Frankfurt, 27. Mai (Reuters) - Die europäischen Börsen sind zur Wochenmitte der Rekordjagd an den Börsen in den USA, Südkorea und Japan gefolgt. Der Dax notierte gegen Mittag 0,7 Prozent höher bei 25.365 Punkten und näherte sich damit seiner bisherigen Bestmarke von 25.507,79 Zählern. Der EuroStoxx50 gewann fast ein Prozent auf 6112 Punkte. Am Dienstag hatten die Börsenbarometer jeweils rund ein Prozent tiefer geschlossen, nachdem die USA trotz laufender Verhandlungen neue Angriffe auf den Iran geflogen hatten.

"Die geopolitischen Spannungen sind zuletzt auf ein Maß gesunken, das es den Anlegern erlaubt, sich vollends auf die Expansion der KI-Investitionen und das daraus entstehende Gewinnwachstum zu konzentrieren", sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst der Consorsbank. "Für Anleger ist die Versuchung, dort mitzuspielen, zu groß, um auf ein finales Ende des Irankriegs warten zu können." Weitere Hinweise auf ein Friedensabkommen der USA mit dem Iran dürften den Dax zugleich auf neue Höhen treiben. Europäische Aktien würden derzeit vor allem wegen des Risikos steigender Energiepreise von internationalen Investoren gemieden. Dies könne sich wieder ändern, wenn der Ölpreis dauerhaft unter 100 Dollar sinkt.

ÖLANLEGER SETZEN WEITER AUF ENDE DES IRAN-KRIEGS

Der Preis für Nordsee-Rohöl der Sorte Brent fiel am Mittwoch um rund 3,5 Prozent auf 96,21 Dollar je Fass (159 Liter) und zog sich damit von seinem Anstieg vom Dienstag wieder weitgehend zurück. US-Leichtöl WTI verbilligte sich um fast 4,5 Prozent auf 89,89 Dollar pro Barrel und verharrte damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als einem Monat. "Eine Einigung steht möglicherweise noch nicht so kurz bevor, wie am Wochenende erhofft", erklärten die Analysten der Deutschen Bank. Allerdings schienen die Friedensgespräche trotz der jüngsten US-Angriffe weiterhin auf dem richtigen Weg zu sein.

Michael Hewson, Chefanalyst bei iFOREX Europe, zeigte sich vorsichtiger. "Die Marktteilnehmer schieben das Problem gewissermaßen einfach in den Hintergrund", sagte der Experte. Der neue Status quo sei eine anhaltende Unsicherheit, und solange sich die Lage im Nahen Osten nicht drastisch verschlechtert, gingen Anleger davon aus, dass es "irgendwann eine Lösung geben wird".

TECH- UND CHEMIEWERTE GEFRAGT

Die Rally im Halbleitersektor in den USA, Südkorea und Japan hievte in Frankfurt die Aktien von Infineon und Aixtron um rund 1,5 beziehungsweise drei Prozent ins Plus. Der Index für den europäischen Technologiesektor rückte um rund ein halbes Prozent vor.

Um rund 1,5 Prozent nach unten ging es hingegen für Wacker Chemie. Der bayerische Spezialchemiekonzern hat sich von Anteilen am Chip-Zulieferer Siltronic getrennt. "Immerhin ist Wacker weiter mit rund 24 Prozent an Siltronic beteiligt", kommentierte ein Händler.

An der Börse in Stockholm griffen Anleger bei Volvo Car zu. Der schwedische Autobauer hat nach eigenen Angaben von der US-Regierung die Genehmigung erhalten, weiterhin Fahrzeuge in die USA zu importieren und zu vertreiben. Die Titel des mehrheitlich zum chinesischen Automobilhersteller Geely gehörenden Konzerns sprangen um fast sieben Prozent nach oben.

Der europäische Chemiewerte-Index legte indes um mehr als 1,5 Prozent zu. Für Rückenwind sorgte ein Kurssprung von rund 15 Prozent bei Akzo Nobel. Um den niederländischen Farben- und Lackhersteller bahnt sich womöglich ein Übernahmepoker an: Das Unternehmen lehnte ein gemeinsames Angebot der Konkurrenten Nippon Paint und Sherwin-Williams ab und hält stattdessen an der geplanten Fusion mit dem US-Wettbewerber Axalta fest.

(Bericht von Sanne Schimanski, redigiert von Kerstin Dörr. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)