Die Geldpolitiker der Schweizerischen Nationalbank erwarten, dass die Inflation allmählich wieder anzieht, wie aus dem Protokoll ihrer jüngsten Zinssitzung am Donnerstag hervorgeht. Dies wird es der SNB ermöglichen, auf Zinssenkungen oder -erhöhungen zu verzichten.

Die SNB beließ ihren Leitzins am 11. Dezember wie erwartet unverändert bei 0% und hält damit weiterhin den niedrigsten Zinssatz unter den großen Zentralbanken der Welt aufrecht.

Die Zentralbank erklärte, dass die Inflation zwar gesunken sei, ihre Prognosen für die längere Frist jedoch im Einklang mit ihrem Ziel von 0-2% stehen, das sie als Preisstabilität bezeichnet.

Im Dezember veröffentlichte die SNB eine Prognose, wonach die Inflation im Jahr 2026 durchschnittlich 0,3% und im Jahr 2027 0,6% betragen werde. Das Bundesamt für Statistik meldete am Donnerstag, dass die Preise im Dezember um 0,1% gestiegen seien.

"Nachdem die Inflation in den vergangenen Monaten etwas zurückgegangen ist, wird sie im Verlauf des Prognosezeitraums voraussichtlich wieder ansteigen und damit weiterhin im Bereich der Preisstabilität bleiben", heißt es im Protokoll der SNB-Entscheidung vom Dezember.

"Angesichts der dargestellten Aussichten bezüglich Inflation und Wirtschaft hat der Direktoriumsrat festgestellt, dass die geldpolitischen Bedingungen derzeit angemessen sind."

SNB SAH KEINEN GRUND FÜR ZINSANPASSUNGEN

In dieser Situation erschien es der SNB weder angebracht, die Zinsen zu erhöhen noch zu senken.

Es ist erst das zweite Mal, dass die Zentralbank das Protokoll ihres Entscheidungsprozesses veröffentlicht hat, nach der ersten Publikation im Oktober.

Karsten Junius, Ökonom bei J.Safra Sarasin, sagte, das Protokoll zeige, dass die SNB keine klare Tendenz hinsichtlich der Zinsrichtung habe.

"Indem sie ihre neutrale Haltung betonen, denke ich, dass dies darauf hindeutet, dass die SNB auf absehbare Zeit sowohl Zinssenkungen als auch -erhöhungen vermeiden wird", sagte Junius, der für die nächsten 18 Monate keine Änderungen erwartet.

Die SNB wies zudem darauf hin, dass sich die Wirtschaftsaussichten leicht verbessert haben, da die US-Zölle auf Schweizer Waren von 39% auf 15% gesenkt wurden.

Im Jahr 2025 kam es zu Schwankungen beim Wirtschaftswachstum, da Schweizer Unternehmen versuchten, die USA noch vor Inkrafttreten der Zölle zu beliefern, was das BIP im dritten Quartal ins Minus drückte.

"Diese Ausgleichsmaßnahmen dürften nun abgeschlossen sein", erklärte die SNB.