Zürich/Bern, 11. Dez (Reuters) - Die Schweizerische Nationalbank (SNB) verzichtet trotz der niedrigen Inflation und der schwächelnden heimischen Wirtschaft wie erwartet auf eine weitere geldpolitische Lockerung.
Der SNB-Leitzins bleibe unverändert bei null Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag mit. Dies ist das tiefste Niveau aller größeren Währungsräume. "Unsere Geldpolitik trägt dazu bei, dass die Inflation in den nächsten Quartalen langsam ansteigen dürfte", erklärte SNB-Präsident Martin Schlegel auf einer Pressekonferenz. Gleichzeitig stimuliere das aktuelle Zinsniveau die Schweizer Wirtschaft. Die Notenbank werde die Lage aber weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen, um die Preisstabilität sicherzustellen.
Ökonomen rechnen mehrheitlich damit, dass die Zinsen in der Schweiz auch in einem Jahr stabil bleiben. "Insgesamt sind die Äußerungen der SNB eher falkenhaft ausgefallen. Leitzinssenkungen stehen vorerst offenbar nicht auf der Tagesordnung", erklärte Banleon-Volkswirt Daniel Hartmann. Ähnlich äußerte sich Thomas Gitzel von der VP Bank. Die SNB dürfte ihren Leitzins über einen längeren Zeitraum bei null Prozent belassen. "Nur wenn die SNB mit dem Rücken zur Wand stehen würde, weil sich etwa nachhaltig negative Inflationsraten abzeichnen, käme eine Reduktion des Schlüsselzinses in den negativen Bereich in Betracht. Bleibt dies aus, geht der nächste Zinsschritt nach oben und nicht nach unten."
Die jährliche Inflationsrate sank im November auf null Prozent und lag damit am unteren Ende des SNB-Zielkorridors von null bis zwei Prozent. Die Inflation sei in den vergangenen Monaten zwar leicht tiefer ausgefallen als erwartet, sagte Schlegel. In der mittleren Frist ist der Inflationsdruck gegenüber der letzten Lagebeurteilung im September aber praktisch unverändert. Für das laufende Jahr rechnet die SNB weiter mit einer Teuerung von 0,2 Prozent. Im kommenden Jahr werden neu 0,3 (bisher: 0,5) Prozent erwartet und für 2027 neu 0,6 (0,7) Prozent.
Die SNB begründete ihre Entscheidung auch mit den leicht aufgehellten Aussichten für die Schweizer Wirtschaft. Im dritten Quartal schrumpfte die Wirtschaftsleistung zwar um 0,5 Prozent. Hintergrund war dabei auch der Zollstreit mit den USA. Doch im November erzielte die Schweiz eine Einigung, die den Druck auf die Exportwirtschaft mindern dürfte. Die USA hatten die zusätzlichen US-Zölle auf Schweizer Waren auf 15 Prozent von den ursprünglich verhängten 39 Prozent gesenkt. Die tieferen Zölle trügen dazu bei, dass die Unternehmen einfacher in die USA exportieren könnten und sie gegenüber ihren Konkurrenten in der Eurozone keine Wettbewerbsnachteile hätten. "Der zweite Effekt ist sicherlich auch, dass die Unsicherheit insgesamt geringer ist, da wir nun dieses Handelsabkommen mit den USA haben, und eine geringere Unsicherheit hilft im Allgemeinen auch der Wirtschaft", erklärte Schlegel.
Das dreiköpfige SNB-Direktorium entscheidet in der Regel viermal jährlich gegen Ende des Quartals über die Zinsen: Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung ist für den 19. März anberaumt.
Auch für die Eurozone rechnen Volkswirte vorerst mit stabilen Zinsen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bekräftigte am Mittwoch, die Geldpolitik sei "gut aufgestellt". Anders die Fed: Am Vortag hatte die US-Notenbank ihren Leitzins trotz fehlender Konjunkturdaten zum dritten Mal in Folge gesenkt. Er wurde erneut um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent heruntergesetzt. Die Notenbank signalisierte nun eine Pause ihres Lockerungskurses, da klarere Signale vom Arbeitsmarkt abgewartet werden müssten und die Inflation "etwas erhöht" bleibe.
(Bericht von Oliver Hirt und John Revill, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















