Block 1: Die wichtigsten Krypto-News der Woche
Sorare zieht sich aus New York zurück – trotz Wachstum
Die französische Krypto-Licorne Sorare kündigt einen Strategiewechsel an: Trotz eines Umsatzwachstums von 22 % und eines um 25 % gestiegenen Handelsvolumens nach dem Umzug auf die Solana-Blockchain schließt das Unternehmen sein Büro in New York. Der operative Rückzug aus den USA geht mit einem Stellenabbau von rund 30 % einher. Mitgründer Adrien Montfort verlässt das operative Geschäft und wechselt in den Verwaltungsrat. Ziel des neuen Kurses: schnellstmögliche Rentabilität. CEO Nicolas Julia setzt für 2026 auf neue Produkte und die Fußball-WM – ein Schlüsseljahr.
Grayscale bringt DOGE- und XRP-ETFs an die Wall Street
Grayscale geht mit zwei neuen Spot-ETFs auf Altcoins an den Start: Der $GDOG (Dogecoin) und der $GXRP (Ripple/XRP) feiern ihr Börsendebüt an der NYSE Arca. Während es für XRP bereits Konkurrenzprodukte gibt, ist der DOGE-ETF ein Novum. Ob diese Produkte im aktuellen Abwärtstrend eher ein Rettungsring für Altcoin-Halter oder ein neues Vehikel für institutionelle Zuflüsse werden, bleibt abzuwarten.
China: Illegales Mining zurück – mit 14 % weltweitem Hashrate-Anteil
Trotz des offiziellen Krypto-Verbots erlebt China ein bemerkenswertes Comeback im Mining: Schätzungen zufolge stammen 14 % der globalen Rechenleistung Ende Oktober aus dem Reich der Mitte – vor allem aus Regionen mit günstiger erneuerbarer Energie wie Xinjiang oder Sichuan. Der Hardwarehersteller Canaan erzielt mittlerweile über die Hälfte seines Umsatzes in China. Die Regierung schweigt bislang – ein Zeichen für möglichen regulatorischen Pragmatismus?
Tether stockt Goldreserven auf – nun auf Augenhöhe mit Zentralbanken
Der Stablecoin-Riese Tether hat seine Goldreserven auf 116 Tonnen (13,7 Mrd. USD) ausgebaut – ein Niveau vergleichbar mit den Zentralbanken von Griechenland, Ungarn oder Katar. Im dritten Quartal allein kaufte Tether 26 Tonnen hinzu, das entspricht 2 % der weltweiten Nachfrage. Ziel ist eine stärkere Absicherung des USDT sowie eine Stärkung des goldgedeckten Stablecoins XAUt. Mit Ex-HSBC-Strategen im Team wird Tethers Goldpolitik immer zentraler. CEO Paolo Ardoino bezeichnet Gold inzwischen als „natürlichen Bitcoin“.
Block 2: Die Krypto-Analyse
Sie könnte die perfekt geölte Maschinerie von Michael Saylor zum Entgleisen bringen. Strategy, das vermutlich am stärksten exponierte Unternehmen im aktuellen Krypto-Bärenmarkt, sieht sich einer konkreten Gefahr gegenüber: dem Ausschluss aus den Referenzindizes (MSCI USA, Nasdaq 100), die seine Aufnahme in viele Privatkunden-Portfolios überhaupt erst ermöglicht haben.
Ein Erdbeben in Höhe von 9 Milliarden Dollar
Sollte das Urteil fallen – eine Entscheidung wird für den 15. Januar erwartet –, wären die Folgen unmittelbar und drastisch. In einer viel beachteten Notiz warnen Analysten von JPMorgan: Der Ausschluss aus dem MSCI-Index könnte automatisch Kapitalabflüsse von 2,8 Milliarden Dollar auslösen. Wenn andere Indexanbieter folgen, könnten insgesamt bis zu 9 Milliarden Dollar an passivem Engagement verschwinden.
Für ein Unternehmen, das seinen kometenhaften Aufstieg darauf aufgebaut hat, Bitcoin über eine börsennotierte Aktie zu „verpacken“, steht damit mehr auf dem Spiel als bloß Liquidität. Ein Ausschluss wäre ein schwerer Schlag für die institutionelle Glaubwürdigkeit.
