Handelt es sich um populistische Stimmen ohne Bezug zur Realität oder um ein echtes Thema, das die Gesellschaft tatsächlich beschäftigen sollte? Angesichts der außergewöhnlichen Gewinne, die TotalEnergies bei einem Ölpreis im dreistelligen Bereich erzielen wird, verdient die Frage zumindest unter rein wirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten Aufmerksamkeit.

Betrachten wir die Aussagen der Abgeordneten von La France Insoumise, Mathilde Panot. Zur positiven Überraschung von MarketScreener trifft sie einen zentralen Punkt, wenn sie daran erinnert, dass TotalEnergies in den vergangenen zehn Jahren 100 Mrd. Euro an seine Aktionäre ausgeschüttet hat.

Tatsächlich hat der französische Konzern zwischen 2016 und 2025 Dividenden in Höhe von 68 Mrd. Euro gezahlt und – bereinigt um Kapitalerhöhungen – weitere 32 Mrd. Euro über Aktienrückkäufe an seine Anteilseigner zurückgeführt. Dadurch wurden 8 % der ausstehenden Aktien eingezogen.

Nebenbei bemerkt – und eher als Randnotiz – wird TotalEnergies derzeit mit einem Unternehmenswert, also Börsenkapitalisierung zuzüglich Nettoverschuldung, von rund 200 Mrd. Euro bewertet. Anders ausgedrückt: Der Markt bewertet den Konzern mit dem Gegenwert von zwei Jahrzehnten an Kapitalausschüttungen an die Aktionäre.

Kehren wir zu den besagten 100 Mrd. Euro zurück, die in den vergangenen zehn Jahren ausgeschüttet wurden, und betrachten wir die andere Seite der Gleichung: Worauf mussten sich die Aktionäre von TotalEnergies einlassen, um eine derartige Vergütung zu erhalten? Erst im Verhältnis zu dieser Rechnung lässt sich beurteilen, ob TotalEnergies tatsächlich überzogene Gewinne erzielt.

Was zeigt sich also über denselben Zehnjahreszeitraum? TotalEnergies investierte – jeweils bereinigt um Veräußerungen – 134 Mrd. Euro in Sachanlagen und weitere 6 Mrd. Euro in Übernahmen. Insgesamt ergibt sich damit erneut die runde Summe von 140 Mrd. Euro. 140 investieren und 100 entnehmen – aus dieser Perspektive wirkt das Geschäft tatsächlich ausgesprochen lukrativ.

Man sollte jedoch anerkennen, dass angesichts der enormen Herausforderungen bei der Führung eines Unternehmens dieser Größenordnung – geprägt von extremen technologischen und geopolitischen Risiken sowie der natürlichen Zyklik einer rohstoffbasierten Industrie – diese wirtschaftliche Leistung dem Management des von Patrick Pouyanné geführten Konzerns hoch anzurechnen ist. TotalEnergies ist ein echtes französisches Aushängeschild für Innovation und Industrie und, wohlgemerkt, der einzige große internationale Ölkonzern ohne Reserven im Heimatmarkt.

Chapeau! Dennoch greift diese verkürzte Betrachtung zu kurz, wenn man die tatsächliche Rentabilität von TotalEnergies seriös beurteilen will. Der Konzern ist in langfristigen Geschäftszyklen tätig, in denen sich Kapitalrenditen über deutlich längere Horizonte als bloße Jahrzehnte messen. Eine Ewigkeit an den Finanzmärkten oder auf der politischen Bühne – für einen Supermajor jedoch kaum mehr als eine Zwischenetappe.

Was schließlich die von Frau Panot und ihren Mitstreitern ins Spiel gebrachte Idee einer Verstaatlichung betrifft, so berührt auch sie einen interessanten Punkt. Eine Umwandlung von TotalEnergies in Petrobras oder Pemex käme zwar einem regelrechten industriellen Selbstmord gleich, dennoch kann man bedauern, dass der französische Staat – und damit letztlich die Interessen der Steuerzahler – nicht am Kapital von TotalEnergies beteiligt ist.

Theoretisch erscheint die Vorstellung einer ausgewogenen Kapitalpartnerschaft nicht abwegig, sodass die Allgemeinheit stärker von den Leistungen des nationalen industriellen Know-hows profitieren könnte – ähnlich wie beim norwegischen Modell Equinor. Allerdings zeigt unter anderem das Beispiel EDF, dass der französische Zentralstaat, wenn er sich als kapitalistischer Aktionär versucht, allzu oft dazu neigt, gegen die eigenen Interessen zu handeln.