Berlin, 17. Feb (Reuters) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich einer großangelegten Umfrage zufolge in den vergangenen Monaten aufgehellt. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hob deswegen ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr an - auf ein Wachstum von 1,0 statt bisher 0,7 Prozent. Das Wachstum geht aber vor allem auf schuldenfinanzierte staatliche Impulse zurück. Laut DIHK fehlen weiterhin private Investitionen für einen stärkeren Aufschwung. Insbesondere die Industrie zögert und verlagert Aktivitäten in Länder, in denen die Standortbedingungen besser sind. Außerdem planen deutlich mehr Unternehmen in Deutschland, Stellen zu streichen statt neue aufzubauen.

"Es bleibt ein langer, steiniger Weg", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov in Berlin. Die Bundesregierung habe zwar Reform- und Entlastungspakete angestoßen. "Aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar." Sie forderte mehr strukturelle Reformen. "Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus." Es brauche mehr Tempo, um Bürokratie abzubauen sowie Arbeits- und Energiekosten zu reduzieren. Das würde Vertrauen schaffen und zu Investitionen führen.

Die DIHK hat in den vergangenen Monaten Antworten von rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen ausgewertet. 23 Prozent der befragten Firmen planen höhere Investitionen, 31 Prozent aber Kürzungen. Investiert wird vor allem in Ersatz und Rationalisierungen, viel seltener aber Innovationen und Kapazitätserweiterungen. "Ich investiere da, wo ich investieren muss", so Melnikov. Insgesamt seien die privaten Investitionen aber noch immer elf Prozent unter dem Niveau vor Ausbruch der Corona-Krise 2020. Besonders zurückhaltend sind energieintensive Unternehmen sowie die Automobilbranche und der Maschinenbau.

Der seit Mitte 2025 greifende "Investitionsbooster" hat laut DIHK eine "leicht positive Wirkung", kommt aber noch nicht in der Breite der Wirtschaft an - tendenziell eher bei größeren Firmen. Das Gesetzespaket umfasst zeitlich begrenzt ausgeweitete Abschreibungsmöglichkeiten bei Investitionen in Maschinen, sonstige Anlagen und Elektromobilität. Die schwarz-rote Koalition hofft, dass die steuerlichen Anreize und die ausgeweiteten staatlichen Investitionen auf die Privatwirtschaft überspringen und 2027 zu einem noch stärkeren Wachstum führen. Melnikov verwies aber auf weiter schlechte Standortbedingungen mit hohen Arbeitskosten und Energiepreisen, viel Bürokratie und hohen Steuern. Es gebe seit Jahren eine schleichende Deindustrialisierung und Verlagerung von Investitionen ins Ausland. "Die müssen sich auch rechnen."

STELLENABBAU DÜRFTE WEITERGEHEN

23 Prozent der Unternehmen rechnen zudem mit einer sinkenden Mitarbeiterzahl, nur zwölf Prozent planen, ihr Personal aufzustocken. Erstmals seit elf Jahren waren zuletzt wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet. Nach Angaben der Unternehmensberatung EY sind 2025 in der Industrie 124.100 Jobs oder 2,3 Prozent verloren gegangen. "Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 sank die Zahl der Industriejobs in Deutschland um 266.200 - ein Rückgang um knapp fünf Prozent." Besonders stark fällt der Abbau in der Automobilindustrie aus - 2025 mit einem Minus von fast 50.000 Jobs, seit 2019 sogar 111.000. Damit schrumpfte die Zahl der Beschäftigten hier seit 2019 um 13 Prozent. Kräftige Einbußen gab es auch in der Textil- und Metallindustrie. Im Plus sind gegenüber dem Jahr 2019 die Chemie- und Pharmabranche sowie die Elektroindustrie.

Der DIHK-Stimmungsindex - ein Mittelwert aus der Beurteilung der aktuellen Lage und den Erwartungen für die nächsten Monate - stieg um zwei Zähler auf 95,9 Punkte. Damit liegt er allerdings noch deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 110 Punkten. Positiver zeigte sich unter anderem die Exportindustrie. Die DIHK rechnet deswegen nun mit einem Exportplus von 1,0 Prozent in diesem Jahr - doppelt so viel wie bisher.

Das Bruttoinlandsprodukt war 2025 um 0,2 Prozent gestiegen, nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge. Auch die Bundesregierung rechnet dieses Jahr mit einem Wachstum von 1,0 Prozent. Zwei Drittel davon gehen laut Wirtschaftsministerium auf staatliche Impulse zurück - etwa Investitionen zur Sanierung der Infrastruktur oder zur Aufrüstung der Bundeswehr. Kritiker bemängeln, dass das Wachstum teuer erkauft ist und verweisen auf die in diesem Jahr zweithöchste Neuverschuldung des Bundes.

(Bericht von Christian Krämer und Maria Martinez. Redigiert von Hans BusemannBei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)