Das lang erwartete Dezember-Treffen der US-Notenbank Federal Reserve steht unmittelbar bevor.

Doch sie ist nicht die einzige Institution, die in dieser Woche die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte auf sich zieht: Auch die Zentralbanken Kanadas, der Schweiz, Australiens und der Türkei tagen, zudem stehen die neuesten Wirtschaftsdaten aus China an.

Hier finden Sie den kompakten Ausblick auf die kommende Woche an den Weltmärkten, zusammengestellt von Alden Bentley in New York, Rae Wee in Singapur sowie Dhara Ranasinghe, Amanda Cooper und Karin Strohecker in London.

1/ ENDLICH

Die Spekulationen, ob die Fed kommende Woche zum dritten Mal in diesem Jahr die Zinsen senkt, haben sich seit der Zinssenkung im Oktober im Kreis gedreht.

Nach einer schwierigen Phase zeigt sich die Wall Street wieder optimistisch, als sei ein weiterer Zinsschritt bereits beschlossene Sache.

Doch die Entscheidungsträger waren sich beim letzten Mal nicht einig, und die Meinungsverschiedenheiten bestehen fort. Einige tendieren zu einer lockeren Geldpolitik, und Präsident Donald Trump wird weiterhin Druck für niedrigere Zinsen machen.

Fed-Chef Jerome Powell hob die ,,stark unterschiedlichen Ansichten über das weitere Vorgehen" hervor und dämpfte die Marktsicherheit, indem er betonte, dass eine Zinssenkung im Dezember keineswegs garantiert sei.

Die Lage der US-Wirtschaft bleibt undurchsichtig. In der kommenden Woche werden die Inflationsdaten für November veröffentlicht. Seit der Wiedereröffnung der Regierung am 13. November sind einige Zahlen eingetroffen, doch die Arbeitsmarktdaten für Oktober und November erscheinen erst nach dem Fed-Treffen.

Die Terminmärkte spiegeln Zuversicht für eine Zinssenkung um einen Viertelpunkt wider, doch Händler bleiben launisch. Zuletzt lag die Wahrscheinlichkeit unter 50 Prozent.

2/ IMMER NOCH IM DICKICHT

Chinas anhaltende Immobilienkrise und die schwache Binnennachfrage zeigen auch zum Jahresende kaum Anzeichen einer Erholung. Die Zeit läuft, damit Peking mit weiteren Konjunkturmaßnahmen die Wirtschaft stützt.

Chinas Exporte übertrafen laut den Zahlen vom Montag die Erwartungen, während die Inflationsdaten am Mittwoch anstehen. Anleger richten den Blick auf das wirtschaftspolitische Programm für das kommende Jahr, das später im Monat vorgestellt wird.

Auch Zahlungsausfälle stehen im Fokus, da China Vanke, einst Chinas größter Immobilienentwickler nach Verkaufszahlen, eine einjährige Verlängerung der Rückzahlung einer Onshore-Anleihe anstrebt.

Eine Gläubigerversammlung ist für den 10. Dezember angesetzt.

In Australien tagt am Dienstag die Notenbank. Sie dürfte die Zinsen in einer weiterhin überhitzten Wirtschaft unverändert lassen.

3/ FESTGEFROREN BEI NULL

Die Schweizerische Nationalbank wird die Zinsen bei ihrer Sitzung am Donnerstag mit ziemlicher Sicherheit bei 0% belassen. Auch für 2026 wird keine Änderung erwartet, obwohl die Inflation an das untere Ende der Zielspanne der SNB gerutscht ist.

Die Verantwortlichen rechnen zwar mit einem Inflationsanstieg, betonen aber auch, dass sie einen vorübergehenden Rückgang unter 0% tolerieren würden. US-Zölle helfen nicht, doch eines der größten Probleme der SNB ist hausgemacht: die Währung.

Der Franken hat in diesem Jahr gegenüber dem Dollar fast 12% zugelegt und steuert auf das stärkste Jahr seit 2002 zu. Gegenüber dem Euro hat sich der ,,Swissie" 2025 kaum bewegt, doch in den letzten fünf Jahren betrug der Zugewinn 14%.

Angesichts der Tatsache, dass Europa der größte Handelspartner der Schweiz ist und rund die Hälfte der Exporte abnimmt, trifft diese Stärke alle - von Uhrenherstellern bis zu Vermögensverwaltern.

4/ DER EINZIGE WEG FÜHRT NACH UNTEN (FÜR DIE TÜRKEI)

Die türkische Zentralbank legt am Donnerstag ihren Leitzins fest - dass sie senkt, gilt als sicher, aber über das Ausmaß wird heftig diskutiert.

Die Inflation lag im November mit etwas über 31% überraschend niedrig, was vor allem auf sinkende Lebensmittelpreise zurückzuführen ist. Doch steigende Kosten für Dienstleistungen, etwa Mieten, machen die Teuerung hartnäckiger als erhofft.

Das Inflationsziel der Notenbank für Ende 2025 liegt bei 24%, die Prognosespanne bei 31%-33%. Die Märkte blicken gespannt auf diese letzte Zinssitzung des Jahres, um Hinweise auf das Tempo künftiger Lockerungen zu erhalten - aktuell liegt der Leitzins bei 39,5%. JPMorgan rechnet mit einer Senkung um 100 Basispunkte, schließt aber auch 150 Basispunkte nicht aus.

Unterdessen dürfte die brasilianische Zentralbank am Mittwoch die Zinsen auf dem 20-Jahres-Hoch von 15% belassen. Doch eine stärkere als erwartete Konjunkturabkühlung nährt Spekulationen, dass im Januar eine Zinssenkung folgen könnte.

5/ DER RE-BESCHLEUNIGUNGS-TRADE

Angesichts der jüngsten Schwankungen bei Bitcoin - der Kurs verzeichnete im November den stärksten Monatsrückgang seit Februar - und Rückschlägen bei japanischen Anleihen könnte man meinen, die Alarmglocken schrillen.

Doch die Experten zeigen sich mit Blick auf das kommende Jahr überraschend optimistisch, wie einige der 2026-Ausblicke zeigen. Die Mehrheit setzt weiterhin auf Aktien - insbesondere am technologiegetriebenen US-Markt.

Lombard Odier spricht vom ,,Re-Beschleunigungs-Trade", bei dem globales Wirtschaftswachstum eine ,,diversifizierte" Aktienrally antreiben soll. BNP Paribas rechnet mit einem überdurchschnittlichen Wachstum der Eurozone.

Der Euro legt wieder zu, und selbst Diskussionen über eine mögliche KI-Blase haben die Aktienmärkte bislang kaum gebremst.

Vielleicht ist es gerade dieser Optimismus - in einem Umfeld, in dem Konsens-Trades nicht immer ins Schwarze getroffen haben - der zu Vorsicht mahnt.