Im Frühjahr 2023 schrieben wir an gleicher Stelle, dass der Südzucker-Kurs von 18 Euro je Aktie ein spekulatives Niveau erreicht habe – vor allem, weil das damalige Zuckerpreiswunder mit Notierungen von über 700 Euro pro Tonne nicht von Dauer sein könne und das Unternehmen bald mit erheblichen Refinanzierungsbedarf in einem deutlich ungünstigeren Zinsumfeld konfrontiert sein werde.
Diese Warnung erwies sich als weitsichtig: Der Kurs geriet umgehend unter Druck und notiert seit einigen Wochen unterhalb der Marke von zehn Euro – dem historischen Tiefpunkt der Aktie. Rückblickend betrachtet, bedeutet das drei Jahrzehnte Börsen-Stillstand, lediglich unterbrochen von unregelmäßigen, wenn auch größtenteils aus dem Cashflow gedeckten Dividendenzahlungen.
Wie viele Akteure der europäischen Agrarwirtschaft könnte Südzucker stark unter dem EU-Mercosur-Abkommen leiden. Die brasilianische Zuckerproduktion ist schon heute ein entscheidender Faktor für die strukturelle Überkapazität des Marktes – mit entsprechendem Preisdruck auf die Anbieter, die unter deutlich höheren Kosten und strengeren Regulierungen produzieren müssen.
Selbst mit Schutzklauseln würde ein schrittweiser Abbau der EU-Einfuhrzölle das Geschäft von Südzucker stark belasten. Dabei steht der Konzern bereits jetzt unter Druck: Im ersten Halbjahr brach der Umsatz um ein Fünftel ein, das operative Ergebnis vor Investitionen halbierte sich.
Das Management dämpft die Erwartungen für das zweite Halbjahr deutlich – die Zuckerpreise bleiben niedrig, was mittlerweile ein strukturelles Merkmal dieses im Überfluss verfügbaren Rohstoffs ist. Bereits im Vorjahr hatte Südzucker die Dividende vorsorglich auf das Niveau der Krisenjahre zurückgefahren, konkret auf 0,20 Euro je Aktie.
Südzucker gilt als klassisches Beispiel einer „deutschen Anleihe-Aktie“ – langfristig zeigt sich jedoch eine schleichende Erosion der Ausschüttungen. Zwischen 2006 und 2015 zahlte der Konzern insgesamt 5,5 Euro je Aktie an Dividenden aus. In der Dekade von 2016 bis 2025 sank dieser Betrag auf 4,1 Euro – wobei allein 1,6 Euro davon auf das Ausnahmejahr 2023/24 entfielen, als die Zuckerpreise kurzfristig explodierten.
Der Mannheimer Konzern muss sich der eingetrübten Lage stellen – bei gleichzeitig hoher Verschuldung und bedenklich schwachen Eigenkapitalquoten.



















