Frankfurt, 05. Mai (Reuters) - Nach einer Reihe überraschend starker Konzernbilanzen sind die Börsen am Dienstag ins Plus gedreht. Anhaltende Sorgen über die Lage im Nahen Osten grenzten die Gewinne jedoch ein. Der Dax und der EuroStoxx50 notierten gegen Mittag jeweils rund ein Prozent höher bei 24.249 und 5840 Punkten. "Solange die Unternehmen Geld verdienen, sorgt das für gute Stimmung", resümierte Fiona Cincotta, Chefanalystin beim Broker City Index.
Gefragt nach positiv aufgenommenen Geschäftszahlen waren unter anderem die Aktien von Anheuser-Busch InBev, Hugo Boss, Rheinmetall und UniCredit, die um 3,5 bis 6,5 Prozent zulegten. Für Gesprächsstoff sorgte auch das Übernahmeangebot von UniCredit für die Commerzbank. Die Aktien des Frankfurter Geldhauses verharrten daraufhin bei ihrem Plus von gut drei Prozent. Aus den Depots flogen hingegen die Papiere von Fresenius Medical Care und Fraport, die nach der Veröffentlichung von Geschäftszahlen fünf und ein Prozent einbüßten.
WAFFENRUHE IN GEFAHR
Nun warten Anleger auf die Zahlen der US-Konzerne Pfizer und AMD, die am Nachmittag und nach US-Börsenschluss veröffentlicht werden. Die Futures für die wichtigsten US-Indizes legten vor den Berichten leicht zu. "Da keine Anzeichen für eine Verlangsamung in Sicht sind, werden die Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) wahrscheinlich weiterhin die Hauptlast des Gewinnwachstums im S&P 500 tragen, angeführt vom Technologie-Sektor", sagte Jeff Buchbinder, Chefstratege bei LPL Financial.
Im Fokus steht zudem nach wie vor die Geopolitik. Die brüchige Waffenruhe im Nahen Osten gerät nach neuen militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran in der Straße von Hormus in Gefahr. Das US-Militär zerstörte nach eigenen Angaben sechs kleine iranische Boote sowie Marschflugkörper und Drohnen. US-Präsident Donald Trump hatte die Marine entsandt, um blockierte Tanker im Rahmen der Mission "Project Freedom" durch die Meerenge zu eskortieren. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf erklärte, die Sicherheit der Schifffahrt und des Energietransits sei durch Verstöße der USA gegen die seit vier Wochen geltende Waffenruhe bedroht.
BITCOIN ÜBER 81.000 DOLLAR
Sorgen über mögliche Engpässe trieben die Ölpreise am Montag um rund drei und fünf Prozent nach oben. Am Dienstag gaben die Preise um 1,5 und 2,5 Prozent nach. "Dass das von Maersk betriebene Schiff erfolgreich unter Eskorte auslaufen konnte, hat die unmittelbaren Sorgen vor Lieferkettenstörungen gedämpft", sagte Tim Waterer, Chefanalyst bei KCM Trade. Dies zeige, dass sichere Durchfahrten durch die Straße von Hormus in begrenztem Umfang möglich seien. Allerdings sei es nach wie vor ein einmaliges Ereignis und keine vollständige Wiederöffnung, fügte er hinzu.
Deutsche Unternehmen spüren die Folgen des Iran-Krieges vor allem bei ihren Aktivitäten im Nahen Osten. "Die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung hat sich zerschlagen", sagte der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier, unter Verweis auf eine neue Umfrage. Am stärksten betroffen sind deutsche Unternehmen, die in der Golfregion aktiv sind. Hier sei die Bewertung der aktuellen Geschäftslage regelrecht eingebrochen.
Trotz der Spannungen im Nahen Osten griffen Anleger erneut beim Bitcoin zu. Die umsatzstärkste Kryptowährung verteuerte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 81.272 Dollar. Im vergangenen Monat hat sie um rund 20 Prozent zugelegt. "Die aktuelle Bewegung wird vor allem durch ein gestiegenes institutionelles Interesse, Zuflüsse in Bitcoin-ETFs sowie marktmechanische Effekte getragen, nicht primär durch kurzfristige Spekulation", erläuterte Timo Emden vom Analysehaus Emden Research.
(Bericht von Sanne Schimanski, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















