Der ehemalige Staatsmonopolist hatte seinen Tiefpunkt erreicht. Erdrückt von einer gewaltigen Schuldenlast und einem gnadenlosen Wettbewerbsumfeld sah sich der Konzern gezwungen, seine Netzinfrastruktur an den US-Fonds KKR zu veräußern, um in größter Eile frische Mittel zu beschaffen.

Die Kronjuwelen auf diese Weise zu opfern – und damit eines strategischen Vermögenswerts mit erheblicher Souveränitätsdimension – konnte naturgemäß nicht ohne Widerstand bleiben, insbesondere seitens Vivendi, das seinen Ausstieg vollzog. Gleichwohl handelte es sich vermutlich um eine der am wenigsten schlechten verfügbaren Optionen.

Anfang 2025 verkaufte Telecom Italia zudem seine internationale Infrastruktursparte Sparkle an den italienischen Staat, der sich im Übernahmeprozess mit einem Gebot von 700 Millionen Euro durchsetzte. Die Hälfte dieses Betrags soll für Aktienrückkäufe verwendet werden.

Dank des milliardenschweren Infrastrukturverkaufs an KKR verfügt Telecom Italia nun über eine deutlich solidere Kapitalbasis. Der Konzern behält seine operativen Aktivitäten im Heimatmarkt sowie in Brasilien. Letzteres ist strategisch bedeutsam: Es steht zwar für weniger als ein Drittel des Umsatzes, erwirtschaftet jedoch ein EBITDA in vergleichbarer Größenordnung wie das Italiengeschäft.

Abgesehen von der außergewöhnlichen Rückerstattung in Höhe von einer Milliarde Euro im Zusammenhang mit der Entschädigung für ein altes Konzessionsrecht – dem sogenannten „Canone concessorio“ aus dem Jahr 1998 –, die zur Entschuldung der Bilanz und zur Finanzierung eines weiteren Aktienrückkaufprogramms dienen soll, können Aktionäre künftig mit einem stabilen freien Cashflow von rund 0,8 Milliarden Euro pro Jahr rechnen.

Ab 2027 plant Telecom Italia, 70 % dieses Betrags als Dividende auszuschütten, was rund 560 Millionen Euro entsprechen würde. Bezogen auf eine Marktkapitalisierung von 14,5 Milliarden Euro und unter Berücksichtigung der durch zwei bedeutende Aktienrückkäufe reduzierten Aktienzahl ergibt sich daraus eine pro-forma-Dividendenrendite von rund 4 %.

Dies entspricht ziemlich genau der historischen Durchschnittsbewertung des Telekommunikationsbetreibers.