Der nach Absatz weltweit viertgrösste Automobilhersteller wird seine langfristige Strategie in Detroit erläutern. Dabei liegt der Fokus auf den populärsten und profitabelsten internationalen Marken des Konzerns.
Andere Marken aus dem insgesamt 14 Namen umfassenden Portfolio von Stellantis - dem grössten der Branche, zu dem auch Citroen, Opel und Alfa Romeo gehören - sollen Mittel erhalten, um Modelle auf Basis der Technologie der vier Kernmarken zu entwickeln, so die Quellen.
Die volumenschwächeren Marken, die bisher einen gleichmässigeren Anteil am internen Investitionsbudget erhielten, sollen zu regionalen oder nationalen Marken in spezifischen Märkten umgewandelt werden, in denen sie bereits stark sind oder Potenzial aufweisen, erläuterten die Informanten gegenüber Reuters.
Stellantis kämpft derzeit um die Rückgewinnung von Marktanteilen in den USA und Europa und sieht sich in Europa sowie in Schwellenländern einem verschärften Wettbewerb durch chinesische Automobilhersteller ausgesetzt. Im Februar verbuchte der Konzern eine Belastung in Höhe von 22.2 Milliarden Euro (26.1 Milliarden Dollar), nachdem Pläne für Elektroautos revidiert wurden.
Die strategische Neuausrichtung bei Stellantis, das 2021 durch die Fusion von Fiat Chrysler und dem Peugeot-Hersteller PSA entstand, wird laut drei Quellen von grossen Investoren, einschliesslich des Hauptaktionärs Exor, unterstützt.
Stellantis erklärte gegenüber Reuters, dass seine Marken die Stärke des Unternehmens seien, und betonte die Kombination aus 'globaler Skalierung und tiefen lokalen Wurzeln', ohne die geplante Reorganisation direkt zu kommentieren.
BEWERTUNG MASSIV GESUNKEN
Infolge der operativen Schwierigkeiten ist die Marktkapitalisierung von Stellantis auf rund 21 Milliarden Euro eingebrochen. Dies liegt nur knapp über dem Börsenwert des Elektroauto-Startups Rivian (21 Milliarden Dollar) und entspricht weniger als der Hälfte der Bewertung von Volkswagen.
Einige Investoren und Analysten hatten Stellantis nahegelegt, bestimmte Marken zu schliessen, die sich insbesondere in Europa überschneiden, um Kosten zu sparen und Ineffizienzen abzubauen. Lancia, DS, Citroen und Opel wurden dabei häufig als Kandidaten genannt.
Filosa, der im vergangenen Jahr mit dem Mandat angetreten ist, das Ruder bei Stellantis herumzureissen, möchte diesen Weg jedoch nicht beschreiten. Er sieht laut vier Quellen in diesen Marken weiterhin Potenzial in bestimmten Regionen oder grossen nationalen Märkten.
'Einige dieser Marken könnten sich für die Gruppe in Zukunft als nützlich erweisen, sollten sich die Marktbedingungen ändern', sagte Marco Santino, Partner bei der Beratungsgesellschaft Oliver Wyman. Er fügte hinzu, dass es 'sehr schwierig sei, eine Marke wiederzubeleben', wenn sie erst einmal eingestellt wurde.
Der ehemalige Stellantis-CEO Carlos Tavares, der die Fusion leitete, hatte sich öffentlich geweigert, Markenschliessungen in Betracht zu ziehen. Nach seinem Ausscheiden im Dezember 2024 legte Verwaltungsratschef John Elkann den Fokus jedoch verstärkt darauf, welche Marken eine tragfähige Zukunft haben.
FOKUS AUF MARKEN, DIE 'WIRKLICH ZÄHLEN'
Filosas Plan sieht vor, die Investitionen auf Jeep, Ram, Peugeot und Fiat zu konzentrieren, da diese aufgrund ihrer höheren Absatzvolumina und Gewinne die Marken seien, die 'wirklich zählen', so eine Quelle gegenüber Reuters.
Sein Vorgänger habe darauf bestanden, dass alle Marken die Gesamtinvestitionen gleichmässiger unter sich aufteilen, fügte die Quelle hinzu.
Im Rahmen der neuen Strategie wird Stellantis Marken wie Citroen, Opel und Alfa Romeo nun taktisch in bestimmten Ländern und Marktsegmenten einsetzen, so vier Informanten.
Zu den Optionen für regionale Marken gehört die Nutzung von Plattformen und Technologien, die von den Kernmarken entwickelt wurden. Diese sollen durch eigene Designmerkmale und spezifische Abstimmungen ein eigenständiges Erscheinungsbild erhalten, so eine weitere Quelle.
Auch das 'Rebadging' bestimmter Modelle für spezifische lokale Märkte wird als Lösung in Betracht gezogen, sagten zwei der Quellen.
Reuters berichtete Anfang des Monats, dass Stellantis in fortgeschrittenen Gesprächen mit dem chinesischen Partner Leapmotor stehe, um gemeinsam ein Elektro-SUV der Marke Opel zu entwickeln. Dies gilt als potenzielles Beispiel dafür, wie regionale Marken auf geteilte Basistechnologien zurückgreifen und dennoch ihre individuelle Identität bewahren können.
STELLANTIS ZÖGERT BEI DER EINSTELLUNG VON MARKEN
Ein hochrangiger Stellantis-Manager sagte, der langfristige Erfolg des Plans hänge weniger von einer Verkleinerung des Portfolios ab als vielmehr davon, Marken strategisch in verschiedenen Märkten einzusetzen, um Marktanteile zu gewinnen.
Stellantis verfolgt seit langem das Ziel, für die meisten Modelle eine begrenzte Anzahl gemeinsamer, sogenannter 'Multi-Energy'-Plattformen zu nutzen, die sowohl vollelektrische als auch Hybrid- oder Benzinantriebe unterstützen.
Dies war jedoch auf einen schnellen Übergang zur Elektromobilität zugeschnitten, der so nicht eintrat, wie ein ehemaliger Stellantis-Manager anmerkte.
Analysten zufolge könnte sich Stellantis letztlich dennoch von einigen Marken trennen. Historisch gesehen zögern Automobilhersteller jedoch bei solchen Schritten, sofern sie nicht dazu gezwungen sind - wie etwa General Motors mit Saturn und Pontiac während des Insolvenzverfahrens 2008.
Kurzfristig müssen sich die Stellantis-Manager 'auf die Marken konzentrieren, auf die es ankommt', sagte Larry Dominique, Berater und ehemaliger Leiter der Marke Alfa Romeo in Nordamerika.
'Irgendwann muss Stellantis vielleicht einige Marken auslaufen lassen. Aber sie werden diese Entscheidung auf Basis der künftigen Performance der Kernmarken treffen müssen', fügte er hinzu.
($1 = 0.8508 Euro)






















