Kurz vor der Veröffentlichung dieser Daten veröffentlichte Torsten Slok, Chefökonom von Apollo, eine Analyse mit dem Titel „Stagflation 2025 – Überhitzung 2026“, in der er zehn Faktoren aufführt, die die US-Konjunktur im laufenden Jahr beflügeln dürften. „Es gibt bedeutende Katalysatoren, die Wachstum und Inflation in den kommenden Quartalen anheizen könnten“, lautet sein Fazit.

Ein bemerkenswerter Ausgangspunkt, denn trotz des Narrativs eines KI-getriebenen Investitionsbooms war die US-Wirtschaft 2025 eher schwächer unterwegs. Nach einem Wachstum von 2,9 % im Jahr 2023 und 2,8 % im Jahr 2024 dürfte das Bruttoinlandsprodukt 2025 eher in Richtung 2 % tendieren – je nach Quelle. Für europäische Verhältnisse ein beeindruckender Wert, aber dennoch ein Abschwung. Besonders die Unsicherheiten rund um Zölle bremsten das Wachstum im ersten Halbjahr 2025.

Dass sich das Wachstum 2026 wieder beschleunigt, ist unter Volkswirten weitgehend Konsens. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wie stark wird die Erholung – und was bedeutet sie für die Inflation?

Zwei Faktoren stützen die Konjunktur besonders:

1. Investitionen in Künstliche Intelligenz:
Schon 2025 trieben die KI-Ausgaben das Wachstum, doch 2026 dürften sie weiter zulegen. Die fünf großen Hyperscaler – Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft und Oracle – investierten im vergangenen Jahr rund 400 Mrd. USD. Für 2026 rechnen Beobachter mit einem Anstieg auf etwa 500 Mrd. USD.

2. Das große Steuersenkungsgesetz ("One Big Beautiful Bill"):
Im Juli 2025 verabschiedete der Kongress auf Initiative von Donald Trump ein umfassendes Steuerpaket, das ebenfalls stimulierend wirkt. Hinzu kommt der politische Zyklus: Die anstehenden Zwischenwahlen im November dürften die Regierung zu weiteren fiskalischen Impulsen motivieren, um eine Wahlniederlage zu vermeiden.

Noch im vergangenen Jahr galt ein Abschwung der US-Wirtschaft als größte Sorge der Märkte – insbesondere nach der Einführung von Strafzöllen durch die US-Regierung im Frühjahr. Nun hingegen ist es das Risiko einer Überhitzung, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht.

Die Konjunktur zieht bereits wieder an: Im dritten Quartal 2025 wuchs das BIP um 4,3 %. Für das vierte Quartal – die Daten werden Ende Januar veröffentlicht – rechnet das Modell der Fed von Atlanta sogar mit einem Anstieg von 5,1 %. (Ein Modell, das breite Beachtung findet, wenngleich mit Vorsicht zu genießen.)

Für die Märkte birgt dieses Szenario Chancen und Risiken zugleich:

Ein stärkeres Wachstum ist grundsätzlich positiv für die Unternehmensgewinne – und damit für die Aktienmärkte. Doch wenn die Kehrseite eine erneute Beschleunigung der Inflation ist, könnte die US-Notenbank von Zinssenkungen absehen oder im schlimmsten Fall sogar neue Zinserhöhungen in Betracht ziehen. Und weniger Zinssenkungen bedeuten tendenziell eine Belastung für die Bewertung von Aktien.

Aktuell zeigt sich bei den Inflationsdaten der letzten Monate eher ein disinflationärer Trend. Die befürchtete Rückkehr der Inflation infolge der Zollpolitik hat sich bislang nicht materialisiert.

Das ideale Szenario aus Sicht der Märkte wäre ein kräftiges Wachstum ohne Inflation – ähnlich wie in den 1990er-Jahren: Getragen von Investitionen, die ihrerseits zu Produktivitätsgewinnen führen, während die Inflation unter Kontrolle bleibt. Ein solches Umfeld bleibt das große Ziel – doch es wird schwer zu erreichen sein.