Frankfurt, 26. Feb (Reuters) - Die frühere Problemsparte T-Systems hat sich neben der US-Tochter T-Mobile zu einem der Wachstumstreiber für die Deutsche Telekom gemausert. Der Bonner Konzern sagte für das laufende Jahr eine kräftig wachsende Cloud-Nachfrage voraus. Konzernchef Tim Höttges äußerte sich am Donnerstag jedoch zurückhaltend zu den europäischen Plänen für den Bau mehrerer KI-Gigafactories. "Von den großen Versprechungen aus Brüssel hören wir nicht mehr viel", sagte er auf einer Pressekonferenz. Das Ausschreibungsverfahren verzögere sich.
Er bekräftigte seine Kritik, dass staatliche Institutionen bislang keine ausreichende Mindestauslastung garantierten. Diese solle bei etwa 35 Prozent liegen. "Die Deutsche Telekom braucht keine Gigafactory, Deutschland braucht eine Gigafactory", betonte er. "Wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht gewährleistet sind, werden wir nicht in so ein Projekt investieren."
KI-CLOUD ALS VISITENKARTE
Anfang Februar nahm die Telekom in München ihre industrielle KI-Cloud in Betrieb. Das Unternehmen sieht diese Anlage als Referenzprojekt für die Bewerbung um den Bau einer deutschen Gigafactory. In Europa sollen insgesamt fünf dieser besonders leistungsstarken Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) entstehen. Damit wollen sich heimische Firmen unabhängiger von außereuropäischen Anbietern machen. Die Auslastung des Münchener Rechenzentrums lag zur Eröffnung bei 30 Prozent. Inzwischen sei die Quote auf 40 bis 50 Prozent gestiegen, sagte T-Systems-Chef Ferri Abolhassan. Damit liege man über den eigenen Plänen.
Im laufenden Jahr würden die Umsätze rund um KI voraussichtlich um mehr als 50 Prozent auf 200 Millionen Euro steigen, fügte er hinzu. Beim Produkt T Cloud Public rechnet er mit einem Plus von 20 Prozent auf mehr als 200 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr steigerte die IT-Dienstleistungstochter der Telekom ihr operatives Ergebnis um fast 16 Prozent auf 427 Millionen Euro. Der Auftragseingang wuchs um 4,2 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro.
MARKTERWARTUNGEN FÜR 2025 LEICHT ÜBERTROFFEN
Auf Konzernebene stiegen Umsatz und operativer Gewinn 2025 um jeweils knapp drei Prozent auf 119,08 und 44,24 Milliarden Euro. Der Free Cash Flow, der als Gradmesser für die Dividendenhöhe gilt, stieg um zwei Prozent auf 19,55 Milliarden Euro. Für 2026 peilt der Konzern beim Betriebsergebnis ein Plus von sieben Prozent auf 47,4 Milliarden Euro an. Der Mittelzufluss soll um 1,5 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro steigen. Ab 2027 könne wegen geringerer Investitionen in den USA mit einem beschleunigten Wachstum beim Free Cash Flow gerechnet werden. Das Unternehmen sei auf gutem Weg, seine Ziele für 2027 zu erreichen, betonte Konzernchef Höttges.
Ein Wermutstropfen blieb das schleppende Deutschland-Geschäft. Zwar konnte die Telekom den Exodus ihrer Breitband-Kunden im vierten Quartal vorerst stoppen. Hier wirke sich unter anderem der beschleunigte Ausbau des Glasfasernetzes positiv aus, erläuterte Landeschef Rodrigo Diehl. Dennoch schrumpfte der Umsatz auf dem Heimatmarkt 2025 um 0,4 Prozent. Diehl kündigte eine Erhöhung der Glasfaser-Investitionen bis 2028 auf insgesamt 800 Millionen Euro an. Dies solle sicherstellen, dass sein Unternehmen 2027 eine Million Neukunden für dieses Produkt gewinnen könne. Im vergangenen Jahr kamen 584.000 Verträge hinzu. Die operative Entwicklung weise weiter in die richtige Richtung, kommentierte DZ Bank-Analyst Karsten Oblinger.
T-MOBILE BLEIBT ECKPFEILER DER TELEKOM
Die US-Mobilfunktochter T-Mobile ist seit Längerem ein Garant für Umsatz- und Gewinnzuwächse des Gesamtkonzerns. Sie lässt beim Kundenzuwachs die US-Konkurrenten AT&T und Verizon regelmäßig hinter sich. Im vergangenen Jahr steigerte T-Mobile die Service-Umsätze um 7,8 Prozent und den operativen Gewinn um knapp sieben Prozent. In Euro gerechnet lag das Betriebsergebnis bei 29,25 Milliarden Euro.
Mit diesen Zahlen im Rücken blickt der Mobilfunker optimistisch in die Zukunft. Daher steht eine Reduzierung der Beteiligung an T-Mobile für die Telekom nicht zur Debatte. Sie prüfe vielmehr "Möglichkeiten, unsere Beteiligung weiter zu erhöhen, sofern dies strategisch sinnvoll und finanziell attraktiv ist." Der Bonner Konzern hält knapp 53 Prozent an T-Mobile.
(Bericht von Hakan Ersen, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















