In diesem Monat hat Strategy erneut einen massiven Kauf von 34.164 BTC angekündigt (rund 2,54 Mrd. USD) – der drittgrößte Erwerb des Unternehmens. Damit steigen die Bestände auf etwa 815.061 BTC, was rund 3,8 % des gesamten im Umlauf befindlichen Angebots entspricht. Damit überholt das Unternehmen nun den BlackRock-ETF (IBIT), der Anfang April etwa 800.000 BTC hielt.

Strategy VS BlackRock (IBIT)
FireBlocks

Dieser Durchbruch ist umso bemerkenswerter, als bislang viele davon ausgingen, dass Strategy BlackRock nicht einholen würde.

Was dieses Duell so interessant macht, ist nicht nur die absolute Größe der Bestände, sondern das, was die jeweiligen Lager repräsentieren. Auf der einen Seite steht IBIT als „Vehikel des Volkes“: Jeder Bitcoin im Fonds ist das Ergebnis einer individuellen Anlageentscheidung – sei es über Berater, Fonds oder private Konten. Keine zentrale Entscheidung, sondern die Summe von Mio. einzelner Allokationen.

Auf der anderen Seite verkörpert Strategy eine reine Überzeugungsstrategie. Ein einziges Unternehmen unter der Führung von Saylor trifft sämtliche Entscheidungen, um so viele Bitcoins wie möglich zu erwerben – unter Einsatz aller verfügbaren Hebel.

Saylors geheime Waffe: die STRC

Die eigentliche Stärke Saylors liegt in seiner geheimen Waffe: der STRC. Dabei handelt es sich nicht nur um ein schillerndes Finanzprodukt, sondern um gezielte Finanztechnik im Dienst seiner Strategie. Anstatt mit klassischen „Krypto“-Argumenten zu werben, bietet Strategy etwas Vertrauteres: eine ewige Vorzugsaktie mit einer Rendite von rund 11,5 % pro Jahr (also etwa 0,958 USD pro Aktie monatlich), die darauf ausgelegt ist, nahe 100 USD zu notieren. Diese stabile und hohe Ausschüttung verwandelt das Narrativ in einen „Rendite-Pitch“ statt in eine Wette auf die Volatilität von Bitcoin. Zudem wird die Dividende steuerlich als Kapitalrückzahlung (100 % ROC) behandelt, wodurch die Besteuerung auf den günstigeren Kapitalertragssatz verschoben wird.

Der Mechanismus ist raffiniert: Sobald sich die STRC-Aktie zu weit von 100 USD entfernt, passt Strategy die Dividende an, um den Kurs wieder in diese Nähe zu bringen. Solange neue Investoren STRC zeichnen, finanzieren sie sowohl den Erwerb neuer Bitcoins als auch die Dividendenausschüttungen. In der Praxis segmentiert Saylor seine Investorenbasis: Ein Teil erhält ein quasi gesichertes Einkommen (über die Vorzugsaktie), während ein anderer die gesamte Aufwärtsdynamik – und Volatilität – von Bitcoin über die Stammaktie trägt. Mit dieser Kombination aus Einkommen und Krypto-Exposure erweitert Strategy seine Zielgruppe deutlich über die klassischen Bitcoin-Anhänger hinaus.

Der Haken: Dieses Konstrukt funktioniert nur, solange das Vertrauen intakt bleibt. Solange neue Investoren bereit sind, STRC zu kaufen, kann Strategy sowohl Dividenden als auch Bitcoin-Käufe finanzieren. Lässt die Nachfrage jedoch nach, wird das gesamte Modell anfälliger. Hinter der scheinbaren Sicherheit der Rendite steht weiterhin Bitcoin – ein volatiler Vermögenswert. Bei einem nachhaltigen Kursrückgang könnte das Versprechen eines „quasi sicheren“ Einkommens schnell an Glaubwürdigkeit verlieren. Hinzu kommt eine wachsende Abhängigkeit von Refinanzierungen: Muss Strategy die Dividende ständig anpassen, um den Kurs bei 100 USD zu stabilisieren, steigen die Kapitalkosten und belasten die Struktur. Ergänzt wird dies durch potenzielle Verwässerungseffekte zwischen den verschiedenen Investorengruppen, das Risiko von Fehlinterpretationen durch renditegetriebene Anleger sowie regulatorische und steuerliche Unsicherheiten. Sollte die günstige steuerliche Behandlung entfallen, würde ein zentraler Vorteil der STRC sofort wegfallen.

