Der Ausverkauf an den Aktienmärkten, ausgelöst durch die sich verschärfende Krise im Nahen Osten, griff am Dienstag weiter um sich, als auch die Wall Street nachgab. Steigende Energiepreise und zunehmende Risse in den meisten anderen Anlageklassen zwingen Investoren und Entscheidungsträger dazu, ihre Prognosen zu überdenken.

Mehr dazu weiter unten. In meiner heutigen Kolumne analysiere ich, wie die aktuellen Turbulenzen die Schwächen des traditionellen "60-40"-Anlageportfolios offenlegen. Da sowohl Aktien als auch Anleihen verkauft werden: Wo bleibt der Schutz durch Diversifikation?

Falls Sie mehr Zeit zum Lesen haben, empfehle ich Ihnen folgende Artikel, um die heutigen Marktentwicklungen besser zu verstehen:

1. Konflikt im Nahen Osten weitet sich aus: Angriffe von Israel und den USA treffen erneut den Iran; Ölpreise steigen, Aktien rutschen ab

2. Globale Energiepreise explodieren, da Iran-Krise Schifffahrt sowie Öl- und Gasproduktion stört

3. Der Dollar gewinnt wieder an Schwung – allerdings nur mangels Alternativen: Mike Dolan

4. Anleihemärkte von Inflationsängsten dominiert, Erwartungen an Zinssenkungen sinken

5. Fed steht trotz US-Energie-Resilienz vor neuen Inflations- und Wachstumsrisiken

Die wichtigsten Marktbewegungen des Tages

* AKTIEN: S&P 500, Nasdaq, Dow verlieren ca. 1%, Japan -3%, Südkorea -7%. Führende europäische Indizes -2,5 bis -3,5%, Brasilien und Mexiko -3%.

* SEKTOREN/AKTIEN: Alle 11 Sektoren im S&P 500 im Minus, angeführt von Rohstoffen -2,7%, Industrie -2%. Rüstungs- & Luftfahrtaktien -2% nach Rekordhoch am Montag. Micron Technology, Newmont Corp -8%; Best Buy, Target +7%.

* DEVISEN: Dollar erneut stark, USD/JPY in der "Interventionszone" nahe 158,00. Schwellenländerwährungen unter Druck – brasilianischer Real -2% (schwächster Tag dieses Jahres), chilenischer Peso -3%.

* ANLEIHEN: US-Renditen +2 Basispunkte, zwei US-Zinssenkungen für dieses Jahr nicht mehr voll eingepreist. Spanische Renditen springen um 10 Basispunkte, nachdem Trump mit Handelsstopp gegen Spanien droht.

* ROHSTOFFE/METALLE: Öl steigt um 5%, Brent auf höchstem Stand seit Juli 2024. US-Diesel teuerster seit November 2023, europäisches LNG +22%. Gold -4%, andere Edelmetalle -9%. US-Kupfer -2%.

Die Gesprächsthemen des Tages

* Was steigt, muss auch wieder fallen

Kaum ein Bereich der Weltmärkte entkommt derzeit dem sich verstärkenden Ausverkauf. Auch Segmente, die durch solide Fundamentaldaten geschützt schienen oder als Diversifikationsmöglichkeit galten, werden genauso hart getroffen wie die übrigen.

Südkoreanische Aktien sowie Gold und Silber zählten am Dienstag zu den größten Verlierern. Kein Zufall: Sie gehörten zuletzt zu den größten Gewinnern – Gold und Silber Ende letzten Jahres, der KOSPI in den ersten beiden Monaten dieses Jahres mit +50%. In der Jagd nach Liquidität haben jene Anlagen, die sich im Spekulationsrausch am stärksten verteuerten, nun den größten Spielraum für Verluste.

* Kevin, hilf uns jetzt

Zwei Zinssenkungen der Fed um jeweils einen Viertelpunkt sind im US-Zinsfuturesmarkt für 2026 nicht mehr voll eingepreist. Investoren sehen den negativen Energieschock und die steigenden Preise derzeit eher als Inflationsrisiko denn als Wachstumsgefahr und bewerten die Fed entsprechend.

Da die Inflation bereits deutlich über dem Fed-Ziel liegt, könnte das Umfeld für Kevin Warsh, Donald Trumps designierten Fed-Chef, der im Mai Jerome Powell ablösen soll, kaum schwieriger sein. Könnte die erste Maßnahme der Fed unter Warsh eine Zinserhöhung sein?

* Private Credit bleibt ein Problem

Während die Ereignisse im Nahen Osten die globalen Assetpreise im Griff haben, sind die Probleme im privaten Kreditmarkt keineswegs verschwunden. Im Gegenteil: Der Anstieg der Rückgaben beim Blackstone-Flaggschiff-Fonds zeigt, dass sie sich zuspitzen.

Aktien von Blackstone brachen am Dienstag um 5% ein, auch bei den Konkurrenten KKR und Apollo ging es abwärts. Sie haben in diesem Jahr rund 30% verloren und liegen 45-50% unter ihren Allzeithochs. Die geopolitischen Turbulenzen beschleunigen die Jagd nach Bargeld und Liquidität und verstärken damit die Verkaufswelle.

Was könnte die Märkte morgen bewegen?

* Entwicklungen im Nahen Osten, insbesondere im Hinblick auf Störungen der Energieversorgung

* Australien BIP (Q4)

* Japan Services PMI (Februar)

* Chinas "offizieller" Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen (Februar)

* Japans Verbrauchervertrauen (Februar)

* Rede von Kazuo Ueda, Gouverneur der Bank of Japan

* UK Services PMI (Februar)

* EZB-Vizepräsident Luis de Guindos und Vorstandsmitglied Piero Cipollone sprechen auf separaten Veranstaltungen

* Eurozonen-Services PMI (Februar)

* Rede von Tiff Macklem, Gouverneur der Bank of Canada

* US-PMI (Februar)

* US-Services ISM (Februar)

* US-ADP-Beschäftigungsbericht Privatsektor (Februar)

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