Das Ergebnis der vorgezogenen Wahl in Japan, eine Fülle wichtiger US-Daten, die Berichtssaison und ein Rückgang bei (einigen) Tech-Aktien deuten darauf hin, dass Händler in der kommenden Woche kaum Verschnaufpausen haben werden.

Hier finden Sie alles, was Sie über die bevorstehenden Ereignisse an den Finanzmärkten wissen müssen, zusammengestellt von Rae Wee in Singapur, Lewis Krauskopf in New York sowie Karin Strohecker, Tommy Wilkes und Lucy Raitano in London.

1/ ERDRUTSCHSIEG

Die Koalition der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi hat am Wochenende einen historischen Wahlsieg errungen und damit den Weg für versprochene Steuersenkungen und Militaerausgaben zur Abwehr Chinas geebnet.

Investoren reagierten, indem sie japanische Aktien am Montag auf Allzeithochs trieben, während ultralange Anleihen frühe Schwäche umkehrten – offenbar ein Vertrauensbeweis in Takaichis "verantwortungsbewusste, proaktive" Fiskalpolitik.

Auch der Yen hielt sich stabil, da die drohende Gefahr einer möglichen Währungsintervention Händler davon abhielt, ihn weiter zu schwächen.

Obwohl die Wähler Takaichi ein riesiges Mandat zur Ankurbelung der Wirtschaft gegeben haben, sagen Investoren, dass ihr wenig Spielraum bleibt, Defizite auszuweiten – andernfalls würde der Druck auf Anleihen und Währung schnell zurückkehren.

Ein früher Test wird sein, wie sie das Versprechen umsetzt, die 8%-Verkaufssteuer auf Lebensmittel auszusetzen – und wie sie das finanzieren will.

2/ KI TEILT SICH IN GEWINNER UND VERLIERER

Cisco Systems und Deutschlands Siemens Energy legen am Mittwoch ihre Zahlen vor.

Beide haben auf unterschiedliche Weise vom KI-Boom profitiert, doch laut Barclays zeigt sich bei diesem Trade nun eine "extreme Streuung".

Anders gesagt: Der Markt unterscheidet mit zunehmender Überzeugung zwischen Gewinnern und Verlierern. Die Sensibilität dafür, welche Unternehmen von der KI-Disruption profitieren oder darunter leiden, zeigt sich im Rückgang von Software- und Datenanalyse-Aktien. Diese sind eingebrochen, da Händler sich auf die existenzielle Bedrohung durch immer mächtigere KI-Modelle konzentrieren.

KI-Ermöglicher, also Unternehmen, die am weltweiten Aufbau von KI-Rechenzentren mitwirken, haben sich hingegen besser geschlagen. Doch angesichts der Gefahr einer platzenden Blase und Märkten nahe Rekordhöhen ist Vorsicht geboten.

3/ VERSPÄTETE DATENFLUT

Eine doppelte Portion wichtiger US-Wirtschaftsdaten dürfte Investoren einen entscheidenden Blick auf die Konjunktur ermöglichen, nachdem die Veröffentlichungen durch den kürzlich beendeten dreitägigen Regierungsstillstand etwas verzögert wurden.

Der Bericht über die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft für Januar, der nun am Mittwoch erwartet wird, soll laut einer Reuters-Umfrage einen Zuwachs von 70.000 Stellen zeigen. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte bei ihrer letzten Zinssitzung auf Anzeichen einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt verwiesen und die Zinsen unverändert gelassen – eine Pause im Lockerungszyklus.

Zwei Tage später wird der Verbraucherpreisindex für Januar veröffentlicht, einer der wichtigsten Indikatoren zur Beurteilung der Inflationstrends.

Die Daten kommen, während Investoren die Auswirkungen des neu nominierten Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh abwägen, der rechtzeitig zur Fed-Sitzung im Juni das Ruder übernehmen könnte. Die Märkte rechnen derzeit damit, dass bei dieser Sitzung der nächste Zinsschritt erfolgen könnte.

4/ AUS MÜNCHEN, MIT LIEBE

Die Münchner Sicherheitskonferenz beginnt am Donnerstag. Inzwischen im siebten Jahrzehnt, erlebte das jährliche Treffen wohl seine folgenreichste – und umstrittenste — Ausgabe 2025, als eine Reihe von US-Erklärungen die Bühne für eine tektonische Verschiebung der internationalen Ordnung bereiteten, die bis heute andauert.

Es mangelt nicht an brisanten geopolitischen Themen – von Iran über die Ukraine bis Grönland – während Fragen zur künftigen Rolle der NATO im Raum stehen.

Doch das Treffen dürfte über seinen gewohnten Rahmen hinausgehen: Die Europäische Zentralbank arbeitet daran, weiteren Ländern Zugang zu Euro-Liquidität zu ermöglichen – Teil der Bemühungen, die internationale Rolle der Einheitswährung zu stärken, wie Quellen Reuters mitteilten.

Die Ankündigung wird voraussichtlich von EZB-Chefin Christine Lagarde kommen, die auf der Konferenz eine Runde zum Thema Handelsabhängigkeiten eröffnen wird.

5/ SONNENSCHEIN FÜR EUROPAS BANKEN VORBEI?

Europäische Banken gehörten in den vergangenen 12 Monaten zu den besten Aktien mit einem Plus von mehr als 60%, begünstigt durch steigende Gewinne, niedrige Kreditausfälle und großzügige Ausschüttungen an Aktionäre.

Großbritanniens Barclays und NatWest sowie Italiens UniCredit präsentieren in den kommenden Tagen ihre Zahlen für 2025, nachdem Deutsche Bank und BNP Paribas bereits starke Ergebnisse vorgelegt haben. Die französische Bank und Lloyds haben zudem ihre wichtigsten Renditeziele angehoben.

Analysten warnen jedoch, dass die guten Zeiten nicht anhalten können – vor allem, falls die europäischen Volkswirtschaften abkühlen. Spaniens BBVA verzeichnete am Donnerstag einen Kursrückgang von 7%, nachdem sie im vierten Quartal 19% mehr für Kreditausfälle zurückgestellt hatte als ein Jahr zuvor.

Neben den finanziellen Aussichten achten Investoren darauf, ob die Unternehmensführungen bereit sind, mehr von ihrem Überschusskapital für Übernahmen einzusetzen – wie etwa bei der kürzlich von Santander angekündigten Übernahme des US-Kreditinstituts Webster Financial für 12,2 Milliarden Dollar.