Der heutige Freitag steht ganz im Zeichen des lang erwarteten Börsengangs von SpaceX. Der Raumfahrtkonzern, der inzwischen mit 1.750 bis 1.800 Mrd. US-Dollar bewertet wird, vollzieht die größte Börseneinführung aller Zeiten. Die Transaktion erfolgt in einem Umfeld, in dem der IPO-Markt zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen hat. In den vergangenen Monaten wagten bereits Unternehmen wie Cerebras Systems, Figma oder Firefly Aerospace den Schritt aufs Parkett. Anleger verfolgen die Emission besonders aufmerksam, da weitere Schwergewichte der Technologiebranche wie OpenAI oder Anthropic bereits vertrauliche Börsenunterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht haben.
Zum Ausgabepreis von 135 US-Dollar je Aktie an die Börse gebracht, wird die SpaceX-Aktie inzwischen bereits zu mehr als 160 US-Dollar gehandelt. Das entspricht einem Kursanstieg von über 20 % und verdeutlicht die enorme Nachfrage der Investoren.
Ein Konzern mit vielen Gesichtern
Die enorme Aufmerksamkeit für diesen Börsengang erklärt sich nicht nur durch seine Größenordnung, sondern auch durch die Schwierigkeit, ein Unternehmen zu analysieren, dessen Struktur inzwischen außergewöhnlich komplex geworden ist.
Historisch basiert SpaceX auf seinem Raumfahrtgeschäft, das insbesondere von den wiederverwendbaren Falcon-9-Raketen und dem Starship-Programm getragen wird. Letzteres soll langfristig den Weg für bemannte Missionen zum Mars ebnen.
Hinzu kommt Starlink, das inzwischen die weltweit größte Infrastruktur für Satelliten im niedrigen Erdorbit betreibt. Der Dienst verändert die Telekommunikationsbranche grundlegend, indem er Internetzugang nahezu überall auf der Welt ermöglicht.
Die Gleichung hat sich jedoch mit der jüngsten Fusion von SpaceX und xAI grundlegend verändert. Die neue Sparte umfasst die KI-Modelle Grok, die Colossus-Rechenzentren sowie das soziale Netzwerk X, früher bekannt als Twitter. Zudem spielt sie eine zentrale Rolle im Projekt Terafab, das den Bau der weltweit größten Halbleiterfabrik vorsieht. Das Produktionsziel liegt bei bis zu einer Mio. Wafern pro Monat. Das Vorhaben umfasst außerdem die Entwicklung und Fertigung von Chips für Rechenzentren, Tesla-Fahrzeuge und die Raumfahrtinfrastruktur von SpaceX.
Damit vereint der Konzern heute drei Geschäftsbereiche mit völlig unterschiedlichen Reifegraden, Risikoprofilen und Wachstumsperspektiven. Dies wird auch im Börsenprospekt deutlich. SpaceX beziffert den adressierbaren Gesamtmarkt seines Raumfahrtgeschäfts auf 370 Mrd. US-Dollar, den Markt für Konnektivität auf 1.600 Mrd. US-Dollar und den Markt für künstliche Intelligenz auf 26.500 Mrd. US-Dollar. Insgesamt sieht das Unternehmen somit ein potenzielles Marktvolumen von rund 28.500 Mrd. US-Dollar – nahezu so viel wie die jährliche Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten.
Ein wirtschaftliches Gleichgewicht auf wackligem Fundament
Das Interesse der Anleger erklärt sich insbesondere durch die dominierende Stellung von SpaceX in der Raumfahrtindustrie. Das Unternehmen verantwortet inzwischen rund 80 % aller weltweit durchgeführten Satellitenstarts.
Die finanzielle Analyse des Konzerns bleibt jedoch anspruchsvoll. Rund 90 % des von SpaceX ausgewiesenen adressierbaren Marktes entfallen inzwischen auf die xAI-Sparte – ein Geschäftsbereich, der vor weniger als sechs Monaten noch gar nicht Teil des Konzerns war. Im ersten Quartal 2026 verzeichnete diese Einheit einen Nettoverlust von 4,3 Mrd. US-Dollar.
Gleichzeitig verschlingt das Raumfahrtgeschäft weiterhin erhebliche Forschungs- und Entwicklungsausgaben. Von diesen Investitionen profitiert allerdings auch Starlink, das dank der konzerninternen Startkapazitäten seine Satellitenflotte schneller ausbauen und zugleich die Kosten kontrollieren kann.
Starlink gilt derzeit als finanziell stärkste Sparte des Konzerns. Die Satellitenkonstellation erzielte 2025 einen Umsatz von 11,4 Mrd. US-Dollar und ist aktuell die einzige profitable Aktivität innerhalb der Gruppe. Mit einem Anstieg der Abonnentenzahl um 105 % binnen eines Jahres und einer operativen Marge von rund 30 % stellt Starlink einen strategisch besonders wertvollen Vermögenswert dar.
Mehrere Analysten, darunter Morningstar, bezeichnen Starlink daher als „den wichtigsten Cashflow-Motor und die zentrale interne Finanzierungsquelle für die ambitionierten Projekte, die das Unternehmen mittelfristig verfolgt“.
Eine Emission, die bereits ein voller Erfolg ist
Mit dem Börsengang will SpaceX insgesamt 75 Mrd. US-Dollar einwerben, um die künftigen Investitionen im Bereich künstliche Intelligenz zu finanzieren.
Dieses Ziel scheint bereits gesichert. Medienberichten zufolge überstieg die Nachfrage der Investoren bereits vor Handelsbeginn 150 Mrd. US-Dollar.
Letztlich verdeutlicht der Börsengang von SpaceX exemplarisch die aktuelle Denkweise der Kapitalmärkte gegenüber Technologieunternehmen. Investoren bewerten längst nicht mehr ausschließlich profitable Geschäftsmodelle, sondern zunehmend Ökosysteme, die mehrere Branchen gleichzeitig dominieren können.
Zwischen Raumfahrt, globaler Konnektivität und künstlicher Intelligenz verkauft SpaceX vor allem eine Vision nahezu grenzenlosen Wachstums. Ob sich diese außergewöhnlichen Ambitionen jedoch in Geschäftszahlen niederschlagen lassen, die einer bereits heute astronomischen Bewertung gerecht werden, muss sich erst noch zeigen.





















