Polizei und Soldaten waren am Dienstag in Tansanias Wirtschaftsmetropole Daressalam in großer Zahl präsent, um Proteste zu verhindern, zu denen Aktivisten aufgerufen hatten. Anlass war die gewaltsame Unterdrückung von Demonstrationen rund um die Wahlen im Oktober.
Die Straßen von Daressalam waren weitgehend menschenleer, wie ein Reuters-Reporter berichtete. Zuvor hatte die Regierung gewarnt, jegliche Proteste am Dienstag, dem Jahrestag der Unabhängigkeit des tansanischen Festlands von Großbritannien im Jahr 1961, würden als Putschversuch gewertet.
Die Präsidenten- und Parlamentswahlen am 29. Oktober hatten die schlimmsten politischen Unruhen in der Geschichte Tansanias seit der Unabhängigkeit ausgelöst. Die Vereinten Nationen schätzen, dass dabei Hunderte Menschen ums Leben kamen.
Sicherheitskräfte in Daressalam kontrollierten die Ausweise aller, die sich in der Stadt bewegen wollten, und Geschäfte im zentralen Geschäftsviertel blieben geschlossen.
BEVÖLKERUNG FÜRCHTET NEUE GEWALT
Hamad Ali, der in einem Pendlerbus als Fahrkartenkontrolleur arbeitet, berichtete, dass der Bus aus Angst vor Gewalt nicht verkehre.
"Ich weiß, dass wir als wichtiger Dienstleister dringend gebraucht werden und wir Geld verdienen müssen, aber wir können es nicht riskieren, rauszugehen", sagte er gegenüber Reuters.
Einige Aktivisten berichteten von kleineren Protesten in Teilen von Daressalam und der nördlichen Stadt Mwanza, diese Angaben konnten jedoch nicht unabhängig bestätigt werden.
Polizeisprecher David Misime erklärte, die Sicherheitslage im ganzen Land sei ruhig. Bilder in den sozialen Medien, die angeblich Proteste am Dienstag zeigten, stammten in Wirklichkeit von früheren Demonstrationen.
"Wir fordern die Tansanier weiterhin auf, solche Bilder zu ignorieren, da sie lediglich dazu dienen, sie zu täuschen und glauben zu machen, es fänden derzeit Proteste statt", sagte er in einer Stellungnahme.
Präsidentin Samia Suluhu Hassan gewann die Wahl mit nahezu 98 Prozent der Stimmen, nachdem führende Oppositionskandidaten von der Wahl ausgeschlossen worden waren.
Sie setzte vergangenen Monat eine Kommission ein, die die wahlbezogene Gewalt untersuchen soll, hat aber mehrfach bestritten, dass die Sicherheitskräfte unangemessen gehandelt hätten.
UN-Menschenrechtsexperten erklärten vergangene Woche, dass nach Schätzungen mindestens 700 Menschen bei den Unruhen außergerichtlich getötet worden seien.
Die Regierung räumte ein, dass es Todesopfer gegeben habe, nannte jedoch keine eigene Zahl.
Die Vereinigten Staaten kündigten vergangene Woche an, ihre Beziehungen zu Tansania angesichts der Gewalt gegen Zivilisten sowie Bedenken hinsichtlich Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit und Investitionshindernissen zu überprüfen.

