Das Ende des „Flywheel“-Modells?
Der Erfolg von Strategy basierte auf einer simplen, fast magischen Schleife: Aktien verkaufen, Bitcoin kaufen, vom Aufschwung profitieren – und den Kreislauf von vorn beginnen. Auf dem Höhepunkt seiner Popularität lag die Marktkapitalisierung des Unternehmens deutlich über dem realen Wert seiner Bitcoin-Bestände.
Inzwischen nähert sich die Bewertung des Unternehmens genau diesem Bestand an – der sogenannte mNAV (Marktkapitalisierung dividiert durch Bitcoin-Bestand) liegt nur noch knapp über 1,1. Die Botschaft der Investoren ist deutlich: Der Glaube schwindet. Die Schleife Finanzierung => Kauf => Wertsteigerung => Refinanzierung stockt.

Identitätskrise: Unternehmen oder Fonds?
Noch im September setzten Optimisten auf eine Aufnahme von Strategy in den S&P 500. Alle Voraussetzungen schienen erfüllt: Marktkapitalisierung, Profitabilität, Liquidität.
Doch im Hintergrund bahnt sich eine Neudefinition an: In einer Notiz vom 10. Oktober ließ MSCI verlauten, dass Unternehmen, deren digitale Vermögenswerte mehr als 50 % der Bilanzsumme ausmachen, möglicherweise umklassifiziert werden – als Fonds. Und Fonds sind nicht indexfähig. Zwar spekuliert MSCI „offiziell nicht“ über künftige Regeländerungen, aber die Gefahr einer Neubewertung steht im Raum.
Wenn Vertrauen teuer wird
Die Aktie von Strategy hat seit ihrem Hoch im November über 60 % eingebüßt – und damit die Bewertungsprämie verloren, die sie zum Liebling der Momentum-Trader gemacht hatte.

MarketScreener
Doch der Stress greift mittlerweile auch auf neue Finanzierungsinstrumente über:
Perpetual Preferred Shares – ein zentraler Baustein von Saylors aktueller Strategie – verlieren deutlich an Wert.
Misserfolg in Europa – eine seltene Emission in Euro scheiterte bereits nach zwei Wochen und fiel unter den ohnehin rabattierten Ausgabepreis.
Die Stunde der Wahrheit
Die Aufnahme in große Indizes ist ein unsichtbarer Motor der modernen Märkte – sie steuert Billionen an Kapitalflüssen und verleiht stille Legitimität. Doch wenn das zugrunde liegende Narrativ bröckelt, kehrt sich diese Mechanik ins Negative.
Mit einem Bitcoin-Rückgang von über 30 % seit seinem Hoch im Oktober und einem Kryptomarkt, dem mehr als 1.000 Milliarden Dollar an Kapitalisierung entzogen wurden, wird es schmerzhaft.
Strategy hat das Modell der „digitalen Schatzhaltung“ definiert – ein Blueprint, der nun an seine Grenzen stößt. Es geht hier nicht um ein Duell zwischen „pro Bitcoin“ und „contra Bitcoin“. Es geht um das Spannungsfeld zwischen der Schwerkraft der Indexflüsse und der Schwerelosigkeit eines Narrativs.
Vier Jahre lang zeigte Strategy, dass man ein Ticker-Symbol in einen Bitcoin-Proxy verwandeln kann – und den Zauber des Aufschwungs einfangen. Die Frage ist nun die umgekehrte: Kann man ein Bitcoin-Proxy bleiben und dennoch überleben – trotz regulatorischer Realität, steigender Kapitalkosten und Investoren, die keine Hoffnung mehr kaufen wollen?
Und das alles in einer Welt, in der seit 2024 die Bitcoin-Spot-ETFs einen immer größeren Teil der Kapitalflüsse abschöpfen.
Sollte der Ausschluss kommen, verliert Strategy mehr als nur Kapital – es verliert das institutionelle Gütesiegel, das seine Strategie überhaupt erst auf große Skala möglich machte. Bleibt es in den Indizes, wird das nur zum Preis eines erneuerten Vertrauens möglich sein – und einer Geschäftsstrategie, die sich neu verankern muss.
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