Die Nachricht des Tages: Telefónica halbiert seine Dividende ab dem kommenden Jahr. Für die aufmerksamen Leser von MarketScreener kommt dies nicht überraschend – bereits vor zwei Jahren wurde in dem Beitrag „Telefónica: Kritische Situation“ vor der finanziellen Schieflage gewarnt. Mit einem stagnierenden freien Cashflow und einer erdrückenden Schuldenlast war das bisherige Ausschüttungsniveau schlicht nicht mehr tragbar.
Für 2026 stellt der Konzern nun einen freien Cashflow von rund zwei Milliarden Euro in Aussicht – ein Drittel weniger, als es optimistische Analysten wie jene bei Citi erwartet hatten. Im bisherigen Jahresverlauf liegt sowohl der Umsatz als auch das operative Ergebnis unterhalb der Inflationsrate. Die Nettoverschuldung bleibt mit 28,3 Milliarden Euro eine kaum zu stemmende Bürde.
Telefónica ist in vier Kernmärkten aktiv: Spanien, Brasilien, Deutschland und Großbritannien. Während Spanien und Brasilien vergleichsweise stabil bleiben, bereiten die Entwicklungen in Deutschland und dem Vereinigten Königreich zunehmend Sorgen. Der europäische Telekommarkt ist weiterhin hoch fragmentiert und von intensivem Wettbewerb geprägt – was den Unternehmen kaum Spielraum lässt, ihre massiven Investitionen in Infrastruktur angemessen zu monetarisieren.
Hinzu kommt ein tiefgreifender Wandel in der Eigentümerstruktur: Anfang des Jahres stieg der saudi-arabische Staatsfonds als neuer Großaktionär ein, flankiert von der spanischen Regierung und der Bankengruppe CaixaBank – jeweils mit rund zehn Prozent am Kapital beteiligt. Dieser Dreiklang soll Telefónica künftig zu besseren Konditionen den Zugang zu Refinanzierungen ermöglichen.
Eben jene strategischen Investoren waren es, die den langjährigen Präsidenten José María Álvarez-Pallete zum Rückzug drängten. Dessen Bilanz fällt verheerend aus: Während seiner Amtszeit hat sich die Marktkapitalisierung des Konzerns halbiert.
Für Aufsehen sorgte jedoch auch sein Nachfolger Marc Murtra, als er ankündigte, Telefónica wieder auf Wachstumskurs durch Zukäufe – insbesondere in Europa – führen zu wollen. Gleichzeitig solle das Engagement in Lateinamerika reduziert werden.
Grundsätzlich wäre eine Konsolidierung auf dem europäischen Markt zu begrüßen. Doch stellt sich die Frage, wie Telefónica solche Ambitionen finanzieren will – angesichts der desolaten finanziellen Lage. Auch mit dem Rückhalt der saudischen Geldgeber bleiben Zweifel angebracht.
Murtras Ankündigungen wirken daher wie frühere Versprechen des Unternehmens gegenüber Analysten: Glauben wird ihnen nur, wer glauben will. Angesichts des deutlichen Kursrückgangs der Aktie um -13 % am gestrigen Dienstag und rund -2,5 % heute morgen scheinen das allerdings nur noch wenige zu sein.

















