Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall erwägt nach seiner im September vereinbarten Übernahme der Kriegsschiffsparte des deutschen Schiffbauers Luerssen für 1,35 Milliarden Euro (1,57 Milliarden US-Dollar) weitere Zukäufe im Marinesektor, wie Vorstandschef Armin Papperger mitteilte.

Die lang erwartete Konsolidierung im deutschen Marinesektor hat sich mit dem Anstieg der Verteidigungsausgaben beschleunigt. Allein Deutschland könnte laut Rheinmetall bis 2035 rund 31 Milliarden Euro für Marinefahrzeuge ausgeben.

"Wir sind ins Marinegeschäft eingestiegen und wollen natürlich wachsen. Und wenn wir gute Gelegenheiten sehen, wollen wir auch durch Übernahmen wachsen", sagte er am Rande einer Handelsblatt-Konferenz in Berlin gegenüber Reuters.

Papperger wollte keine potenziellen Übernahmeziele nennen, doch Branchensources deuten darauf hin, dass Europas größter Munitionshersteller Interesse an German Naval Yards Kiel (GNYK) haben könnte. 

Das U-Boot- und Fregattenbauunternehmen TKMS befindet sich derzeit in Gesprächen mit GNYK und erwartet in Kürze eine Entscheidung darüber, ob die benachbarte Werft übernommen wird.

Papperger spielte Spekulationen herunter, wonach Rheinmetall ein Auge auf GNYK geworfen habe.

"Ich weiß dazu im Moment nichts. Es gibt jemand anderen, der sagt, er wolle sie kaufen. Wir führen derzeit keine Verhandlungen."

Auf die Frage, ob Rheinmetall an GNYK interessiert sein könnte, sagte er: "Wir werden sehen."

Der Vorstandschef erklärte, dass Rheinmetall auf einem guten Weg sei, den Luerssen-Deal abzuschließen, und dass er erwarte, dass die europäischen Kartellbehörden diesem noch vor Ende Januar zustimmen werden.

Rheinmetall, bisher vor allem bekannt für die Herstellung von Panzerkanonen, Artilleriegeschossen und Schützenpanzern, hat sein Defence-Geschäft seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 diversifiziert.

Die deutsche Rüstungsindustrie profitiert von einem Anstieg der Verteidigungsausgaben, der durch eine veränderte US-Außenpolitik ausgelöst wurde. Diese setzt Europa verstärkt unter Druck, die eigenen Verteidigungsfähigkeiten gegenüber Russland auszubauen.

Am Donnerstag erklärte Papperger, dass Rheinmetall für 2026 mit einem potenziellen Auftragseingang von 80 Milliarden Euro (93,54 Milliarden US-Dollar) rechne. Er verwies auf staatliche Beschaffungspläne für den Boxer-Schützenpanzer, die Fregatten F126 und F127 sowie eine weitere Tranche des Schützenpanzers Puma.

Papperger sagte, allein der Boxer-Auftrag habe ein Volumen von 37,7 Milliarden Euro, während die Aufträge für die Fregatten sich auf 12-13 Milliarden Euro beliefen.