Während Konzerne wie Rheinmetall oder KNDS Panzerung und Kanone liefern, sorgt Renk für die Bewegung. Die Kriege der Vergangenheit haben gezeigt: Ein unbeweglicher Panzer ist ein toter Panzer. Mit der Beherrschung von Getrieben, die enorme Leistungswerte verkraften, hat sich der Augsburger Konzern unverzichtbar gemacht. Ohne seine Systeme wären NATO-Prestigeplattformen wie der Leopard 2 oder der Leclerc nicht einsatzfähig. Vier Jahrzehnte Know-how in Metallurgie und Strömungsmechanik lassen sich zudem nicht von heute auf morgen ersetzen.
Renk ist ein Unternehmen mit eineinhalb Jahrhunderten Geschichte. Der Börsengang erfolgte 2024 nach einem Prozess, in dessen Verlauf das Unternehmen zunächst zum MAN-Konzern gehörte und später bei Volkswagen landete, als der Autobauer den Lkw-Hersteller übernahm. Anschließend restrukturierte der Finanzinvestor Triton das Unternehmen über vier Jahre hinweg, bevor es an die Börse gebracht wurde.
Der Zeitpunkt erwies sich angesichts der geopolitischen Lage als ideal. Innerhalb von drei Jahren stieg der Umsatz von 850 Millionen auf 1,4 Milliarden Euro. Die Auftragseingänge erreichten 1,6 Milliarden Euro, während der feste Auftragsbestand auf 2,26 Milliarden Euro kletterte. Der Nettogewinn hat sich nahezu verdoppelt und liegt nun bei 101,3 Millionen Euro. Auf Basis dieser Ergebnisse plant der Konzern eine Dividende von 0,58 Euro je Aktie auszuschütten – ein Plus von 38,1 % gegenüber dem Geschäftsjahr 2024.
Das Monopol der Bewegung
Wer Renk Konkurrenz machen will, stößt auf hohe Markteintrittsbarrieren – finanzieller, technologischer und zertifizierungsbezogener Natur. Der technologische Aspekt ist dabei entscheidend: Das Know-how des Unternehmens bei Getrieben, die das Drehmoment eines 60-Tonnen-Fahrzeugs unter Gefechtsbedingungen und bei Temperaturen von bis zu 50 Grad bewältigen können, stellt einen gewaltigen Schutzwall dar.
Die Präsenz von Renk im Zentrum der NATO-Wertschöpfungsketten verstärkt diese Stellung zusätzlich. Kampfpanzer wie der Leopard 2 werden rund um seine Antriebssysteme konzipiert. Ein Wechsel des Zulieferers würde eine komplette Neuentwicklung der Fahrzeugarchitektur erfordern. Ein solches Programm würde mehrere Jahre dauern und die NATO-Staaten Milliarden kosten.
Der Wert des Verschleißes
Das Getriebe eines Kampfpanzers verschleißt deutlich schneller als seine Kanone oder Panzerung. Renk verkauft daher nicht nur ein Bauteil: Das Unternehmen übernimmt auch Wartung und Service über den gesamten Lebenszyklus – rund vierzig Jahre. Dieses Modell sichert wiederkehrende Einnahmen und stärkt zugleich die Position im Markt für bereits ausgerüstete Panzer.
Der Konzern arbeitet bereits an der nächsten Generation von Antriebssystemen, etwa hybriden Getrieben, die es Kampfpanzern ermöglichen sollen, nahezu geräuschlos zu operieren. Ohne die Hitzeentwicklung klassischer Verbrennungsmotoren wird das Fahrzeug für Infrarotsensoren, die die Wärme von Abgasen aufspüren, deutlich schwerer zu erkennen.
Renk beschränkt sich jedoch nicht auf den militärischen Bereich. Das Unternehmen exportiert auch Kompressoren und Antriebssysteme, die in industriellen Wärmepumpen sowie in der Wasserstoffenergie eingesetzt werden.
Der Preis der Unbesiegbarkeit?
Die Aktie wird derzeit mit hohen Wachstumsbewertungen gehandelt. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 53 liegt die Bewertung deutlich über dem historischen Durchschnitt des Unternehmens und über dem Niveau des Sektors. Die steigenden Verteidigungsbudgets haben die Bewertung nach oben getrieben, während der Auftragsbestand etwa zwei Jahresumsätzen entspricht.
Gleichwohl bleibt Renk von möglichen Haushaltsänderungen in Berlin oder Brüssel abhängig. Analysten bleiben insgesamt positiv gestimmt, und der Markt preist bereits einen großen Teil der künftigen Umsätze aus dem Auftragsbestand ein. Auf diesem Bewertungsniveau ist der Spielraum für Enttäuschungen jedoch äußerst gering. Die Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal 2026, die für den 6. Mai erwartet wird, dürfte neue Hinweise liefern.


















