Die Hoffnung auf ein möglicherweise bevorstehendes Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran hat die globalen Aktienmärkte am Mittwoch auf neue Höchststände katapultiert und die Ölpreise auf Talfahrt geschickt. Gleichzeitig verschärfte sich der KI-Hype an der Wall Street durch starke Quartalszahlen und Berichte über massive Investitionszusagen in diesem Sektor.

In meiner heutigen Kolumne beleuchte ich die bemerkenswerte Resilienz der Schwellenländer gegenüber dem globalen Energieschock - EM-Aktien notieren auf einem Rekordhoch, und die Anleihen-Spreads sind so eng wie seit über einem Jahrzehnt nicht mehr. Sollte ein Friedensabkommen im Nahen Osten zustande kommen, könnte sich dieser Trend durchaus fortsetzen. Aber was, wenn nicht?

Falls Sie Zeit für eine vertiefende Lektüre haben, empfehle ich Ihnen die folgenden Artikel, um das heutige Marktgeschehen besser einordnen zu können.

1. Iran prüft neuen US-Vorschlag - Kreisen zufolge rückt Einigung näher

2. Schock bei Ölversorgung verschärft sich: Lagerbestände sinken trotz möglichem Konfliktende weiter

3. Beeindruckende Gewinnstärke der US-Unternehmen treibt Aktien auf Rekordniveaus

4. Warsh: Begrenzung der Veröffentlichung von Fed-Protokollen könnte Debattenkultur verbessern

5. US-Long-Bonds über 5% - Kaufgelegenheit oder Warnsignal?: Mike Dolan

Wichtige Marktbewegungen des Tages

o AKTIEN: Neue Höchststände für den MSCI World, Schwellenländer-Indizes, Asien ex-Japan, Südkorea, S&P 500, Nasdaq und weitere. Europa und der britische FTSE 100 legten jeweils um 2% zu.

o SEKTOREN/EINZELWERTE: Neun der elf Sektoren im S&P 500 verzeichneten Gewinne. Technologie, Kommunikationsdienste und Industrie stiegen um 2% oder mehr. Energie verlor 4%. AMD +19%, Super Micro Computer +25%, Dell +10%, Uber +9%, Nvidia +6%. Chevron -4%.

o DEVISEN: Dollar -0,5%, der Yen sprang erstmals seit Beginn des Iran-Krieges auf 155/$. Kräftige Gewinne für ZAR und CLP, während der KRW seinen besten Tag des Jahres erlebte.

o ANLEIHEN: Renditen gaben auf breiter Front nach. Britische Renditen -10 Basispunkte oder mehr, US-Renditen am kurzen Ende -8 Basispunkte, was zu einem 'Bull Flattening' der Kurve führte.

o ROHSTOFFE/METALLE: Öl brach um 8% ein, Brent rutschte kurzzeitig unter 100 $. Gold +3%, Silber +6%. Der durchschnittliche US-Benzinpreis stieg auf über 4,50 $/Gallone.

Die Themen des Tages

* Das Ende der Volatilität?

Der VIX-Volatilitätsindex, das sogenannte 'Angstbarometer' der Wall Street, sank am Mittwoch auf den niedrigsten Stand seit über drei Monaten. Er notiert damit unter dem Niveau zu Beginn des Iran-Krieges Ende Februar und deutlich unter seinem kriegsbedingten Höchststand.

Es bleibt das ewige Rätsel: Führt eine niedrigere implizite Volatilität zu höheren Aktienkursen oder umgekehrt? Letztlich spielt es keine Rolle. Fakt ist, dass die Wall Street von einem Rekordhoch zum nächsten eilt und Investoren kaum Notwendigkeit sehen, sich am Optionsmarkt abzusichern. Ob man es gutheißt oder nicht: Dieser Markt verfügt über ein massives Momentum.

* Der 1-Billion-Dollar-Club

Samsung trat am Mittwoch dem Club der Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von einer Billion Dollar bei. Die Aktie schoss um 14% nach oben - Teil einer globalen KI-Chip-Rally, die selbst Tech-Optimisten überraschen dürfte. Samsung ist nach TSMC das zweite asiatische Unternehmen mit einer Bewertung im Billionen-Bereich.

Der jüngste Schub in der Branche folgt auf Berichte, wonach Anthropic 200 Milliarden Dollar für Cloud-Dienste und Chips von Google ausgeben wird. Schätzungen deuten darauf hin, dass etwa die Hälfte der Cloud-Auftragsbücher von Google, Microsoft, Oracle und Amazon im Gesamtwert von 2 Billionen Dollar auf nur zwei Unternehmen entfällt: Anthropic und OpenAI. Erinnern Sie sich noch an 'Too big to fail'?

* Turbulenzen für Airlines

Die US-Fluggesellschaften gaben im März über 5 Milliarden Dollar für Kerosin aus - ein Plus von 1,8 Milliarden Dollar oder 56% gegenüber dem Vormonat. Sollten die Preise nicht bald sinken, könnte nach Spirit Airlines im letzten Monat ein weiterer Billigflieger in die Insolvenz rutschen.

Die kollektiven Auswirkungen auf die Bilanzen der Fluggesellschaften weltweit gehen in die Milliarden, und tausende Flüge wurden bereits gestrichen. Dabei geht es nicht nur um höhere Preise - es drohen auch physische Engpässe, falls wichtige Versorgungsrouten nicht bald wieder geöffnet werden.

Was könnte die Märkte morgen bewegen?

o Entwicklungen im Nahen Osten

o Bewegungen an den Energiemärkten

o Handelsbilanz Australien (März)

o Inflation Taiwan (April)

o Reden von EZB-Vizepräsident Luis de Guindos sowie den Direktoriumsmitgliedern Isabel Schnabel und Philip Lane

o Einzelhandelsumsätze Eurozone (März)

o Auftragseingänge Industrie Deutschland (März)

o Zinsentscheid Norwegen

o Zinsentscheid Schweden

o Kommunalwahlen in Großbritannien

o Reden von Catherine Mann und Clare Lombardelli (Bank of England)

o Inflation Mexiko (April)

o Zinsentscheid Mexiko

o Wöchentliche US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe

o US-Produktivität (Q1, vorläufig)

o US-Konsumkredite (März)

o Reden von US-Notenbankvertretern, darunter John Williams (New York Fed), Neel Kashkari (Minneapolis Fed) und Beth Hammack (Cleveland Fed)

o US-Quartalszahlen u.a. von McDonald's, Gilead Sciences, CoreWeave, Airbnb

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