Seit 1889 im Rüstungsgeschäft aktiv, hat der frühere Zulieferer des Deutschen Reichs zahlreiche Umbrüche durchlaufen. Um sich von staatlichen Aufträgen zu emanzipieren, diversifizierte sich der Konzern in den 1980er Jahren durch die Übernahme von Pierburg in den Automobilsektor. Angesichts enttäuschender Ergebnisse und der strukturellen Krise des Sektors entschied sich Rheinmetall jedoch später für eine Rückbesinnung auf sein Kerngeschäft.

Der Ukraine-Krieg als Katalysator

Der russische Angriff auf die Ukraine katapultierte das Unternehmen schlagartig ins Rampenlicht. Während das Wachstum vor 2022 stagnierte, explodierte anschließend der Auftragsbestand. Die Ankündigung eines Sondervermögens von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr ließ den Aktienkurs binnen eines Jahres nahezu verdoppeln. In kurzer Zeit wandelte sich Rheinmetall vom ethisch umstrittenen Titel zu einem zentralen Akteur einer Verteidigungsindustrie, die von Investoren wieder als investierbar angesehen wird.

Ein Aufstieg in eine neue Liga

Die industrielle Transformation der vergangenen zehn Jahre ist bemerkenswert. Zwischen 2016 und dem laufenden Geschäftsjahr stiegen die Cashflows je Aktie von 10,42 Euro auf geschätzte mehr als 79,53 Euro. Parallel dazu verbesserte sich die operative Marge von 5,3% auf 18,6%.

Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines strukturellen Wandels: Die schrittweise Abkehr vom Automobilgeschäft zugunsten der Verteidigung, die heute nahezu alleiniger Wachstumstreiber ist. Für Investoren präsentiert sich Rheinmetall mittlerweile als hochprofitables Unternehmen, gestützt durch den Erfolg des Leopard 2 und die Beteiligung am MGCS-Projekt (Main Ground Combat System) gemeinsam mit KNDS, einem Hauptkonkurrenten, der seinerseits einen Börsengang anstrebt.

Wie viel Potenzial steckt noch in der Aktie?

Mit einem Kursanstieg von über 2.000% seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind die Erwartungen hoch. Jede Ergebnisveröffentlichung wird genau daraufhin geprüft, ob sich der Wachstumspfad bestätigt.

Rheinmetall baut seine Position derzeit durch strategische Partnerschaften weiter aus. Im Landbereich setzt der Konzern auf den Kampfpanzer Panther KF51, unterstützt durch Kooperationen mit Italien (Leonardo) und Ungarn. In der Luftfahrt- und Raumfahrtsparte positioniert sich das Unternehmen über einen Auftrag im Volumen von 1,7 Milliarden Euro mit ICEYE. Im maritimen Bereich eröffnet die Zusammenarbeit mit Kraken den Zugang zu autonomen Systemen – ein Markt, den AlphaValue auf mehr als eine Milliarde Euro beziffert.

Trotz einer Konsolidierung im März spiegelt die Bewertung weiterhin ein außergewöhnliches Umfeld für die Rüstungsindustrie wider. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 42 auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne, sinkt jedoch auf etwa 20 für 2027. Dies deutet darauf hin, dass der Markt weiterhin von einem deutlichen Gewinnwachstum ausgeht.

Rheinmetall erscheint damit zugleich hoch bewertet und im Verhältnis zu den erwarteten Ergebnissen nicht übermäßig teuer – auch wenn die Phase der spektakulären Kursgewinne mittlerweile eher der Vergangenheit angehört.