Frankfurt, 11. Mai (Reuters) - Nach dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Olaf Lies bringt auch der sächsische Wirtschaftsminister Dirk Panter chinesische Autobauer als Partner in der Produktion in VW-Werken ins Spiel. Dabei geht es Panter insbesondere um das Volkswagen-Werk in Zwickau. "Es ist besser, industrielle Kompetenz bei VW in Sachsen weiterzuentwickeln und die Produktion abzusichern, als auf verlorenem Posten zu kämpfen und Wertschöpfung zu verlieren", sagte der SPD-Politiker der "Bild" vom Montag. "Wir müssen mit der Zeit gehen. Deswegen: China ist eine Chance für Zwickau."

Panter reagiert damit auf die Ankündigung von VW-Konzernchef Oliver Blume, das Geschäftsmodell genau unter die Lupe zu nehmen und die Kapazitäten in den Werken in Europa erneut zu reduzieren. Um welche Fabriken es konkret geht, sagte Blume nicht. Allerdings steht das Elektro-Werk in Zwickau schon länger im Fokus. Dort werden derzeit ein Modell von Audi sowie der ID.3 und der Cupra Born gebaut. Geplant ist, in den kommenden Jahren eine Fertigungslinie abzubauen und das VW-Modell ins Stammwerk von Volkswagen nach Wolfsburg zu verlagern. Ende 2025 waren rund 8000 Menschen in dem Werk in Zwickau beschäftigt.

Auch Blume hatte sich offen dafür gezeigt, chinesische Autos bei Volkswagen vom Band laufen zu lassen. Panter sagte, eine Möglichkeit sei ein Joint Venture zwischen Volkswagen und einem chinesischen Hersteller. Diese könnten eine oder mehrere derzeit nicht ausgelastete Produktionslinien nutzen und Fahrzeuge in Sachsen fertigen. Voraussetzung seien klare europäische Regeln und Standards. "Unser Maßstab ist nicht Ideologie, sondern industrielle Zukunftsfähigkeit und sichere Arbeitsplätze bei VW in Sachsen", betonte Panter.

Volkswagen lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die IG Metall erklärte, ein Vorschlag zum Bau chinesischer Autos müsse sorgfältig und im Einzelfall bewertet werden. "Wir lehnen solche Überlegungen nicht pauschal ab", sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Entscheidend sei aber, dass sie eine eigenständige industrielle Strategie von Volkswagen ergänzen könnten - "nicht ablösen und auf keinen Fall vorgesehene Investitionen und Fahrzeugprojekte ersetzen dürfen". Zugleich brauche es auf europäischer Ebene verbindliche Local-Content-Regelungen. "Wer auf dem europäischen Markt verkaufen will, muss in großen Teilen auch hier produzieren", sagte der IG-Metall-Sprecher.

Volkswagen kämpft schon länger mit Problemen: Der Umstieg auf E-Autos läuft schleppend, chinesische Hersteller mischen den Markt in Europa auf und die US-Zollpolitik macht den Autobauern hierzulande das Leben schwer. Chinesische Hersteller wie BYD, Geely oder SAIC drängen mit Macht auf den europäischen Markt. Sie reagieren damit auf den harten Preiskampf in China und die massiven Überkapazitäten dort. Mehrere chinesische Hersteller suchen derzeit nach Werken in Europa, und auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte hier zuletzt VW-Werke ins Spiel gebracht. Bei Experten gilt der Schritt aber als riskant. Horst Schneider, Analyst bei der Bank of America, sprach von einem "Wolf im Schafspelz", den sich VW so möglicherweise hereinhole.

(Bericht von Christina Amann. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)