Solide Ergebnisse, aber erste Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung

Im dritten Quartal erzielte Sprouts einen Gewinn je Aktie (EPS) von 1,22 US-Dollar – ein Anstieg von 34 % im Vergleich zum Vorjahr und über den Erwartungen des FactSet-Konsenses (1,17 US-Dollar). Der Umsatz stieg um 13 % auf 2,20 Milliarden US-Dollar, verfehlte damit aber leicht die Analystenschätzungen von 2,23 Milliarden US-Dollar.

Die Bruttomarge verbesserte sich um 60 Basispunkte auf 38,7 %, gestützt durch eine effizientere Lagerhaltung und geringere Verluste durch Schwund („shrink“). Die Kundenfrequenz blieb positiv, und die flächenbereinigten Umsätze legten um 5,9 % zu – ein Zeichen für die nach wie vor solide Entwicklung der bestehenden Filialen.

Gleichwohl räumte das Management ein, man habe „die Schwierigkeit der Vergleichsbasis“ zum Vorjahr unterschätzt – einem Jahr, das von außergewöhnlichen Zugewinnen und einer großen Zahl an Neukunden geprägt war. Mit anderen Worten: Das Umsatzwachstum verliert an Tempo, was auf ein Ende der Phase rascher Expansion hindeutet.

Chart Sprouts Farmers Market, Inc.

Verhaltene Ausblicke sorgen für Kurssturz

Was die Aktie jedoch endgültig abstürzen ließ, waren die neuen Prognosen für das vierte Quartal sowie das Gesamtjahr 2025. Für das laufende Quartal erwartet Sprouts nun einen Gewinn je Aktie zwischen 0,86 und 0,90 US-Dollar – deutlich unter den 0,98 US-Dollar, die der Markt bislang erwartet hatte. Für das gesamte Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen mit einem EPS von 5,24 bis 5,28 US-Dollar, was unter dem Konsens von 5,31 US-Dollar liegt.

Die flächenbereinigten Umsätze dürften im Schlussquartal nur noch um 0 bis 2 % zulegen – auf Jahressicht wären es rund 7 %. Das bedeutet einen spürbaren Rückgang gegenüber den zweistelligen Wachstumsraten aus dem Jahr 2024.

Finanzchef Curtis Valentine gestand ein, dass die Umsätze „schneller als erwartet an Dynamik verloren“ hätten – insbesondere in Regionen mit mittlerem Einkommen sowie bei jüngeren Konsumenten, zwei besonders konjunktursensiblen Kundensegmenten. CEO Jack Sinclair ergänzte, dass „der Verbraucher Anzeichen von Schwäche zeigt“, solange sich das Wettbewerbsumfeld nicht grundlegend verändert – was das Unternehmen dazu zwinge, seine kurzfristigen Ziele neu zu bewerten.

Strategie bleibt intakt, wird aber vom Zyklus gebremst

Trotz der gedämpften Erwartungen hält Sprouts an seiner langfristigen Strategie fest: geografische Expansion (37 neue Standorte sind für 2025 geplant), Ausbau der Eigenmarken (diese stehen bereits für 25 % des Umsatzes) sowie Investitionen in personalisierte Kundenansprache über das nationale Treueprogramm „Sprouts Rewards“.

Auch die Umstellung auf eine Eigenlogistik in den Fleisch- und Fischabteilungen schreitet voran – ein Projekt, das bis 2026 abgeschlossen sein soll und darauf abzielt, die Lieferkette besser zu kontrollieren. Diese Initiativen dürften mittelfristig die Margen stützen und das Profil der Kette weiter schärfen.

Kurzfristig jedoch binden diese Projekte Kapital und treffen auf ein Umfeld, in dem sich das Konsumverhalten nach pandemie- und inflationsbedingten Sondereffekten wieder normalisiert. Die EPS-Dynamik dürfte daher vorübergehend unter Druck geraten – sowohl wegen der anspruchsvollen Vergleichsbasis als auch wegen der Anlaufkosten für das Treueprogramm.

Übertriebene Reaktion der Börse?

Trotz der scharfen Kursreaktion halten mehrere Analysehäuser die Investmentthese für unverändert intakt. Das Geschäftsmodell von Sprouts – kleinere Märkte, ein klar positioniertes Angebot, Gesundheitsfokus – bleibt strukturell rentabler als der Branchendurchschnitt. Das Unternehmen verfügt über eine solide Bilanz und hat ein neues Aktienrückkaufprogramm im Umfang von einer Milliarde US-Dollar angekündigt – ohne festgelegtes Enddatum.

Kurzum: Die fundamentalen Stärken bleiben bestehen. Sprouts ist gut aufgestellt, um von der langfristigen Bewegung hin zu gesünderer Ernährung zu profitieren. Doch der Markt verlangt nun Beweise, dass dieses Wachstum auch in einem Umfeld durchhaltbar ist, in dem der US-Verbraucher – müde von Inflation und Kaufkraftverlust – seine Ausgaben bewusster priorisiert.

Die Veröffentlichung zeigt ein typisches Paradox an der Wall Street: Gute Zahlen können zu Kursverlusten führen, wenn sie als Wendepunkt interpretiert werden. Sprouts Farmers Market ist nach wie vor ein Wachstumsunternehmen – aber das vorsichtige Wording des Managements erinnerte daran, dass selbst die Vorreiter gesunder Ernährung nicht immun gegen Konjunkturzyklen sind.