Die europäischen Aktienmärkte tendierten am Freitag fester und verzeichneten die dritte Gewinnwoche in Folge. Ein vorsichtiger Optimismus im Vorfeld der am Wochenende anstehenden Gespräche zwischen den USA und dem Iran überwog dabei die Spannungen innerhalb eines fragilen Waffenstillstands.

Der paneuropäische Leitindex STOXX 600 schloss mit einem Plus von 0,4 % bei 614,84 Punkten. Auf Wochensicht konnte der Index damit um 3 % zulegen.

Die meisten Länderbörsen verbuchten ebenfalls Gewinne, wobei der französische CAC 40 um 0,2 % und der spanische IBEX 35 um 0,6 % zulegten.

Europäische Aktien hatten am Mittwoch nach Nachrichten über einen Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran den stärksten Tagesanstieg seit mehr als vier Jahren verzeichnet. Dies half dem STOXX 600, einen Teil der Verluste aufzuholen, die seit Beginn der Feindseligkeiten am 28. Februar entstanden waren.

"Die Anlegerstimmung schwankt weiterhin angesichts der Ungewissheit über die Dauerhaftigkeit des zweiwöchigen Waffenstillstandsabkommens im Nahen Osten", sagte Mark Haefele, Chief Investment Officer bei UBS Global Wealth Management.

"Während die Volatilität kurzfristig wahrscheinlich anhalten wird, sind wir weiterhin davon überzeugt, dass das Engagement in strukturellen Trends langfristig ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal für die Performance der Aktienmärkte bleiben wird", fügte er hinzu.

Die Anleger werden die Gespräche aufmerksam verfolgen, insbesondere die Bemühungen zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus, einem lebenswichtigen Seeweg für die weltweite Energieversorgung. Die europäische Flughafenindustrie hat gewarnt, dass dem Kontinent innerhalb von drei Wochen ein systemischer Mangel an Kerosin drohen könnte, sollte die Passage geschlossen bleiben.

Für die Unternehmen des STOXX 600 wird laut LSEG-Daten für das erste Quartal ein Gewinnwachstum von 4,2 % erwartet, was leicht über dem in der Vorwoche geschätzten Anstieg von 4 % liegt.

Unterdessen fiel der Index für Luftfahrt und Verteidigung um 2,2 %, nachdem ein Bloomberg-Bericht darauf hindeutete, dass die Ukraine und Russland auf eine mögliche Einigung zusteuern.

Die deutschen Titel von Rheinmetall und Hensoldt sowie die italienische Leonardo fielen um mehr als 5 %, während CSG ein Minus von 8 % verzeichnete.

Bauwerte legten zu, wobei Buzzi, Holcim und Heidelberg Materials zwischen 3 % und 5,6 % gewannen. Finanz- und Technologiewerte stützten den Index mit Zuwächsen von jeweils 1,3 %.

Europas Luxussektor stieg um 0,9 %, nachdem die Aktie des italienischen Unternehmens Brunello Cucinelli nach über den Erwartungen liegenden Umsatzzahlen für das erste Quartal um 5,3 % kletterte.

Unter den weiteren Einzelwerten fielen die Aktien von Sodexo um 10 % auf ein Sechsjahrestief, nachdem der französische Caterer seine jährlichen Umsatz- und Rentabilitätsziele gesenkt hatte.

Repsol gaben um 5,8 % nach, nachdem der spanische Energiekonzern ein schlechter als erwartet ausgefallenes Trading-Update für das erste Quartal veröffentlicht hatte.

In den USA stiegen die Verbraucherpreise im März so stark wie seit fast vier Jahren nicht mehr, da der Iran-Krieg zu einem sprunghaften Anstieg der Ölpreise führte. Die Märkte werden die Inflationsdaten weiterhin genau beobachten, um die globalen wirtschaftlichen Auswirkungen des Konflikts abzuschätzen.