Der Ölmarkt des Jahres 2025 glich einem chaotischen Reise nach Jerusalem.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) schalteten die USA, Guyana und Brasilien einen Gang höher und warfen zusätzliche 1,4 bis 1,8 Millionen Barrel pro Tag auf den Markt. Unterdessen entzog sich China dem globalen Nachfragewachstum, das es historisch vorangetrieben hatte – eine Folge der stagnierenden Wirtschaft und eines Anstiegs der Elektrofahrzeugverkäufe um 35%.
Geopolitische Spannungen im Nahen Osten ließen die Preise kurzzeitig in Richtung der Marke von 120 US-Dollar schnellen. Doch die Anleger blieben laut IEA pessimistisch, da sie ein massives Überangebot und die Freigabe von G7-Reserven fürchteten.
Dies bescherte einem Titanen wie Saudi Aramco eine ernüchternde Bilanz. Trotz der offiziellen Rhetorik von einer "Rekordnachfrage" lag die Realität in einem Rückgang der Einnahmen pro Barrel um 14% – von komfortablen 80,20 USD auf 69,20 USD, wie aus dem Aramco-Geschäftsbericht 2025 hervorgeht. Das Unternehmen entscheidet sich nun für eine Neuausrichtung, indem es diese Milliarden in einen massiven strategischen Wandel investiert.
Aramco setzt massiv auf Gas und Technologie, während das Kerngeschäft mit Öl "schlank und effizient" gehalten wird. Für das Jahr 2026 wurde ein Budget von 50 bis 55 Milliarden USD bereitgestellt, um dieses Ziel zu erreichen. Ein wesentliches Vorhaben ist die Steigerung der Gasproduktion um 80% bis 2030 im Vergleich zu 2021. Zudem setzt das Unternehmen verstärkt auf KI; für 2026 werden die Bemühungen verdoppelt, wobei sogar eine Minderheitsbeteiligung an der KI-Firma HUMAIN angestrebt wird, um die Dynamik beizubehalten.
Durststrecke
Das gesamte Kohlenwasserstoff-Produktionsvolumen von Aramco blieb mit 12,9 mmboed (Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag) im Vergleich zu 12,4 mmboed im Geschäftsjahr 2024 weitgehend stabil. Flüssigbrennstoffe trugen wesentlich zu diesem Wachstum bei und stiegen von 10,3 mmbpd im Vorjahr auf 10,7 mmbpd. Die Gasproduktion kletterte um 5,5% auf 11,4 bscfd (Milliarden Standardkubikfuß pro Tag) gegenüber zuvor 10,8 bscfd.
Es überrascht nicht, dass die Performance von Aramco im Jahr 2025 gemischt ausfiel, vor allem weil der Markt dem Unternehmen keine Schützenhilfe leistete. Der Umsatz sank um 7,2% auf 1,67 Billionen SAR (445,7 Mrd. USD) nach 1,80 Billionen SAR (480,4 Mrd. USD) im Jahr 2024. Hauptverantwortlich war der Preisverfall bei Rohöl um 14%. Auch günstigere Raffinerie- und Chemieprodukte belasteten das Ergebnis.
Auf der Gewinnseite belief sich der Nettogewinn auf 350,2 Mrd. SAR (93,4 Mrd. USD), ein Rückgang gegenüber 398,4 Mrd. SAR (106,2 Mrd. USD) im Jahr 2024. Ein kleiner Lichtblick: Der freie Cashflow blieb mit 320,4 Mrd. SAR nahezu unverändert im Vergleich zu den 320 Mrd. SAR des Vorjahres.
Aufholjagd?
Die Aramco-Aktie hält sich stabil bei 26,9 SAR, was einem Plus von 0,86% im Jahresvergleich entspricht, und notiert knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 27,5 SAR. Mit einer Marktkapitalisierung von massiven 6,5 Billionen SAR (1,7 Billionen USD) bleibt das Unternehmen ein globales Schwergewicht.
Bewertungstechnisch ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für 2026 mit 17,6x etwas teurer als der Dreijahresdurchschnitt von 17,1x, aber die Dividendenpolitik bleibt attraktiv – die Renditen könnten 2026 bei 5,1% liegen und bis 2028 auf 5,6% steigen. Von 18 Analysten, die die Aktie beobachten, raten 8 zum "Kauf" und 10 zum "Halten", wobei das durchschnittliche Kursziel bei 28,4 SAR (7,58 USD) liegt. Dies entspricht einem Aufwärtspotenzial von 5,3% zum aktuellen Kurs, was darauf hindeutet, dass noch Spielraum nach oben besteht.
Realitätscheck
Eine Investition in Saudi Aramco ist mit Hürden verbunden. Das derzeit größte Problem ist die geopolitische Instabilität. Der anhaltende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran bereitet Saudi Aramco großes Kopfzerbrechen. Seit der Iran die Straße von Hormus blockiert hat, werden die saudi-arabischen Rohölexporte massiv behindert, was zu Produktionskürzungen in Millionenhöhe führt und das Unternehmen in eine schwierige Lage bringt. Iranische Angriffe auf die Raffinerie Ras Tanura und den Hafen von Yanbu haben zudem physische Schäden verursacht. Kurz gesagt: Dieser Krieg könnte das Ergebnis weiter belasten, weshalb eine abwartende Haltung ratsam bleibt.
Neben den physischen Risiken sorgt das Chaos in den Lieferketten für Probleme. Aufgrund der Spannungen in der Straße von Hormus sieht sich Aramco mit erheblichen Engpässen in der Schifffahrt konfrontiert, die teure Umleitungen erzwingen und die Exporte an Großabnehmer wie China beeinträchtigen. Hinzu kommen die Volatilität der Ölpreise und der langfristige Trend zu erneuerbaren Energien. Da die saudi-arabische Regierung die Fäden in der Hand hält, haben nationale und politische Ziele in der Regel Vorrang vor den Interessen der Aktionäre.





















