Moskau, 06. Mai (Reuters) - Angetrieben von steigenden Öleinnahmen infolge des Iran-Kriegs kauft Russland erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs wieder ausländische Währungen am Markt. Das Finanzministerium kündigte am Mittwoch an, vom 8. Mai bis zum 4. Juni Devisen im Wert von 110,3 Milliarden Rubel (etwa 1,25 Milliarden Euro) zu erwerben. Die Käufe, die hauptsächlich aus der chinesischen Währung Yuan bestehen, sollen in den Nationalen Wohlstandsfonds fließen. Dieser dient der Stabilisierung des Staatshaushalts. Der Schritt soll zudem eine übermäßige Aufwertung der Landeswährung Rubel verhindern.
Die Käufe basieren auf der russischen Haushaltsregel. Diese sieht vor, dass die Regierung zusätzliche Steuereinnahmen in Devisen anlegt, wenn der Ölpreis über einem bestimmten Schwellenwert liegt. Dieser beträgt derzeit 59 Dollar pro Barrel. Fällt der Preis darunter, werden Devisen aus dem Fonds verkauft, um Haushaltslöcher zu stopfen. Das Ministerium hatte diese Transaktionen im Februar jedoch ausgesetzt, um den Fonds angesichts niedriger Ölpreise zu schonen. Der Schritt war von Analysten kritisiert worden, da er den Rubel künstlich stützte.
Die Zentralbank wickelt die Käufe ab. Unter dem Strich wird der Staat damit künftig netto 1,18 Milliarden Rubel pro Tag kaufen. Bislang hatte er täglich Devisen im Wert von 4,6 Milliarden Rubel verkauft. Das Ministerium erklärte, bei der Festlegung des Volumens für Mai würden ausgesetzte Transaktionen aus den Vormonaten berücksichtigt. Dies dürfte die Auswirkungen auf den Markt abfedern.
Die staatlichen Öl- und Gaseinnahmen beliefen sich im April auf 855,6 Milliarden Rubel, wie aus ebenfalls veröffentlichten Daten des Finanzministeriums hervorging. Damit stiegen sie zwar deutlich im Vergleich zum März, als sie 617 Milliarden Rubel betrugen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Einnahmen jedoch um 21,2 Prozent.
(Bericht von Darya Korsunskaya, geschrieben von Rene Wagner, redigiert von Christian Rüttger - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




















