US-Vizepräsident JD Vance hat die Hoffnung geäußert, dass die Fragen rund um das US-amerikanische E-Commerce-Unternehmen Coupang, die sich aus einem massiven Datenleck ergeben haben, fair gelöst werden könnten, um Spannungen zu vermeiden. Das teilte der südkoreanische Premierminister Kim Min-seok am Freitag mit.

Zwei große US-Investoren von Coupang haben die US-Regierung ersucht, die Untersuchung Südkoreas gegen Coupang zu überprüfen. Sie argumentieren, die Ermittlungen diskriminierten ein amerikanisches Unternehmen und schädigten das Geschäft der Firma.

Südkoreanische Regierungsvertreter haben die Regierung von Präsident Donald Trump kontaktiert, um die Untersuchung von Coupangs Aktivitäten in Südkorea zu erläutern. Das in Seattle ansässige Mutterunternehmen erwirtschaftet dort den Großteil seines Umsatzes.

"Vizepräsident Vance bat darum, dass das Thema von beiden Regierungen gut gemanagt wird, um Missverständnisse und Eskalationen zu vermeiden", sagte Kim südkoreanischen Journalisten in Washington nach dem Treffen.

Das Weiße Haus reagierte außerhalb der Geschäftszeiten nicht umgehend auf eine Anfrage zu dem Treffen.

Im November hatte Coupang bekanntgegeben, dass persönliche Daten von mehr als 33 Millionen Kunden kompromittiert wurden. Dies führte zu heftigen Reaktionen von südkoreanischen Abgeordneten und der Öffentlichkeit sowie zu einer umfassenden Untersuchung und Klagen gegen das Unternehmen.

Südkoreas Handelsminister Yeo Han-koo erklärte am Samstag, er habe dem US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer erläutert, dass die Untersuchung von Coupang in Seoul kein Handelsstreit sei.

"Die Regierung führt derzeit eine nicht-diskriminierende und transparente Untersuchung durch, genauso wie wir es bei jedem koreanischen Unternehmen mit einem Datenleck getan hätten, nicht weil es sich um ein amerikanisches Unternehmen handelt", sagte Yeo gegenüber Reportern nach seiner Rückkehr aus Davos, Schweiz, wo er Greer beim Weltwirtschaftsforum getroffen hatte.

Das Büro des Handelsbeauftragten reagierte nicht sofort auf eine Anfrage nach einem Kommentar.

Die Schritte der US-Investoren und Äußerungen einiger Mitglieder des Kongresses haben in Südkorea die Sorge geweckt, dass der Coupang-Fall zu einem Handelsstreit eskalieren könnte – just zu einem Zeitpunkt, an dem Seoul an der Umsetzung eines im November verkündeten Abkommens arbeitet, das US-Zölle auf südkoreanische Exporte senken soll.

Dieses umfassende Handels- und Sicherheitsabkommen steht ganz oben auf Kims Agenda bei Gesprächen mit hochrangigen US-Beamten.

Kim sagte, er und Vance hätten zudem darüber gesprochen, wie Washington die Beziehungen zu Nordkorea verbessern könnte, und angeregt, dass Trump die Entsendung eines Sondergesandten nach Pjöngjang prüfen solle.

Trump und der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hatten sich während Trumps erster Amtszeit drei Mal getroffen, doch Pjöngjang hat bislang nicht direkt auf erneute Dialogangebote aus Washington reagiert.