Spot-Bitcoin-ETFs: die Macht der Distribution

Die Stärke von BlackRock mit IBIT liegt an anderer Stelle: in der Distribution. Der entscheidende Vorteil besteht in der Integration des ETFs in Modellportfolios, Fonds, Altersvorsorgelösungen und andere Strukturen, die bereits Billionen an Kapital steuern. Anleger müssen nicht mehr aktiv nach Bitcoin suchen – sie finden IBIT schlicht in ihrem Standardportfolio. Nebenbei ist IBIT inzwischen das profitabelste Produkt von BlackRock geworden.

Zur Erinnerung: Seit Januar 2024 hat die US-Börsenaufsicht SEC die Notierung von Spot-Bitcoin-ETFs erlaubt. Seither haben mehrere Anbieter (BlackRock, Fidelity, ARK etc.) rund ein Dutzend vergleichbarer Produkte aufgelegt. Das gesamte verwaltete Vermögen dieser börsengehandelten Produkte liegt inzwischen bei knapp 99 Mrd. USD (etwa 6,5 % der im Umlauf befindlichen BTC), davon rund 60 Mrd. USD im IBIT.

Verwaltetes Vermögen in Bitcoin Spot ETFs
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Doch ein dreizehnter Anbieter ist hinzugekommen. Am 7. April brachte Morgan Stanley sein börsengehandeltes Produkt auf den Markt, den Morgan Stanley Bitcoin Trust (MSBT). Es handelt sich um die erste US-Bank, die einen Spot-Bitcoin-ETF anbietet, neben zwölf klassischen Vermögensverwaltern. Mit Zuflüssen von 34 Mio. USD am ersten Handelstag verzeichnete die Bank laut Amy Oldenburg, Leiterin der Digital-Asset-Strategie bei Morgan Stanley, „den besten ETF-Start der Firmengeschichte“. Zehn Tage später belaufen sich die verwalteten Vermögen bereits auf 155 Mio. USD.

Ranking der Bitcoin Spot ETFs nach verwaltetem Vermögen
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Das Hauptargument des MSBT: eine der niedrigsten Verwaltungsgebühren am Markt, mit 0,14 %, gegenüber 0,25 % beim IBIT von BlackRock. Zudem kann Morgan Stanley Investment Management auf ein umfangreiches Wealth-Management-Netzwerk zurückgreifen: Rund 16.000 Finanzberater empfehlen intern bereits eine Allokation von 2 bis 4 % in Kryptoassets. Bislang erfolgte der Zugang über Drittprodukte – künftig kann die Bank ihre Kunden direkt in den eigenen MSBT lenken und so eine „hausinterne“ Lösung für institutionelle und private Anleger anbieten. Die Verwahrung der zugrunde liegenden Bitcoins übernehmen Coinbase und BNY Mellon, während der MSBT die Bitcoin-Performance über den CoinDesk Bitcoin Benchmark abbildet.

Letztlich wird die eigentliche Schlacht womöglich nicht mehr allein über den Bitcoin-Preis entschieden, sondern darüber, wie dieses Asset verpackt, distribuiert und finanziert wird. Zwischen Saylors radikaler Überzeugung, der industriellen Schlagkraft von BlackRock und dem Markteintritt großer Banken wie Morgan Stanley gewinnt Bitcoin zunehmend an Bedeutung in der traditionellen Finanzwelt.