Frankfurt, 21. Mai (Reuters) - Das Hin und Her bei den Friedensverhandlungen zwischen den USA und Iran hat am deutschen Aktienmarkt für einen nervösen Handel gesorgt. Der Dax schwankte am Donnerstag stark, gegen Mittag notierte er 0,2 Prozent schwächer bei 24.678 Punkte. Seit Wochenbeginn kommt er auf ein Plus von gut drei Prozent. Der EuroStoxx50 rückte um 0,4 Prozent vor. "Wie weit sich die USA und der Iran tatsächlich angenähert haben, kann von außen niemand nachvollziehen", sagte Thomas Altmann von QC Partners. Die Börsen hätten das Friedensszenario in den vergangenen Wochen bereits mehrmals eingepreist. "Bislang lagen sie jedes Mal daneben."
Der Iran prüft nach eigenen Angaben die jüngsten Vorschläge der USA zur Beendigung des Krieges. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump erklärt, er sei bereit, einige Tage auf die "richtigen Antworten" aus Teheran zu warten. Er drohte jedoch auch mit neuen Angriffen, sollte der Iran einem Abkommen nicht zustimmen. An den Ölmärkten waren die Anleger hin- und hergerissen: Das Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich in der Spitze zunächst um fast zwei Prozent auf 106,80 beziehungsweise 100,11 Dollar je Fass. Gegen Mittag rutschten die Preise dann aber um rund ein Prozent ab.
Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Michael Pfister dürften die Ölpreise - selbst im Fall eines baldigen Kriegsendes und einer Wiedereröffnung der Straße von Hormus - noch länger erhöht bleiben. "Viele Energieanlagen wurden beschädigt und die Lager einiger Staaten aus dem Nahen Osten sind seit Wochen voll, wodurch die Produktion gedrosselt werden musste", erklärte der Experte. "Es dürfte einige Zeit dauern, bis die Produktion wieder ihr Vorkriegsniveau erreicht."
WANN STEIGEN DIE ZINSEN?
Mit den hohen Energiepreisen blieben die Inflationssorgen und damit auch die Erwartungen steigender Zinsen im Fokus der Anleger. Die Europäische Zentralbank(EZB) wird Insidern zufolge wohl im Juni die Zinsen anheben, sich jedoch mit Blick auf weitere Schritte im Juli bedeckt halten. Auch bei der US-Notenbank Fed waren die Vorbereitungen auf mögliche Zinserhöhungen zuletzt ein Thema, wie aus dem Protokoll der Zinssitzung Ende April hervorgeht. Der Dollar-Index rückte nach seinen jüngsten Verlusten um 0,3 Prozent auf 99,36 Punkte vor. Die Gemeinschaftswährung trat bei 1,1627 Dollar auf der Stelle. Die Euro-Investoren mussten schlechte Nachrichten von der Konjunkturfront verdauen, da sich die vom Nahost-Krieg ausgelöste Talfahrt der Wirtschaft der Euro-Zone im Mai beschleunigt hat. Die EU-Kommission senkte zudem ihre Wachstumserwartungen für die europäische Wirtschaft. Sie dürfte demnach dieses Jahr nur um 1,1 Prozent zulegen, nachdem es 2025 noch 1,5 Prozent waren. "Der Iran-Konflikt wird zu einer schwerwiegenden konjunkturellen Belastung", sagte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank.
NVIDIA-AKTIE KOMMT KAUM VOM FLECK
Auf der Unternehmensseite sorgten die Zahlen von Nvidia für etwas Auftrieb. Im Dax gehörten Infineon mit einem Plus von 2,6 Prozent zu den stärksten Werten, Aixtron legten im MDax 1,4 Prozent zu. Der europäische Branchenindex gewann in der Spitze 0,8 Prozent. Auch in Asien griffen Anleger bei Chipwerten zu. Der wachsende Bedarf an Hochleistungsprozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) hat Nvidia zu einem erneuten Wachstumsschub verholfen. Im frühbörslichen US-Handel bewegt sich die Aktie jedoch kaum vom Fleck. Bedenken hinsichtlich der Nachhaltigkeit von Nvidias rasantem Wachstum bremsten die Papiere aus, sagte Dan Coatsworth von AJ Bell.
Zu den größten Verlierern im Dax zählten die Aktien von Brenntag und der Commerzbank, die beide mit Dividendenabschlag gehandelt wurden. Sie gaben jeweils gut zwei Prozent nach. An der Mailänder Börse rückten die Titel des größten italienischen Versicherers Generali um 2,2 Prozent vor. Das Unternehmen hat die Erwartungen bei den Ergebnissen für das erste Quartal übertroffen.
(Bericht von: Daniela Pegna. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















