München, 07. Mai (Reuters) - Der Medizintechnik-Konzern Siemens Healthineers geht den nächsten Schritt zu einem möglichen Verkauf seiner Labor-Sparte, die stark unter den Umwälzungen im chinesischen Gesundheitssektor leidet. Das Diagnostics-Geschäft mit Labor-Straßen und den zugehörigen Reagenzien, das operativ bereits eigenständig agiere, solle nun eigene rechtliche Strukturen bekommen, sagte Vorstandschef Bernd Montag am Donnerstag in Erlangen. Das werde einige Monate dauern. Montag hatte bereits mehrfach erklärt, die Sparte habe wenig Synergien mit dem Kerngeschäft mit MRTs, Röntgengeräten und Operationsrobotern.
Man halte sich aber alle Optionen offen, betonte Finanzvorstand Jochen Schmitz. Es kämen "alle Formen der Weitergabe des Geschäfts, aber auch eine Fortführung" in Frage. Vor allem Finanzinvestoren hätten schon Interesse an der Sparte angemeldet. Gespräche gebe es aber nicht. "Der Ansatzpunkt kommt nicht von uns, sondern von der anderen Seite", sagte Schmitz.
Die Probleme mit der Diagnostik-Sparte in China ziehen im laufenden Geschäftsjahr den ganzen Konzern nach unten. Montag sprach von einem "perfekten Sturm", der das Geschäft dort im zweiten Quartal (Januar bis März) getroffen habe. Die Regierung in Peking arbeitet seit Jahren am Umbau des Gesundheitswesens, um Korruption einzudämmen und die Kosten zu dämpfen. Dazu gehört der zentrale Einkauf. Der Labor-Markt habe sich binnen eines Jahres praktisch halbiert, sagte der Vorstandschef.
"Der Effekt ist noch drastischer als wir zu Jahresbeginn erwartet hatten", räumte Montag ein. Diagnostics sei von den Reformen später getroffen worden als die übrigen Sparten, die das Gröbste hinter sich hätten und sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert hätten. Das werde dazu führen, dass der Umsatz der Sparte weltweit im laufenden Geschäftsjahr um bis zu fünf Prozent schrumpfen werde und die operative Rendite (Ebitda-Marge) um rund fünf Prozentpunkte niedriger ausfallen werde als die 2024/25 erreichten 7,7 Prozent. Im zweiten Quartal blieb kaum noch Gewinn übrig. "Aber wir werden durch das Rebasing des chinesischen Marktes durchkommen", sagte Montag.
AUCH INFLATION IN DEN LIEFERKETTEN BELASTET
Wegen der Probleme der Labor-Sparte kappte die Siemens-Tochter auch die Gewinn- und Umsatzerwartungen für 2025/26 (per Ende September): Der Umsatz werde auf vergleichbarer Basis nur noch um 4,5 bis 5,0 Prozent wachsen, bisher hatte Siemens Healthineers mit fünf bis sechs Prozent Zuwachs gerechnet. Der bereinigte Gewinn je Aktie werde maximal bei 2,30 Euro liegen, bisher hatte der Vorstand 2,20 bis 2,40 (Vorjahr: 2,39) Euro in Aussicht gestellt. Ein weiterer Grund sei die Verteuerung bei Speicherchips und Rohstoffen sowie die steigenden Lieferkosten angesichts des Iran-Kriegs, die das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) im zweiten Halbjahr mit einem mittleren bis hohen zweistelligen Millionenbetrag belasten werde.
Im zweiten Quartal verfehlte Siemens Healthineers die Erwartungen der Analysten. "Obwohl das Umfeld schwierig bleibt, ist unser synergetischer Kern aus Imaging und Precision Therapy weiter mit gutem Momentum auf Kurs", sagte Montag. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Zinsen fiel um 15 Prozent auf 836 Millionen Euro, stärker als von Analysten erwartet. Der Umsatz stieg vergleichbar nur um 3,1 Prozent auf 5,68 Milliarden Euro. Das drückte die Aktie um 3,8 Prozent auf 34,27 Euro.
Der Münchner Mutterkonzern Siemens hatte kürzlich angekündigt, erst auf der Hauptversammlung 2027 über die Abgabe von 30 Prozent der Siemens-Healthineers-Aktien an die eigenen Anteilseigner abstimmen zu lassen. Bisher hält Siemens noch 67 Prozent. "Unsere Abspaltung von der Siemens AG wird damit zwar nicht so schnell vollzogen, wie mancher das vielleicht erhofft hatte", sagte Montag. "Aber mit dem kommunizierten Zeitplan wird die Entkonsolidierung insgesamt konkreter und greifbarer." Neun Jahre nach dem Börsengang werde Siemens Healthineers damit ganz eigenständig. Das Bankenkonsortium für die dann fällige Refinanzierung der Schulden stehe bereits.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















