Dabei hatte Uber früh auf das Potenzial autonomer Taxis gesetzt. Im Jahr 2020 – zu einer Zeit, als die Aktie hoch bewertet war und das Unternehmen noch um nachhaltige Profitabilität rang – veräußerte der Konzern seine entsprechende Sparte für vier Milliarden Dollar, um den Cash-Burn zu reduzieren.

Von einer Kehrtwende kann jedoch nur bedingt die Rede sein. Uber setzt heute auf internationale Partnerschaften mit Anbietern von Robotaxis, um in den regulatorisch fortgeschrittensten Regionen eigene Flotten aufzubauen. Laut Financial Times hat der Konzern dafür in dieser Woche Investitionen von insgesamt zehn Milliarden Dollar zugesagt – davon 7,5 Milliarden für den Aufbau einer Fahrzeugflotte und 2,5 Milliarden für Beteiligungen an Projekten im Umfeld des Sektors. Die zweite Jahreshälfte 2024 markierte dabei einen Wendepunkt: Uber begann gezielt nach Partnern zu suchen und zugleich die Kapitalmärkte davon zu überzeugen, den Übergang nicht zu verpassen.

Das Unternehmen entwickelt sich damit zunehmend zu einer Plattform, die verschiedene Mobilitätsformen integriert. In den vergangenen Monaten hat Uber mehrere bedeutende Partnerschaften geschlossen, um selbst autonome Fahrzeuge zu besitzen – unter anderem mit Lucid und Rivian. Hinzu kommen Kooperationen mit Herstellern von Lieferrobotern und autonomen Lkw.

Damit befindet sich der Konzern an einem entscheidenden Punkt: Die Transformation betrifft weniger das operative Geschäft als vielmehr das Finanzmodell. Langfristig könnte Uber auf einen der größten Kostenfaktoren verzichten – die Fahrer, die derzeit 70 bis 80 % der Kosten pro Fahrt ausmachen.

Mit dem Aufbau eigener Flotten entfernt sich Uber jedoch vom kapitalarmen Geschäftsmodell. Die Zahlen für 2025 zeigen bereits Investitionen in Sachanlagen (PP&E) in Höhe von 336 Millionen Dollar bei einem freien Cashflow von knapp zehn Milliarden Dollar. Das Unternehmen verfügt somit über ausreichende Mittel, um diese Investitionen zu finanzieren. Für den Kapitalmarkt bedeutet dies jedoch auch, dass die zuletzt stark ausgeweiteten Aktienrückkäufe – 6,5 Milliarden Dollar im Jahr 2025 – künftig an Dynamik verlieren könnten.

Tatsächlich hat die Aktie in den vergangenen Monaten unter Druck gestanden, während die Bewertung seit Ende 2024 stagniert – nicht zuletzt im Zuge der Fortschritte bei Waymo (Alphabet) und Tesla. Für Uber ist der teilweise Besitz einer eigenen Robotaxi-Flotte jedoch eine strategische Absicherung gegenüber diesen zunehmend als Wettbewerber auftretenden Technologiekonzernen. Denn viele dieser Akteure verfolgen offenbar das Ziel, ihre Lösungen eigenständig zu betreiben. Zwar arbeitet Waymo in einigen Städten mit Uber zusammen, in strategisch wichtigen Märkten scheint jedoch ein Alleingang bevorzugt zu werden. Tesla setzt ebenfalls auf eine eigene Plattform, ebenso Amazon mit Zoox.

Uber bleibt damit im Rennen, allerdings mit einem differenzierten Ansatz. Nur wenige Hersteller sind bislang tatsächlich operativ aktiv, und die enorme Reichweite von Uber – mit rund 40 Millionen Fahrten pro Tag – dürfte ein entscheidender Faktor sein, um Kundenbindung in einem noch jungen Markt mit erheblichem Potenzial aufzubauen.

Die strategische Ausrichtung wird damit klarer: Uber setzt sowohl auf eigene Fahrzeuge als auch auf Partnerschaften, etwa mit Nvidia. Ziel ist es, eine Schnittstelle zwischen der Softwarearchitektur von Nvidia und den zahlreichen Fahrzeugherstellern zu schaffen, um eine Art gemeinsamen Standard für Robotaxis zu etablieren. CEO Dara Khosrowshahi spricht in diesem Zusammenhang selbst von einem „Multi-Player“-Ökosystem für autonome Fahrzeuge auf der Uber-Plattform.

War dieser strategische Schwenk also richtig? Angesichts einer bislang eher langsamen Marktdurchdringung, hoher Entwicklungskosten und anhaltender regulatorischer Hürden erscheint es keineswegs unlogisch, dass Uber darauf verzichtet hat, selbst zum technologischen Kern dieser Revolution zu werden und sich stattdessen auf die Rolle des Betreibers konzentriert. Zumal neben finanziellen Aspekten auch erhebliche Reputationsrisiken – etwa bei Unfällen – eine Rolle spielten.

Heute engagiert sich der Konzern in einem deutlich günstigeren Umfeld: Die Profitabilität ist etabliert, gleichzeitig hat Uber verhindert, dass sich die Hersteller vollständig von seiner Plattform emanzipieren. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die technologischen Fortschritte im Bereich autonomer Mobilität erstmals beginnen, ihre Versprechen einzulösen.