Nach Monaten der Kritik an Jerome Powell wegen dessen Zurückhaltung bei Zinssenkungen hat Donald Trump nun endlich seinen Kandidaten an die Spitze der US-Notenbank gebracht. Dennoch wird er sich auf eine Fed einstellen müssen, die insgesamt restriktiver auftritt.

Kevin Warsh wurde am Freitag im Weißen Haus vereidigt. Er übernimmt die Führung der Federal Reserve für eine Amtszeit von vier Jahren.

Allerdings tritt er sein Amt in einem deutlich anderen Umfeld an als noch bei seiner Nominierung im Januar. Der Krieg im Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben und eine Rückkehr der Inflation ausgelöst. Damit sind die Zinssenkungen, die die Fed zu Jahresbeginn signalisiert hatte und auf die die Märkte hofften, vorerst in weite Ferne gerückt.

Im April sprang die Inflation auf 3,8 % im Jahresvergleich und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai 2023. Da die Straße von Hormus inzwischen seit drei Monaten geschlossen ist, dürfte der Energieschock die Preisentwicklung noch länger belasten.

Infolgedessen lautet die entscheidende Frage nicht mehr, wann die Fed die Zinsen senken wird, sondern ob sie diese erneut anheben muss. Mehrere Fed-Vertreter haben inzwischen signalisiert, dass sie zu Zinserhöhungen bereit wären. Laut dem FedWatch-Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bis zum Jahresende derzeit bei rund 50 %.

Angesichts einer Inflation, die seit fünf Jahren über dem Zielwert von 2 % liegt, sowie eines weiterhin robusten Arbeitsmarktes sieht sich die Fed gezwungen, ihren Kurs zu verschärfen.

Dabei war die Notenbank in den vergangenen Monaten – sehr zum Missfallen vieler Inflationsskeptiker – locker ausgerichtet. Zur Erinnerung: Zwischen September 2024 und Dezember 2025 senkte die Fed die Leitzinsen um insgesamt 175 Basispunkte. Vor allem reagierte sie frühzeitig auf erste Schwächesignale am Arbeitsmarkt, ohne auf eine Rückkehr der Inflation auf 2 % zu warten.

Doch nicht nur das makroökonomische Umfeld macht die Fed restriktiver. Kevin Warsh ersetzt Stephan Miran im Gouverneursrat der Fed. Miran, ein ehemaliger Berater Trumps, der erst im vergangenen August ernannt worden war, galt als mit Abstand taubenhaftestes Mitglied des geldpolitischen Ausschusses. Bei sämtlichen Sitzungen, an denen er teilnahm, stimmte er gegen die Mehrheitsentscheidung – entweder zugunsten einer Zinssenkung oder für eine stärkere Senkung.

Zwar bleibt Jerome Powell Mitglied des Gouverneursrats, doch nun ist Kevin Warsh derjenige, der die Debatten prägt. Warsh erarbeitete sich während seiner ersten Zeit bei der Fed zwischen 2006 und 2011 den Ruf eines geldpolitischen Falken, während Jerome Powell gemeinhin als Taube galt.

Offenbar hat inzwischen auch Donald Trump erkannt, dass die Fed kurzfristig kaum Spielraum für Zinssenkungen hat. „Man kann die Zahlen eigentlich nicht wirklich beurteilen, solange der Krieg nicht vorbei ist“, räumte er vergangene Woche in einem Interview mit Fortune ein.