München, 26. Mrz (Reuters) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler muss eine hohe Geldbuße zahlen, weil er vor zwei Jahren seine unerwartet guten Quartalszahlen nach Ansicht der Finanzaufsicht BaFin zu spät gemeldet hat. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verhängte ein Bußgeld von 180.000 Euro gegen das Unternehmen aus Herzogenaurach, wie sie am Donnerstag mitteilte. Die Zahlen für das erste Quartal 2024 seien deutlich von der Markterwartung abgewichen, das sei aber nicht wie vorgeschrieben "unverzüglich als Insiderinformation transparent" gemacht worden, hieß es zur Begründung.

Die Aktie von Schaeffler war am Tag der Veröffentlichung um mehr als 13 Prozent nach oben geschossen. Der Umsatz des Konzerns war in den ersten drei Monaten 2024 leicht gesunken, das Betriebsergebnis (Ebit) vor Sondereffekten fiel um vier Prozent auf 322 Millionen Euro.

Schaeffler bleibt bei seiner Meinung, dass die Zahlen nicht hätten vorab "ad-hoc" gemeldet werden müssen: "Über die Frage, ob eine Insiderinformation vorlag oder nicht, bestehen zwischen der BaFin und der Schaeffler AG unterschiedliche Auffassungen", erklärte ein Sprecher. Man habe aber die Entscheidung der BaFin "zur Kenntnis genommen und sie akzeptiert".

Geldbußen wegen Verstößen gegen die Ad-hoc-Pflichten sind in Deutschland bisher selten, auch weil die Kursentwicklung oft unberechenbar ist. Unternehmen müssen nach der Marktmissbrauchsverordnung (MAR) der EU über Tatsachen, die den Aktienkurs maßgeblich beeinflussen können, sofort berichten und dürfen nicht auf den regulären Veröffentlichungstermin etwa für Quartalsberichte warten. Um die Markterwartungen einschätzen zu können, ermitteln viele Firmen im Vorfeld die Schätzungen der Analysten für ihre Geschäftszahlen.

(Bericht von Alexander Hübner. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)