„Seit 47 Jahren halten uns die Iraner hin, versetzen uns in Spannung, töten unsere Bürger mit improvisierten Bomben, unterdrücken Proteste (...) und machen sich gleichzeitig über unser nun wieder GROSSES Land lustig. Aber sie werden nicht mehr lachen!“ Die über Nacht veröffentlichte Botschaft von Donald Trump gibt die Richtung vor: Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken fest, und das Weiße Haus verliert die Geduld.

Die ohnehin geringen Hoffnungen auf eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus schwinden damit weiter. Die Daten zur Schiffsverfolgung sprechen eine klare Sprache: In den vergangenen 24 Stunden gelang es lediglich drei Schiffen, die Passage zu durchqueren.

Die Folge: Der Brent-Preis hat die Marke von 105 US-Dollar je Barrel überschritten, während WTI inzwischen an der Schwelle von 99 US-Dollar notiert.

Vor diesem Hintergrund erhöhen die Analysten von Bernstein heute ihre Prognose für Brent-Rohöl von 80 auf 90 US-Dollar für 2026 und von 70 auf 78 US-Dollar für 2027. Das Analysehaus spricht von einem „deutlich angespannteren“ physischen Markt, nachdem infolge von Lieferstörungen und Lagerabbauten mehr als 1.000 Mio. Barrel dem Markt entzogen worden seien.

Das Basisszenario von Bernstein geht weiterhin von einem Ende des Konflikts vor Juni aus, verbunden mit einer schrittweisen Normalisierung der Lieferströme im dritten Quartal. Der Broker betont zudem, dass seine Prognosen über dem Marktkonsens und der aktuellen Terminpreiskurve lägen. Investoren unterschätzten seiner Ansicht nach die Dauerhaftigkeit der Angebotsengpässe und der hohen Grenzkosten.

Aktien im Fokus

Hannover Re fällt um 3,2 %, nachdem sinkende Preise im Schaden- und Unfallsegment (P&C) auf die Stimmung drücken.

GEA Group verliert 6 %. Der Spezialist für Industrietechnologie leidet unter der Schwäche seines Segments „New Food & Personal Care“, dessen Ergebnisse 6 % unter den Erwartungen lagen. Trotz dieses Schwachpunkts weist der Konzern insgesamt solide Kennzahlen aus.

Delivery Hero steigt um 10 %. Der Großaktionär Prosus verkauft 5 % seiner Beteiligung an den Investmentfonds Aspex für 335 Mio. Euro. Das verleiht dem Online-Essenslieferdienst Rückenwind.

IAG gewinnt dagegen 4 %, nachdem die Flugholding den Rückkauf sämtlicher ausstehender unbesicherter Wandelanleihen erster Rangklasse im Volumen von 825 Mio. Euro mit einem Kupon von 1,125 % angekündigt hat.

Novo Nordisk steigt um 3,5 %, gestützt von einer Studie von SB1 Markets. Das Analysehaus erhöht sein Kursziel für den Pharmakonzern von 280 auf 350 DKK und bestätigt zugleich die Kaufempfehlung.

Compass legt schließlich um 1,4 % auf 30,20 US-Dollar zu. Auslöser ist ein solides Ergebnis für das erste Halbjahr 2025/26, woraufhin der Konzern seine Ziele für das Gesamtjahr angehoben hat.

Den Pariser Leitindex belasten LVMH (-3,11 %), Renault (-2,83 %) und Hermès (-1,87 %) sowie die Dividendenabschläge bei Schneider Electric, AXA und Veolia.

„Die europäische Renaissance bekommt erste Risse. Während die europäischen Indizes schwächeln, reihen die US-Märkte weiter positive Handelstage aneinander“, analysiert Christopher Dembik, Investmentstratege bei Pictet AM.

Die Divergenz zwischen US- und europäischen Märkten erklärt sich seiner Ansicht nach vor allem durch die angekündigten Aktienrückkäufe der Unternehmen im S&P 500, die in den vergangenen drei Monaten 500 Mrd. US-Dollar überschritten hätten. „Das wirkt wie eine starke Stütze für die amerikanischen Indizes. Unter diesen Bedingungen wird es für europäische Märkte schwierig mitzuhalten“, betont er.

Bei UBS verweist man zudem darauf, dass das deutsche Fiskalpaket für Verteidigung und Infrastruktur ein „Schlüsselthema für den europäischen Ausblick“ bleibe. Nach Einschätzung der Analysten dürfte das Programm das deutsche BIP-Wachstum sowohl 2026 als auch 2027 um rund 60 Basispunkte stützen – ein Effekt, der nicht durch den Energieschock aufgehoben werden sollte.

„Tatsächlich basiert unsere neue BIP-Wachstumsprognose von 0,6 % für dieses Jahr im Wesentlichen auf fiskalischen Impulsen. Für 2027 erwarten wir 1,5 %“, so die Bank.

Wenig Konjunkturdaten vor der US-Inflation

Auf der Makroseite bleibt der Wochenauftakt relativ ruhig. In den USA stehen lediglich die Hausverkäufe um 16 Uhr auf der Agenda. Der Fokus der Investoren richtet sich jedoch vor allem auf die morgen anstehenden US-Inflationsdaten, die entscheidend für die Zinserwartungen an die Federal Reserve sein dürften. Der Konsens rechnet mit einer Gesamtinflation von +3,7 % und einer Kerninflation von +2,7 %.

Der Euro bewegt sich derweil stabil gegenüber dem US-Dollar bei rund 1,177 US-Dollar.