Das Unternehmen kombiniert zwei Geschäftsmodelle. Zum einen schlüsselfertige Projekte, bei denen SBM die Einheit entwickelt und liefert. Zum anderen – und deutlich attraktiver – das Vermietungs- und Betriebsmodell. Dabei finanziert, besitzt und betreibt SBM die Anlagen selbst und vermietet sie langfristig an Kunden wie ExxonMobil, TotalEnergies oder Petrobras. Genau hier liegt der Reiz der Aktie: Verträge mit Laufzeiten von 10 bis 20 Jahren, gut planbare Cashflows und ein Geschäftsmodell, das eher an Infrastrukturkonzessionen erinnert.
Eine Industriemaschine auf dem Höhepunkt des Zyklus
Die Zahlen sprechen eine selten klare Sprache. 2024 erzielte SBM Offshore einen Umsatz von 6,111 Mrd. US-Dollar – ein Plus von 35 %. Das EBITDA stieg um 44 % auf 1,896 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn sprang um 73 % auf 907 Mio. US-Dollar. Für 2025 weist der Konzern einen Umsatz von 5,06 Mrd. US-Dollar aus. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 31,1 Mrd. US-Dollar – eine außergewöhnliche Visibilität in einer zyklischen Branche.
2026 beschleunigte sich das Wachstum weiter. Im ersten Quartal legte der sogenannte Directional Revenue um 216 % auf 3,489 Mrd. US-Dollar zu, getragen von der Turnkey-Sparte, deren Erlöse um 359 % auf 2,879 Mrd. US-Dollar stiegen. Das Unternehmen hob sein Jahresziel für die Directional Revenues auf mehr als 6,9 Mrd. US-Dollar an, nach zuvor rund 6,5 Mrd. US-Dollar. Gleichzeitig bestätigte SBM sein EBITDA-Ziel von rund 1,8 Mrd. US-Dollar. Die bereinigte Nettoverschuldung sank im Jahresvergleich um 43 % auf 3,2 Mrd. US-Dollar.
Fast4Ward: Die Waffe der industriellen Standardisierung
In einer Branche, die lange stark projektgetrieben war, hat SBM seinen Vorsprung mit dem Programm Fast4Ward industrialisiert. Standardisierte Schiffsrümpfe, vorpositionierte Schlüsselkomponenten und besser integrierte Module ermöglichen eine Verkürzung der Lieferzeiten für FPSOs um sechs bis zwölf Monate. Der Konzern hat inzwischen sogar zwei zusätzliche Schiffsrümpfe bestellt – ein Zeichen für die weiterhin robuste Nachfrage.
Besonders deutlich wird dieser Vorsprung in Guyana. Nach den Projekten Liza Destiny, Liza Unity, Prosperity, ONE GUYANA und Jaguar erhielt SBM neue FEED-Aufträge von ExxonMobil Guyana für das Projekt Longtail. Die geplante Einheit soll täglich 250.000 Barrel Kondensat fördern, 1,2 Mrd. Kubikfuß Gas verarbeiten und rund 2 Mio. Barrel speichern können.
Eine Aktie, die der Markt noch nicht vollständig versteht
SBM bewegt indirekt rund 2,7 Mio. Barrel pro Tag – ein Volumen, das mit einem Konzern wie TotalEnergies vergleichbar ist, allerdings mit einem völlig anderen Risikoprofil. Das Unternehmen verkauft nicht das Barrel Öl, sondern das unverzichtbare Werkzeug zu dessen Förderung.
Auch die Aktionärsvergütung macht den Titel attraktiv. Höhere Dividenden, ein Aktienrückkaufprogramm über 150 Mio. US-Dollar sowie ein Kapitalrückführungsplan über 2,1 Mrd. US-Dollar innerhalb von sechs Jahren – mit laut Management weiterem Aufwärtspotenzial – zeigen, dass SBM seine Aktionäre bereits heute entlohnt und zugleich die nächste Wachstumsphase vorbereitet.
Risiken gibt es dennoch: die Abhängigkeit von Brasilien, Petrobras und ExxonMobil sowie die Komplexität von Joint Ventures. Doch diese Risiken werden durch langfristige Verträge, ein vorsichtiges Währungs- und Zinsmanagement sowie eine seltene technische Expertise abgefedert. Inmitten eines Offshore-Zyklus, der noch mehrere Jahre andauern könnte, wirkt SBM Offshore weniger wie ein klassischer Ölwert als vielmehr wie eine globale Industriekonzession – unterschätzt, weil das Unternehmen fernab der Küsten und fernab des Rampenlichts arbeitet.




















