Im vergangenen Jahr stand mit Accolade bereits die Nummer zwei der Branche kurz vor der Insolvenz, ehe das Unternehmen in letzter Minute von einem Konsortium aus Private-Equity-Fonds übernommen wurde.
Ursache hierfür waren gleich zwei sogenannte „Black Swan“-Ereignisse, die den Sektor hart trafen: Zunächst der pandemiebedingte „Nuklearwinter“ des Weinabsatzes, gefolgt von chinesischen Strafzöllen auf australische Weine – beide Entwicklungen in einem Umfeld strukturell rückläufiger Absatzmengen und sinkender Nachfrage nach Einstiegsweinen.
Nun ist es der australische Branchenprimus Treasury Wine Estates, der eine Wertberichtigung von fast einer halben Milliarde US-Dollar auf seine US-Vermögenswerte ankündigt – dies entspricht der Hälfte des Preises für die Übernahme von DAOU Vineyards im Jahr 2023.
Schon zwei Jahre zuvor, um den chinesischen Zöllen zu entkommen, hatte Treasury für 315 Millionen US-Dollar Frank Family Vineyards übernommen.
In Sydney fällt die Treasury-Wines-Aktie damit auf das Kursniveau von vor genau zehn Jahren zurück. Der spekulative Höhenflug zwischen 2015 und 2019 – in dem sich die Marktkapitalisierung des Unternehmens binnen vier Jahren vervierfachte – erscheint heute weit entfernt.
Der Markt straft das endgültige Scheitern einer ambitionierten Expansionsstrategie ab, die eigentlich bereits 2016 mit dem knapp 600 Millionen US-Dollar schweren Kauf der Weinsparte von Diageo in Großbritannien und den USA begonnen hatte.
Diese Übernahmen belasteten die Bilanz und führten zu einer erheblichen Verwässerung, ohne dabei das operative Ergebnis – insbesondere den freien Cashflow – zu steigern, der im letzten Jahr in etwa dem Wert von vor zehn Jahren entsprach. Auch das grundlegende Wachstumsproblem ließ sich dadurch nicht lösen. Die Wertvernichtung ist also evident.
Immerhin hat Treasury Wines im Laufe der Jahre 1,9 Milliarden US-Dollar an die Aktionäre zurückgeführt, davon 1,5 Milliarden in Form von Dividenden. Angesichts einer Marktkapitalisierung, die selbst nach dem jüngsten Absturz noch bei rund 3 Milliarden US-Dollar liegt, und eines Unternehmenswertes von 4,2 Milliarden, ist das durchaus beachtlich.
Ähnlich wie Rémy Cointreau, das in diesen Spalten zuletzt diskutiert wurde, notiert Treasury inzwischen wieder etwa auf dem Niveau des Eigenkapitals. Einige Mitglieder des Managements sahen darin jüngst die Gelegenheit, am Markt Aktien zuzukaufen.
Investoren, die auf eine rasche Erholung des Weinmarktes in Australien und den USA setzen möchten, könnten versucht sein, diesem Beispiel zu folgen – zumal der australische Dollar derzeit auf einem historischen Tief gegenüber dem US-Dollar notiert.
Tatsächlich ist Treasury Wines trotz der jüngsten Wertberichtigungen weiterhin solide kapitalisiert und dürfte seine Zinslast gut bedienen können.
Die anstehenden Refinanzierungstermine in den Jahren 2026 und 2027 werden jedoch unweigerlich zu deutlich härteren Konditionen führen als in der Vergangenheit. In diesem Zusammenhang gehen die Analysten von MarketScreener davon aus, dass die Aktionäre des Unternehmens nicht um eine baldige Dividendenkürzung herumkommen werden.


















