Düsseldorf, 11. Mai (Reuters) - Der Rüstungsboom in Europa gibt der Thyssenkrupp-Tochter TKMS Rückenwind. Der Hersteller von U-Booten und Marine-Schiffe hat im ersten Halbjahr etwas mehr umgesetzt und verdient als erwartet. Nun setzt TKMS-Chef Oliver Burkhard auf weitere Großaufträge unter anderem aus Kanada und Indien. "Den aktuellen Auftragsbestand können wir wie geplant mit unseren eigenen Werftstandorten abdecken", sagte Burkhard am Montag. "Mit Blick nach vorne prüfen wir aber schon jetzt mögliche internationale Partnerschaften." Übernehmen will er zudem die Kieler Werft German Naval Yards Kiel (GNYK) - doch hier hat auch der größere Konkurrent Rheinmetall seinen Hut in den Ring geworfen. Er werde "nicht jeden Preis der Welt" für GNYK zahlen, machte Burkhard deutlich: "Geld allein baut keine Schiffe."
Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebit) stieg in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2025/26 um rund 14 Prozent auf 60 Millionen Euro, wie das Unternehmen weiter mitteilte. Der Umsatz kletterte um zehn Prozent auf 1,17 Milliarden Euro. Damit übertraf TKMS die Erwartungen von Analysten leicht, die im Schnitt mit einem Betriebsgewinn von 59 Millionen Euro und einem Umsatz von 1,1 Milliarden Euro gerechnet hatten. Treiber des Wachstums waren demnach die Sparten für U-Boote und Sonartechnologie - so erhielt TKMS Bestellungen für U-Boote aus Norwegen. Ein Großauftrag aus Kanada könnte folgen - Branchenexperten schätzen den Wert des Auftrags auf über zehn Milliarden Euro. Durch neue Bestellungen erreichte der Auftragseingang im Halbjahr bereits 3,4 Milliarden Euro, der Auftragsbestand summierte sich Ende März auf ein neues Rekordhoch von insgesamt 20,6 Milliarden Euro.
Die Nachfrage nach Waffen in der Folge des russischen Überfalls auf die Ukraine und des Abrückens der US-Regierung von der Nato beschert den Rüstungskonzernen in Europa zahlreiche neue Aufträge. Auch der deutsche Branchenprimus Rheinmetall eilt von Rekord zu Rekord. Sowohl TKMS als auch Rheinmetall wollen im Zuge ihrer Expansion die Werft GNYK übernehmen und haben jeweils unverbindliche Angebote eingereicht. "Wir sind nicht bereit, jeden Preis der Welt zu bezahlen", unterstrich Burkhard. "Wir kommen ziemlich gut auch allein klar", fügte er hinzu: "Das ist eine Option, aber kein Muss." Andererseits liege GNYK, eine Tochter des französischen Familienkonzerns CMN Naval, mitten im Gelände von TKMS und passe gut zum Unternehmen. "Wir könnten damit operativ sehr viel anfangen", sagte Burkhard. Bis zum Sommer erwarte er eine Entscheidung. Nägel mit Köpfen könnte TKMS aber bereits mit der spanischen Navantia machen. Mit ihr wurde eine Absichtserklärung über die Fertigung von TKMS-Gütern an ihren Werften unterzeichnet.
Rheinmetall ist deutlich größer als die Thyssenkrupp-Tochter TKMS. Diese kam im letzten Geschäftsjahr 2024/25 auf einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro, rund 9000 Menschen arbeiten für den Konzern. Rheinmetall fuhr 2025 mit rund 34.000 Beschäftigten knapp zehn Milliarden Euro Umsatz ein.
TKMS liege im Plan, die Jahresziele für das Geschäftsjahr 2025/26 zu erreichen, hieß es weiter. Danach soll die bereinigte Ebit-Marge bei über sechs Prozent liegen. Im Halbjahr erreichte sie 5,1 Prozent. Der Umsatz soll gegenüber dem Vorjahr um zwei bis fünf Prozent wachsen.
(Bericht von Matthias Inverardi und Christoph Steitz. Redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bittean unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


















