Die indische Rupie drehte am Donnerstagnachmittag kräftig ins Plus, beflügelt durch einen Einbruch der Rohölpreise. Händlern zufolge stützten zudem ausgelöste Stop-Loss-Orders bei Short-Wetten auf die Rupie sowie Dollar-Verkäufe im Non-Deliverable-Forward-Markt (NDF) die Währung.

Rohöl der Sorte Brent fiel unter 100 Dollar pro Barrel, was einem Rückgang von fast 3% entspricht. Damit kehrte sich der Trend um, nachdem im Tagesverlauf noch ein Höchststand von 102,5 Dollar erreicht worden war. Hintergrund sind Berichte von Insidern und Regierungsvertretern, wonach sich die USA und der Iran einem vorläufigen Abkommen zur Beilegung ihres Konflikts annähern.

Der Rückgang der Ölpreise beflügelte die asiatischen Währungen auf breiter Front, einschließlich der Rupie, die um bis zu 0,5% aufwertete, bevor sie den Handel bei 94,25 beendete - deutlich fester als ihr Tagestief von 94,9025.

Das Nachgeben der Rohölpreise verschafft Indien, dem weltweit drittgrößten Ölimporteur, die dringend benötigte Entlastung. Die seit Beginn des Nahost-Krieges stark gestiegenen Ölpreise hatten Ökonomen dazu veranlasst, eine schwächere Rupie zu prognostizieren, die Inflationserwartungen nach oben zu korrigieren und die Aussichten für das indische Wirtschaftswachstum zu senken.

Die Dollar-Rupie-Terminprämien, welche die Kosten für die Absicherung von Währungsrisiken widerspiegeln, gaben nach, wobei die implizite Rendite für einjährige Termingeschäfte auf ein Drei-Wochen-Tief von 2,97% sank.

Es gab ein sehr hohes Verkaufsinteresse im NDF-Markt, was darauf hindeutet, dass Short-Positionen in der Rupie glattgestellt wurden, so ein Händler einer Auslandsbank.

Ein zweiter Händler einer Privatbank ergänzte, dass eine große staatliche indische Bank sowie ein Institut mit Hauptsitz in Großbritannien dabei beobachtet wurden, wie sie am lokalen Spotmarkt massiv US-Dollar verkauften.

Das Ein-Monats-Dollar-Rupie-25-Delta-Risk-Reversal, ein Gradmesser für die Stimmung am Optionsmarkt, signalisierte ein nachlassendes Interesse an bärischen Wetten auf die Rupie.

'Die Verbesserung der globalen Risikostimmung unter den Anlegern und der Rückgang der Energiepreise verleihen den Schwellenländerwährungen Rückenwind', schrieben die Analysten von MUFG in einer Mitteilung.

'Die jüngsten Entwicklungen stärken das Vertrauen der Anleger, dass die USA und der Iran weiterhin Fortschritte bei der Suche nach einer diplomatischen Lösung machen', hieß es weiter.

Asiatische Währungen legten zwischen 0,2% und 0,6% zu, während der Dollar-Index um 0,2% auf 97,87 nachgab.

Die weltweiten Aktienmärkte profitierten von der verbesserten Risikostimmung; der MSCI-Index für asiatisch-pazifische Aktien legte um mehr als 2% zu.