Die Stahlsparte von Thyssenkrupp wird die Produktion von Elektroblech in Europa vorübergehend einstellen - einem Schlüsselmaterial für Windkraftanlagen und Stromnetze. Das Unternehmen macht günstige Importe aus Asien dafür verantwortlich, die nach eigenen Angaben zusätzlich 1.200 Arbeitsplätze bedrohen.

Diese bislang nicht gemeldete Maßnahme unterstreicht die Schwierigkeiten der europäischen Stahlbranche angesichts globaler Handelskonflikte. Laut Branchenquellen verkaufen chinesische Wettbewerber ihre Überkapazitäten auf dem Kontinent und unterbieten die europäischen Hersteller um bis zu ein Viertel.

Thyssenkrupp Steel Europe (TKSE), der zweitgrößte Stahlhersteller Europas, baut bereits 11.000 Stellen ab oder vergibt sie an externe Dienstleister, um auf die Krise zu reagieren. Die Gespräche über einen Verkauf an Indiens Jindal Steel International befinden sich in einer entscheidenden Phase.

Weitere 1.200 gefährdete Arbeitsplätze würden die Gesamtzahl der Stellenstreichungen auf rund 45 Prozent der TKSE-Belegschaft ansteigen lassen - bislang waren es 40 Prozent.

TKSE wird seine Elektroblechwerke in Deutschland und Frankreich von Mitte Dezember bis zum Jahresende schließen, teilte das Unternehmen mit. Zudem werde der Standort Isbergues in Frankreich ab Januar mindestens vier Monate lang mit halber Kapazität betrieben.

„Kornorientiertes Elektroblech ist für die europäische Energieinfrastruktur und die Energiewende unverzichtbar“, sagte TKSE-Chefin Marie Jaroni.

„Wir setzen uns nachdrücklich dafür ein, die Produktion in Europa zu erhalten, und arbeiten derzeit daran, einen wirksamen Marktschutz zu gewährleisten, um für dieses strategisch wichtige Produkt faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.“

Die Importe von kornorientiertem Elektroblech (GOES), das bislang nicht von den EU-Plänen zur Halbierung der zollfreien Stahlimportquoten und der Einführung eines 50-prozentigen Strafzolls für überhöhte Lieferungen erfasst ist, haben sich in den vergangenen drei Jahren laut Eurostat-Daten verdreifacht.

Im bisherigen Jahr 2025 sind die GOES-Importe um rund 50 Prozent gestiegen, zeigen die Zahlen - eine direkte Folge der verschärften US-Stahlzölle unter Präsident Donald Trump, die die Lieferungen nach Europa umgeleitet haben. Ein Trend, der auch in anderen Branchen zu beobachten ist.

Neben Polens Stalprodukt SA ist TKSE einer der letzten verbliebenen europäischen Hersteller dieses Materials. Zu den größten Exporteuren nach Europa zählen Chinas Baowu, Südkoreas POSCO und Nippon Steel aus Japan.

(Bericht von Christoph Steitz und Tom Kaeckenhoff; Redaktion: Elaine Hardcastle)