehrere Faktoren, selbst allein in der vergangenen Woche, als Katalysatoren hätten wirken und die Langfristzinsen nach oben treiben können.
Keine Reaktion
Zunächst wurden vergangenen Mittwoch die Protokolle der Fed veröffentlicht. Das Sitzungsprotokoll vom Januar offenbart unterschiedliche Auffassungen über den künftigen Zinspfad. Dabei scheint es mehr Notenbanker zu geben, die für eine vorsichtige Haltung plädieren, als solche, die rasche Zinssenkungen befürworten.
Am Freitag überraschte zudem die PCE-Inflation leicht nach oben und lag bei +3 % im Jahresvergleich – der stärkste Anstieg seit Februar 2025. Die Investoren richteten ihren Fokus jedoch vor allem auf die Wachstumsrisiken, da das gleichzeitig veröffentlichte BIP für das vierte Quartal mit +1,4 % auf Jahresbasis nur halb so stark wuchs wie erwartet. Diese Abschwächung ist auf den 43-tägigen Government Shutdown im vergangenen Herbst zurückzuführen.
In den letzten drei Monaten des Jahres 2025 stiegen die Konsumausgaben damit nur noch um 2,4 %, nach 3,5 % im Vorquartal.
Hinzu kam am Freitagnachmittag die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die Zölle für unzulässig zu erklären. Diese Zölle waren zu einer nicht unerheblichen Einnahmequelle für das US-Finanzministerium geworden und damit ein Instrument zur Defizitreduzierung. Der Anleihemarkt geht jedoch davon aus, dass Zölle in der einen oder anderen Form zurückkehren werden.
Donald Trump reagierte umgehend und kündigte einen globalen Zollsatz von 10 % an, den er später auf 15 % anhob. „Wir werden auf das gleiche Zollniveau für die betroffenen Länder zurückkehren. Es wird nur weniger direkt und etwas komplexer umgesetzt“, versicherte Finanzminister Scott Bessent. „Ich habe das Gefühl, dass die Amerikaner es nicht spüren werden.“
Weiterhin der ultimative sichere Hafen
Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die zehnjährige US-Staatsanleihe weiterhin als sicherer Hafen fungiert. Zwar treten die großen US-Indizes seit einigen Wochen auf der Stelle, doch unter der Oberfläche sind die Korrekturen deutlich spürbar. Die Sorgen vor disruptiven Effekten durch Künstliche Intelligenz greifen zunehmend auf zahlreiche Branchen über, je mehr neue Modelle von Anthropic und anderen Anbietern auf den Markt kommen.
Ein Blick auf die Sektorentwicklung seit Jahresbeginn zeigt, dass Investoren verstärkt Zuflucht in traditionelleren Wirtschaftsbereichen suchen: Versorger, Energie, Basiskonsumgüter. Diese Flucht in defensive Werte dürfte sich nicht nur auf den Aktienmarkt beschränken und könnte ebenfalls erklären, weshalb die Langfristzinsen nicht anziehen.
Generell bleiben die Bewegungen bei US-Treasuries weit entfernt von den Befürchtungen, die vor einem Jahr im Zusammenhang mit dem „Sell America“-Trade aufgekommen waren – der These, Investoren würden sich angesichts der Unberechenbarkeit der neuen US-Regierung massenhaft aus den Vereinigten Staaten zurückziehen.
Im Januar rückte dieses Thema erneut in den Fokus, als Donald Trump mit der Annexion Grönlands drohte. Ein Stratege der Deutschen Bank brachte damals ins Spiel, Europa könne die rund 8.000 Milliarden US-Dollar an Treasuries als Druckmittel einsetzen.
Zwar ist es nicht zu einem breiten Abverkauf amerikanischer Vermögenswerte gekommen, doch im Sinne eines aktiven Risikomanagements bemühen sich Investoren zunehmend um eine stärkere Diversifikation weg von den USA. Es handelt sich somit eher um eine Frage der Kapitalströme als der Bestände.
Anfang Februar kündigte Amundi, Europas größter Vermögensverwalter, an, seine US-Exposure in den kommenden Jahren reduzieren zu wollen. Eine ähnliche Ankündigung hatte bereits Pimco im Januar gemacht. Dort rechnet man damit, dass die „unberechenbare“ Politik Donald Trumps zu „mehreren Jahren der Diversifikation weg von US-Anlagen“ führen werde.






















