Die Waffenruhe wurde zwar verlängert, doch die Gesamtlage bleibt ausgesprochen fragil. Berichte über Angriffe auf Schiffe in der Region trieben die Ölpreise erneut nach oben, wobei Brent sich der psychologisch wichtigen Marke von 100 USD je Barrel nähert.
Trumps Verlängerung der Waffenruhe wird weniger als erster Schritt einer kohärenten Friedensstrategie dargestellt, sondern vielmehr als taktische Pause, während der Iran einen von ihm als „einheitlich“ bezeichneten Vorschlag ausarbeitet. Dies deutet auf ein Weißes Haus hin, das versucht, seinen Handlungsspielraum zu wahren, die Ölpreise unter Kontrolle zu halten und ein weiteres Abrutschen in einen gefährlicheren Konflikt zu vermeiden.
Unterdessen fanden die Märkte weitere Gründe zur Beruhigung in der Anhörung von Kevin Warsh, dem höchstwahrscheinlich nächsten Vorsitzenden der Federal Reserve. Gestern äußerte er sich in zentralen Punkten erwartungsgemäß, betonte die Unabhängigkeit der Notenbank und stellte klar, dass Trump ihn nicht zu Vorfestlegungen bei Zinsentscheidungen gedrängt habe. Für die Investoren wurde dies als positives Signal gewertet.
Doch es gab auch einen Moment, der als Warnsignal interpretiert wurde: Warsh weigerte sich anzuerkennen, dass Trump die Wahl 2020 verloren hat. Dies berührt den Kern des eigentümlichen Deals, der dem Land derzeit angeboten wird: Vertrauen Sie mir, die Unabhängigkeit der Federal Reserve zu schützen – aber erwarten Sie nicht, dass ich die grundlegende bürgerliche Unabhängigkeit zeige, eine feststehende demokratische Tatsache anzuerkennen.
Warsh machte zudem deutlich, dass er einen Kurswechsel gegenüber der jüngsten Ausrichtung der Fed anstrebt, und gab geldpolitischen Fehlern eine Mitschuld an der Inflation nach der Pandemie. Einige Analysten gehen inzwischen davon aus, dass eine von Warsh geführte Fed expansiver agieren könnte als derzeit vom Markt erwartet, wobei die Möglichkeit von zwei Zinssenkungen weiterhin im Raum steht.
Auf Unternehmensseite legte GE Vernova zu, nachdem der Konzern seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr angehoben hatte. Adobe sprang nach oben, nachdem ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm angekündigt wurde. United Airlines gewann hinzu, obwohl das Unternehmen gleichzeitig warnte, dass höhere Treibstoffkosten Kapazitätskürzungen erforderlich machen werden. ABB erhöhte ebenfalls seine Prognosen, während Capital One nach der Zahlenvorlage nachgab und T-Mobile aufgrund anhaltender strategischer Unsicherheiten leicht unter Druck stand. Tesla, IBM, Texas Instruments, Boeing und AT&T stehen heute ebenfalls im Fokus der Berichtssaison.
Dax tritt auf der Stelle - Telekom unter Druck, Siemens Energy und K+S gefragt
Mangels greifbarer Fortschritte im Iran-Krieg haben sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt am Mittwoch zurückgehalten. Der Dax bewegte sich am Nachmittag mit 24.277 Punkten kaum vom Fleck, behauptete sich damit aber weiter über seiner 200-Tage-Linie als Indikator für den längerfristigen Trend. Der MDax lag mit 31.364 Punkten nur leicht über dem Vortagesschluss, auch der EuroStoxx 50 kam kaum voran.
Im Dax stand die Deutsche Telekom im Mittelpunkt. Auslöser waren Berichte über Überlegungen zu einer vollständigen Kombination mit der US-Mobilfunktochter T-Mobile US. Am Markt überwog die Skepsis: Die Telekom-Aktie fiel um 4,5 % und war damit Schlusslicht im Leitindex. Belastend wirkten vor allem hohe regulatorische Hürden und die Frage, ob ein solcher Schritt für die Aktionäre von T-Mobile US ohne deutlichen Bewertungsaufschlag attraktiv wäre.
Gefragt waren dagegen Industriewerte und Technologietitel. Siemens Energy stiegen auf ein Rekordhoch und legten zuletzt 4,4 % zu, Siemens gewannen rund 1 %. Rückenwind kam von starken Quartalszahlen und einer angehobenen Prognose des Schweizer Technologiekonzerns ABB. Auch Akzonobel überzeugte mit besser als erwarteten Quartalszahlen und gewann 3,1 %. ASM International sprangen um 6,8 % nach oben, nachdem der niederländische Chiphersteller mit Umsatz und Ausblick die Erwartungen übertroffen hatte. Im Dax zogen Infineon um 3,1 % an.
Im MDax gerieten Tui nach einer gesenkten Prognose unter Druck und verloren mehr als 2 %. An die Spitze des Index setzten sich K+S mit einem Plus von mehr als 8 %, gestützt von starken vorläufigen Quartalszahlen und einem überraschend hohen operativen Ergebnis sowie freien Cashflow. Zugleich bleibt der Ausblick für die Branche längerfristig wegen zusätzlicher Kapazitäten ab 2027 gedämpft. Für Aufsehen sorgten zudem die Aktien des Laserspezialisten LPKF, die weitere 15,5 % zulegten und sich damit binnen eines Monats nahezu verdreifacht haben.























