Zürich, 02. Mrz (Reuters) - Mit der Übernahme des Fintechs Saxo Bank stellt sich die Privatbankengruppe J. Safra Sarasin Group für tiefgreifende technologiegetriebene Verschiebungen im Vermögensverwaltungsgeschäft auf.
"Das Private Banking war bisher gewissermaßen abgeschirmt, aber wir glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es ebenfalls umgewälzt wird", sagte Firmenchef Daniel Belfer in einem am Montag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Zu einer Welle an Veränderungen dürfte es kommen, wenn die nächste, an digitale Dienstleistungen gewöhnte Generation die Vermögen ihrer Eltern übernehme. Um sich darauf vorzubereiten, seien Investitionen in Technologie unumgänglich. "Künstliche Intelligenz wird künftig allgegenwärtig sein."
Safra Sarasin hatte vor rund einem Jahr die Übernahme der 70-Prozent-Beteiligung von Geely und Mandatum an Saxo angekündigt, am Montag wurde die Transaktion abgeschlossen. Mit dem 1,1 Milliarden Euro schweren Deal stockt das im Besitz der als "Rothschild Brasiliens" geltenden Familie Safra nahestehende Institut seine Kundenvermögen auf über 460 Milliarden Dollar und die Mitarbeiterzahl auf rund 5000 auf. Während Safra Sarasin vor allem reiche Privatkunden betreut, ist Saxo mit einer fortschrittlichen Handelsplattform auf kleinere Privatkunden, aber auch auf professionelle Anleger ausgerichtet.
Für Safra Sarasin sei neben dem Kundenstamm die Technologiekompetenz einer der Hauptfaktoren, wieso Safra nach Saxo gegriffen habe, sagte Belfer. Das Geldhaus entstand aus der Übernahme des Basler Traditionsinstituts Sarasin durch die Bank J. Safra vor rund 15 Jahren. "Wir prüfen weiterhin auch traditionelle Akquisitionen. Aber die Technologie ist für uns ein wichtiger Faktor", sagte Belfer. Saxo verfüge über selbst entwickelte, hervorragende IT-Systeme, die sehr schnell an Marktverschiebungen und neue Kundenbedürfnisse angepasst werden könnten.
Mitte Februar gerieten Vermögensverwalter wie Raymond James oder Charles Schwab in den USA, St. James's Place in Großbritannien oder Julius Bär in der Schweiz an der Börse unter Druck, weil sich die Anleger sorgten, dass Künstliche Intelligenz (KI) einen Teil des Geschäfts übernehmen könnte. Auslöser war die Ankündigung des kalifornischen Start-ups Altruist, in seiner KI-gestützten Vermögensverwaltungs-Plattform ein Steuerplanungs-Modul aufzunehmen. Branchenvertreter halten allerdings dagegen, dass Technik insbesondere im Geschäft mit Reichen an Grenzen stößt, denn die meisten Kunden wollten ihre Finanzangelegenheiten mit einem Menschen und nicht mit einem KI-Chatbot besprechen. Belfer zufolge würden weiterhin Menschen benötigt, Kunden könnten durch KI aber deutlich detailliertere und maßgeschneiderte Informationen zu ihren Konten erhalten.
Die Investitionen in Technologie hätten in den vergangenen Jahren zu steigenden Kosten und zu sinkenden Gewinnspannen in der Branche geführt. Die Gewinnschwelle im Schweizer Private Banking habe sich gemessen an den verwalteten Vermögen dadurch nach oben verschoben. "Rund 20 Milliarden Dollar waren die Messlatte", erklärte Belfer. Durch die notwendigen Investitionen in Technologie steige dieser Wert jedoch "dramatisch" an.
(Bericht von Oliver Hirt, Ariane Lüthi und Paritosh Bansal, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



















