Die Proteste folgten auf drei Wochen voller Demonstrationen und unterstrichen die wachsende Dynamik unter Oppositionsgruppen und der Zivilgesellschaft gegen das, was sie als Saieds beispiellose Unterdrückung von Kritikern bezeichnen.
Hunderte marschierten durch die Hauptstadt und trugen Porträts von inhaftierten Politikern, Journalisten und Aktivisten mit sich, wodurch die Proteste zu einer wöchentlichen Konfrontation zwischen Saied und seinen Gegnern wurden.
Menschenrechtsgruppen sagen, Saied habe seit der Übernahme außerordentlicher Befugnisse im Jahr 2021 und der Herrschaft per Dekret die Freiheiten ausgehöhlt und Tunesien in ein „Freiluftgefängnis” verwandelt. Saied weist die Vorwürfe zurück und erklärt, er reinige das Land von Verrätern und einer korrupten Elite.
Die breite Beteiligung verschiedener politischer Strömungen am Samstag markierte eine Veränderung gegenüber den Vorjahren, als die politische Zersplitterung die Mobilisierungsfähigkeit der Opposition beeinträchtigte.
„Heute befindet sich die gesamte Opposition im Gefängnis. Die Maschinerie der Diktatur hat niemanden verschont, sodass die Einheit auf den Straßen zu einer Notwendigkeit geworden ist und nicht mehr nur eine Option“, erklärte die Demonstrantin Noura Amaira gegenüber Reuters.
Menschenrechtsgruppen werfen Saied vor, die Justiz und die Polizei zu nutzen, um Kritik zu unterdrücken. Saied bestreitet, ein Diktator zu sein oder die Justiz gegen seine Gegner einzusetzen.
Ein Gericht verurteilte am Freitag die prominente Oppositionspolitikerin Abir Moussi zu 12 Jahren Haft, was laut Menschenrechtsorganisationen ein weiterer Schritt zur Festigung von Saieds Alleinherrschaft ist.
Im vergangenen Monat verurteilte ein Berufungsgericht Dutzende Oppositionsführer, Geschäftsleute und Anwälte wegen Verschwörung zum Sturz von Saied zu Haftstrafen von bis zu 45 Jahren.
Letzte Woche verhaftete die Polizei die Oppositionspolitiker Chaima Issa, Ayachi Hammami und Nejib Chebbi im Zusammenhang mit demselben Fall, was eine Welle der Kritik von lokalen und internationalen Menschenrechtsorganisationen auslöste.
Ebenfalls im vergangenen Monat gaben drei Bürgerrechtsgruppen bekannt, dass die Behörden ihre Aktivitäten wegen angeblicher ausländischer Finanzierung ausgesetzt hätten.


















